Depotübertrag Steuer: Die steuerliche Behandlung in Österreich

Depotübertrag Steuer: Die steuerliche Behandlung in Österreich

Das Wichtigste zusammengefasst

  • Ein Depotübertrag kann heikel sein und unter bestimmten Umständen so behandelt werden, als ob alle Wertpapiere verkauft werden (Auslösung der Wertpapier-Kapitalertragsteuer)

In diesem Ratgeber

Alle Angaben ohne Gewähr und nach besten Wissen und Gewissen erstellt!

Die hier dargestellten Informationen wurden nach besten Wissen und Gewissen erstellt, dennoch kann sich ein Fehler eingeschlichen haben oder sich die Sachlage ändern. Nutzen Sie doch die Kommentarfunktion am Ende der Seite, um auf etwaige Fehler aufmerksam zu machen.

Die hier vorfindbaren Informationen können falsch sein bzw. sich durch Gesetzgebung, Rechtsprechung oder auch durch Erlässe der Finanzverwaltung verändern und natürlich kann die Besteuerung der Einzelperson auch noch durch verschiedene individuelle Parameter abhängen. All diese Faktoren sind hier natürlich nicht berücksichtigt und daher ist es wohl für jeden empfohlen sich an das Finanzamt oder einen Steuerberater zu wenden, welcher über die persönliche Situation bescheid weiß und so passende Beratung erfolgen kann.

Warum relevant?

Im April 2012 wurde die Vermögenszuwachsbesteuerung in Österreich eingeführt. Dabei werden Steuern auf realisierte Wertsteigerungen von Kapitalvermögen und Einkünfte von Derivaten steuerpflichtig. Bis dahin galt eine einjährige Spekulationsfrist, wer also seine Wertpapiere länger als ein Jahr hielt, musste diese nicht versteuern. Um die Vermögenszuwachsbesteuerung durchsetzen zu können, wurden die Besteuerung von Wertpapieren in das österreichische KESt-System integriert (Kapitalertragsteuer). Sitzt die depotführende Stelle in Österreich, so kümmert sich dieser Broker um die ordnungsgemäße Abführung der Steuer. Hat der Broker seinen Sitz im Ausland und keine Niederlassung in Österreich, so hat sich der Kunde selbst um die ordnungsgemäße Versteuerung zu kümmern.

Depotübertrag

In diesem Video wird der Depotübertrag besprochen und worauf es zu achten gilt. Es werden die Themen

  • Kosten
  • Dauer
  • Steuern

besprochen und ein paar gute Tipps gegeben.

Depotübertrag: Kosten, Dauer, Steuern - ist ein Depotwechsel sinnvoll? Das gilt es zu beachten!
Dieses Video ansehen auf YouTube.

Der Normalsterbliche sieht einzig beim Verkauf oder bei der Abschichtung von Wertpapieren bzw. eines Depots die Wertpapier-KESt auf einen zukommen, aber dem ist nicht so. Auch ein Depotübertrag muss gut überlegt sein und gesteuert, denn auch dieser könnte bei falscher Planung und Durchführung zu einer Auslösung einer Steuerpflicht durch die Wertpapier-Kapitalertragsteuer führen.

Warum? Jeder Depotübertrag zählt grundsätzlich einmal als Veräußerung der Wertpapiere und löst damit die KESt-Pflicht aus. Diese KESt-Pflicht kann jedoch auf zwei Arten unterdrückt werden:

Gleicher Inhaber beim Depotübertrag

Geschieht die Übertragung in der gleichen depotführenden Stelle, so muss nichts getan werden.

Inlandsübertragung: Geschieht jedoch eine Übertragung zu einem anderen Broker, so müssen die Anschaffungswerte der Wertpapiere vom übertragenden Broker an den übernehmenden Broker gemeldet werden (z. B. wechseln Sie von der DADAT zur Hello Bank so hat die DADAT der Hello Bank zu melden, zu welchem Preis Sie das jeweilige Wertpapier damals gekauft haben).

Auslandsübertragung: Wird der Depotübertrag zu einem Broker im Ausland transferiert, so will das Finanzamt dies natürlich wissen. Der übertragende Broker hat daher die einschlägigen Daten an das zuständige Finanzamt in Österreich zu melden.

Inhaberwechsel beim Depotübertrag

Verändert sich der Inhaber eines Depots so kann die KESt-Pflicht nur dann unterdrückt werden, wenn der Übertrag unentgeltlich geschieht. Also geschenkt. Dass es sich um ein Geschenk handelt muss nachgewiesen werden können. Das könnte z. B. durch einen Notariatsakt geschehen oder über eine Schenkungsmeldung an das Finanzamt oder im Falle einer Verlassenschaft, einen Einantwortungsbeschluss. Alternativ gibt es auch noch die Möglichkeit einer Finanzamtsmeldung, damit das Finanzamt die nötigen Informationen erhält, dass hier beim Inhaberwechsel des Depots es zu keiner KESt-Pflicht kam. Hierzu erhält der depotübertragende Broker das Einverständnis, dass das Institut vom Bank- und Datengeheimnis entbunden wird und diese dem Finanzamt die Übertragung der Wertpapiere mitteilen darf (umfangreiche Meldung von Namen, Sozialversicherungsnummer, steuerliche Anschaffungskonsten etc.).

  • Eine KESt-Pflicht beim Depotübertrag zu einem anderen Depotinhaber kann nur dann unterdrückt werden, wenn der Übertrag unentgeltlich geschieht – also wenn es sich um ein Geschenk handelt. Aber dieses Geschenk muss ans Finanzamt gemeldet werden oder bei einem Notar festgehalten werden.

Altbestand

Haben Sie noch einen Altbestand? Also Wertpapiere die vor dem
1.4.2012 gekauft wurden? Dann handelt es sich um einen Altbestand und für den gibt es keine KESt-Pflicht. Wird ein Altbestand von einem inländischen Broker zum anderen inländischen Broker übertragen, so hat man sicherzustellen, dass der depotführende Broker dem neuen Broker mitteilt, dass es sich hier um einen Altbestand handelt. Es wäre steuerlich katastrophal, wenn diese Information beim Depotwechsel verloren geht!

Fazit

Wird ein Depotübertrag vollzogen, so würde das Gesetz es so vorsehen, dass dieser KESt-pflichtig ist. Durch verschiedene Maßnahmen wie der Meldung der Anschaffungswerte vom alten Broker zum neuen Broker, kann dies umgangen werden. Bei einem Übertrags zu einem Depot im Ausland muss das Finanzamt darüber informiert werden. Nur so kann die KESt-Pflicht unterdrückt werden. Wird der Inhaber des Depots beim Depotübertrag verändert, so muss dieser Übertrag unentgeltlich geschehen, damit keine KESt-Pflicht entsteht. Diese Unentgeltlichkeit muss nachgewiesen werden können bzw. ans Finanzamt gemeldet werden.

Andreas von Broker-Test.at
Andreas ist Gründer und der Kopf hinter Broker-Test.at – er ist begeisterter Privatanleger, 1998 begann alles mit einem 20.000 Schilling Investment in die damalige Aktie des ehemals staatlichen Konzerns, der VA Tech (heute Primetals). Seit 2014 wird mit dieser Seite versucht mehr Transparenz für Interessierte und Anleger zu schaffen. 👉🏽 Mehr über mich und die Geschichte zu Broker-Test.at gibt es hier zum Nachlesen. 👉🏽 Zum Newsletter von Broker-Test.at kann hier die E-Mail Adresse eingetragen werden.
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18 Kommentare
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Hallo Andreas. Ich besitze Aktien von CSPC WKN HK1093012172. Am 18.6.2020 erfolgte ein Split 1:1,2 (zu meinen 20.000 STK erhielt ich 4.000 STK dazu), am 15.10.2020 erfolgte abermals ein Split u.zwar 1:1,6 ( zu meinen nun 24.000 STK bekam ich weitere 14.400 dazu). Mit gleicher WKN. Auf einem weiteren Depot halte ich etwas weniger Aktien dieses Unternehmens. Ich bin fassungslos, dass mir dafür von meiner Bank AuslandsKest und Quellensteuer abgezogen wurden. Ein Split ist doch Kapitalertragssteuerneutral. Zumal am 9. 10.2020 die Dividendenausschüttung eingebucht wurde. Ich habe schon einige Splits z.B. Apple, Nvidia etc aktiv mitgemacht. Bisher waren alle KEST neutral.… Weiterlesen »

Hallo Andreas, hoffe es geht Ihnen gut,
bin gerade am schauen, und da ist mir ihre Website eine grosse Hilfe, einen zweiten Broker zu finden. Was ich mich gerade frage ist, wie sich das verhält wenn ich auf einem depot Verluste geltend mache und auf dem Anderen Gewinne, wie da der Verlustausgleich funktioniert.
Ich vermute das sich dies schwierig gestaltet? Vielen Dank und schöne Grüße
Hans

Servus Andreas,

Ah Danke!
Wenn ich sicher wäre das ich mein Depot übertragen kann auf einen anderen Broker ohne das da steuerlich was geschieht dann würde ich es machen. Was ich da bei Dir gelesen habe muss man da vorsichtig sein. Das da also nicht irgendwas schon steuerlich geltend gemacht wird, was ich noch nicht will.

Sg
Hans

Danke Dir.

Hallo, danke für die Informationen!
Folgende Situation: Altes Depot mit nur mir als Inhaber. Neues Depot mit mir und meiner Lebensgefährtin als Inhaber.
Muss ich hier eine Schenkungsmeldung machen? Ich würde quasi die Hälfte meines alten Depot verschenken… – wenn ja wie?

Hast du an die Möglichkeit gedacht, vor dem Übertrag deine Lebensgefährtin als Mitinhaberin ins alte Depot zu holen?

Oder war es doch ich, der im Mai diese Frage gestellt hat? 🙂

Es ist eben keine Schenkung mehr notwendig, da beim alten und neuen Depot die selben beiden Inhaber sind. Mein Broker hat mir den Tipp gegeben.

Wie sieht es bei einem Depotübertrag von einem ausländischen Broker zu einem ausländischen Broker aus. Konkret möchte ich Aktien von LYNX und DeGiro zu Consors übertragen. Inhaber aller Depots bin ich. Meldet hier Consors an das österreichische Finanzamt? Muss ich das machen? Kann ich eine KEST-Zahlung vermeiden?

LG Roland

Keine Haftung, aber lies dir doch mal den § 27 Abs. 6 Z2 TS 4 EStG durch, der sollte hierbei hilfreich sein.
LG

Sehr geehrte Damen und Herren,

wie sieht das bei einem Depotübertrag von einem ausländischen Broker zu einem österreichischen Broker aus?
Wird dann das gesamte Jahr seitens des neuen Steuereinfachen Broker bearbeitet oder muss ich das Jahr bis zum Übertrag selber versteuern?

Mit Dank im Voraus

lg RK

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