Trade Republic: 94 Millionen Euro Umsatz, -50 Millionen Euro Verlust

Der Jahresabschluss von Trade Republic für das Geschäftsjahr 2020/2021 wurde bereits sehnlichst erwartet und nun ist er da. Bei einem Umsatz von 94 Millionen Euro wurde ein Verlust von 50 Millionen Euro erzielt. Das ist das erwartete Ergebnis auf das Unternehmen, welches auf Wachstum getrimmt ist und dank der Risikokapitalgeber über einen fetten Eigenkapitalpolster von über 400 Millionen Euro verfügt. Würde es in genau dieser Manier weiter gehen und es zu keinen weiteren Finanzspritzen mehr kommen, wäre in 8 Jahren das Eigenkapital aufgebraucht.

Gewinn- und Verlustrechnung 1.10.2020 bis 30.09.2021

Die Gewinn- und Verlustrechnung des Geschäftsjahrs 2021 wurde mit 17.1.2023 auf Bundesanzeiger.de veröffentlicht. Hier ist ersichtlich, wie es dem deutschen Vorzeige Neobroker im Geschäftsjahr 2021 gegangen ist (ein neues Geschäftsjahr startet bei Trade Republic mit 1.10. eines Jahres und weicht so vom Kalenderjahr ab).

Die wichtigsten Positionen:

  • Provisionserträge über 94 Millionen Euro (+250 %), nach 26,8 Millionen Euro im Jahr davor. Hier handelt es sich um die Rückvergütungen der Market Maker, Derivateemittenten etc.. Während im GJ 2020 Covid der Treiber war bei den Provisionserträgen, war es in diesem Geschäftsjahr 2021 der Meme-Stock Hype. Nimmt man 1 Million Kunden als Grundlage für diesen Zeitraum, gäbe es so je Kunden einen Umsatz von 100 €.
  • Personalaufwand auf 24,7 Millionen Euro (+266 %), nach 6,7 Millionen Euro im Geschäftsjahr davor. Im Mittel gab es im GJ 2021 341 Mitarbeitende, während es im Jahr davor noch 103 waren. Mehr als 3x so viel also.
  • Andere Verwaltungsaufwendungen auf 93,9 Millionen Euro (+301 %), nach 22,8 Millionen Euro im Jahr davor. Es handelt sich hier im Wesentlichen um Aufwendungen für Marketing, Mieten, Softwaredienstleistungen sowie für Rechts- und Beratungsleistungen. Speziell die Ausgaben für Marketing, sprich Neukundengewinnung ist kostenintensiv.
  • Ergebnis der gewöhnlichen (normalen) Geschäftstätigkeit mit einem Verlust von -50,4 Millionen Euro (+246 %), nach 14,6 Millionen Euro im Geschäftsjahr davor. Korrespondierend mit den Umsätzen steigt auch der Verlust des Unternehmens.
Screenshot aus der GuV von Trade Republic aus dem Bundesanzeiger [Stand 18.1.2023]

Bilanz zum Stichtag 30.09.2021

In der Bilanz zeigt sich sehr deutlich die stark gestiegenen Forderungen an Kreditinstitute von über 420 Millionen Euro, das Eigenkapital beträgt über 408 Millionen, tadellos! Warum ist das Eigenkapital so hoch? Es gab eine Finanzierungsrunde im Mai 2021 (Series C) und so gab es erneut Wagniskapital für den deutschen Neobroker. Investiert haben Sequoia, TCV und Thrive Capital als auch bestehende Investoren (Accel, Founders Fund, Creandum und Project A). Project A ist von Peter Thiel, jenem Unternehmen wo auch unser Ex-Bundeskanzler Sebastian Kurz angeheuert hat.

Screenshot aus der Bilanz von Trade Republic aus dem Bundesanzeiger [Stand 18.1.2023]

Wie gut ist Trade Republic nun unterwegs?

Im Lagebericht schreibt das Unternehmen: „Wichtigster, finanzieller Leistungsindikator sind die Provisionserlöse. 94 Millionen Euro sind über den Erwartungen. Auch Cost-Income-Ratio und Treuhandvermögen sind Steuerungsindikatoren. CIR > 100 %, Treuhandvermögen von 409 auf 933 Mio. Euro. Management sieht den Geschäftsverlauf als außerordentlich zufriedenstellend.“

Trade Republic ist auch Wachstum ausgerichtet, möglichst schnell Neukunden zu gewinnen. Das darf auch etwas kosten und das kostet auch. Dafür gibt es eben auch das Wagniskapital der vielen Venture Capital Geber. Die Kassa ist gut gefüllt und es können noch einige Jahre mit satten Verlusten entstehen. Die Umsatzerlöse steigen immens im zeitlichen Verlauf, doch steigen auch der Personalaufwand und auch das negative EGT. Für das Geschäftsjahr 2022 darf wohl ein noch höherer Verlust erwartet werden. Die Tradingaktivitäten sind hier nicht mehr so ausgeprägt wie 2021 und die Anzahl der Mitarbeitenden ist nochmals gestiegen.

Welche Risiken sieht Trade Republic für sich selbst und das Geschäftsmodell?

Die operationellen Risiken von Trade Republic resultieren aus den allgemeinen Geschäftstätigkeiten und umfassen im Wesentlichen die folgenden Unterkategorien:

  • Auslagerungsrisiken
  • Organisationsrisiken
  • IT Risiken
  • Betrügerische Handlungen (intern und extern) Rechtsrisiken
  • Aufsichtsrechtliches Risiko
  • Personalrisiken

Sicherlich interessant ist das Auslagerungsrisiko, denn Trade Republic macht weder die Depot- noch die Kontoführung selbst. Hier verlassen sie sich auf den Depotpartner HSBC und auf die Kontopartner Solarisbank, Deutsche Bank und Citi. Ein Risiko das im Lagebericht nicht erwähnt wird ist das Thema des Verbots von Payment-For-Order-Flow. Dieses Verbot steht seit geraumer Zeit im Raum in letzter Zeit sieht es eher nach einem Kompromiss aus (siehe Beitrag vom 21.12.22). Kommt dieses, muss Trade Republic das Erlösmodell umstellen, welches im Geschäftsjahr 2021 für den Umsatz von 94 Millionen Euro verantwortlich war.

Im Lagebericht schreibt das Management: Für das Geschäftsjahr 2021/2022 wird die Fortsetzung der sehr positiven Geschäftsentwicklung erwartet. Das im Rahmen der Series C Finanzierung eingesammelte Kapital ermöglicht Trade Republic die Expansion in Europa, sowie die Erweiterung des Produktportfolios. Damit will sich Trade Republic in Europa als Vorreiter für Geldanlage am Kapitalmarkt positionieren. Darüber hinaus wird durch die Internationalisierung ein Zuwachs an Neukunden erwartet. Der deutliche Anstieg der Provisionserlöse im Geschäftsjahr 2020/2021 soll sich 2021/2022 fortsetzen.

Wir dürfen gespannt sein, ob sich dies in rund einem Jahr wieder so zeigt.

Finanz-Szene.de: Akquisekosten von 63 € je Kunde, deutlich hinter Flatex

Das deutsche Portal Finanz-Szene.de hat eine Schätzung abgegeben, wie hoch denn die Akquisekosten je Kunde ist und haben für das GJ 2021 rund 63 Euro festgelegt. Ein Jahr davor gab es einen Neukunden noch um 40 Euro. Es wird also anscheinend teurer für Trade Republic nach den Daumen-x-Pi-Berechnungen von Finanz-Szene.

Ebenso verglich Finanz-Szene.de Trade Republic mit den offiziellen Zahlen von Flatex. Da flatexDEGIRO börsennotiert ist, gibt es von diesem Unternehmen deutlich mehr und umfangreichere Zahlen, die noch dazu belastbarer sind als die rudimentären Zahlen abseits der Muss-Zahlen laut Bundesanzeiger von Trade Republic.

  • flatexDEGIRO Umsatz 2021 (umgerechnet auf selbe Quartale wie GJ bei TR): 411 Millionen Euro
  • Trade Republic Umsatz 2021: 94 Millionen Euro

Im Unterschied zu Trade Republic hat flatexDEGIRO eine eigene Bank und Infrastruktur. Dazu setzt flatexDEGIRO auch nicht wesentlich auf das PFOF Erlösmodell sondern auf kostenpflichtige Trades. Das macht das Unternehmen auch finanziell lukrativer, wie der Blick auf das Ergebnis vor Steuern zeigt. Von 2015 bis 2021 stets positive Ergebnisse vor Steuern.

Quelle: https://www.finanzen.at/bilanz_guv/flatexdegiro

Fazit

Trade Republic zeigt eindrucksvoll dass es wächst. Eine Steigerung des Umsatzes um +250 % auf das Geschäftsjahr 2021 sind bemerkenswert! Gleichzeitig steigen aber auch die Kosten und die Verluste werden ebenso ausgebaut. Im Geschäftsjahr 2022 wird sich das vermutlich nicht wesentlich anders darstellen und wohl auch 2023 dann nicht. Hervorzuheben ist noch, dass 2020 und 2021 sehr gute Börsenjahre waren. Zuerst das Covid-Hoch, dann der Meme-Stock-Hype. Die Geschäftsjahre 2022 und 2023 werden deutlich gedämpfter ausfallen und mehr Umsatz wird hier wohl nur über mehr Kunden funktionieren. Die Kundenakquise kostet jedoch mehr und mehr Geld. Ist in den Geschäftsjahren 2022 und 2023 mit einem langsameren Anstieg beim Umsatz zu rechnen und einer Ausweitung der Verluste? Es wird spannend!

Dass Trade Republic pleite gehen wird, das erscheint unwahrscheinlich in der nächsten Zeit, denn das Unternehmen bekam 2021 viel Wagniskapital von ihren Venture-Capital Gebern. Über 400 Millionen stehen dort für die Expansion in neue Märkte und Produkte bereit.

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