Ausschüttenden ETF oder thesaurierenden ETF?

Ausschüttenden ETF oder thesaurierenden ETF?

Das Wichtigste zusammengefasst

  • Alle Angaben ohne Gewähr… work in progress
  • Aufpassen bei der Wahl des richtigen Fonds bzw. ETFs
  • Keine Ausschütter die keine Ausschüttungen melden
  • Keine synthetische Fonds, größere Steuerschwankungen
  • Fonds- und ETF-Wahl aus steuerlicher Sicht:
      • Thesaurierender Meldefonds: Gut
      • Ausschüttender Meldefonds mit Ausschüttungsmeldung: Gut
      • Ausschüttender Meldefonds ohne Ausschüttungsmeldung: Nicht gut
      • Nicht-Meldefonds: Nicht gut

In diesem Ratgeber

Kurz zusammengefasst

Achtung, die Situation ist komplex und ich bin weder Steuerberater noch ein anderswie großartig Wissender - dieser Beitrag versucht die Situation nach bestem Wissen und Gewissen darzustellen, es könnte sich jedoch auch anders darstellen. Alle Angaben ohne Gewähr! Für sachdienliche Hinweise auf Fehler, andere Gedanken etc. bin ich mehr als happy - dazu bitte die Kommentarfunktion am Ende des Beitrags verwenden oder direkt an info@broker-test.at

Andreas von Broker-Test.at

Die Besteuerung eines Fonds bzw. ETFs ist in Österreich eine komplexe Sache und vieles steht und fällt mit den Meldungen an die OeKB. Gibt es eine Meldung, so handelt es sich um einen Meldefonds, wird nichts gemeldet, handelt es sich um einen Nicht-Meldefonds.

Nun ist es so, dass es Emittenten (also jene die einen Fonds bzw. ETF auflegen) gibt die zwar an die OeKB melden, jedoch „vergessen“ auch die Ausschüttungen zu melden. Daraus ergibt sich kurz zusammengefasst die folgende steuerliche Übersicht:

Fonds- und ETF-Wahl aus steuerlicher Sicht:

  • Thesaurierender Meldefonds: Gut
  • Ausschüttender Meldefonds mit Ausschüttungsmeldung: Gut
  • Ausschüttender Meldefonds ohne Ausschüttungsmeldung: Komplex 
  • Synthetische Fonds: Komplex 
  • Nicht-Meldefonds: Komplex /Nicht gut

Warum ist das so? Der folgende Beitrag sagt Ihnen warum.

Was ist das Problem?

Bei Fonds die Ausschütter sind und es keine Ausschüttungsmeldungen gibt, werden die Ausschüttungen vom Broker versteuert. Zugleich erstellt der steuerliche Vertreter die Jahresmeldung für den Fonds und nimmt auch hier die Ausschüttungen mit dazu. Die Besteuerung der Jahresmeldung berücksichtigt abermals die Ausschüttungen und so kommt es für den Kunden zu einer Doppelbesteuerung.

Warum keine Ausschütter die keine Ausschüttungen melden

Warum sollte man als ÖsterreicherIn keinen Fonds (und dazu gehören natürlich auch ETFs) wählen, welcher ein Ausschütter ist und diese Ausschüttungen vom steuerlichen Vertreter nicht an die OeKB gemeldet werden? Eine Erklärung wie das Nicht-Zusammenspiel von Fonds-Emittenten, steuerlichen Vertreter, Broker und der Gesetzgebung nachteilig für den Anleger wirkt:

Der Fonds müsste einen Tag vor seiner Ausschüttung diese Ausschüttung an den steuerlichen Vertreter melden, damit dieser eine Meldung an die OeKB machen kann. Das passiert bei manchen Fonds nicht. 

Wie kann festgestellt werden ob es eine Ausschüttungsmeldung gibt oder nicht? Dazu einfach am besten die ISIN (Internationale Wertpapierkennnummer) auf der Website my.oekb.at eingeben und sich über einen Klick auf “Übersicht erfolgter Meldungen” eine Übersicht verschaffen. Findet sich hier wie beim Vanguard FTSE All-World UCITS ETF (USD) Distributing (ISIN IE00B3RBWM25, WKN A1JX52) keine Ausschüttungsmeldungen, so handelt es sich eben um so einen Fonds der nicht unbedingt gewählt werden muss.

Gibt es bei der OeKB eine Meldung über die Ausschüttung, kann der Broker die dortigen Daten bei der Ausschüttung berücksichtigen (KESt oder keine KESt). Hingegen gibt es beim Ausschütter iShares MSCI World UCITS ETF (ISIN IE00B0M62Q58, WKN A0HGV0) sehr wohl auch Ausschüttungsmeldungen von iShares an den steuerlichen Vertreter, der wiederum fristgerecht an die OeKB meldet.

Passiert diese Meldung an den steuerlichen Vertreter nicht, so gibt es bei der OeKB auch keine Meldung darüber. Der Broker kann daher nicht anders, dass dieser die Ausschüttung verkestet mit 27,50 %. In diesem Fall wird eine Ausschüttung des beliebten Vanguard FTSE All-World UCITS ETF (USD) Distributing (ISIN IE00B3RBWM25, WKN A1JX52) mit der KESt besteuert, siehe Abrechnung easybank:

Nun wurde jede Ausschüttung bereits mit einem KESt Abzug bedacht.

Einmal im Jahr kommt die Jahresmeldung des steuerlichen Vertreters. Hier hat dieser die ausschüttungsgleichen Erträge als auch die Ausschüttungen steuerlich zu berücksichtigen, weil dieser diese noch nicht behandelt hat. In diesem Moment kommt es zu einer Doppelversteuerung. So richtig typisch ist bei diesen Fonds, dass es bei der Anpassung der Anschaffungswerte ein negativer Wert hier entsteht. Das bedeutet, dass die Anschaffungskosten des Fonds in diesem Fall niedriger werden und beim Verkauf der etwaige Gewinn somit höher wird und damit mehr Kapitalertragsteuer anfällt. Hier wieder das klassische Beispiel des Vanguard FTSE All World ETF:

Die Jahresmeldung dieses ETFs vom 13.01.2021 berücksichtigt das Geschäftsjahr vom 1.7.2019 bis 30.6.2020 und in diesem Zeitraum schüttete dieser ETF viermal aus:

Auszahlungs-DatumEx-DatumAusschüttung
24.06.202011.06.20200,3812 USD
08.04.202026.03.20200,4083 USD
27.12.201912.12.20190,2973 USD
09.10.201926.09.20190,4160 USD
  1,5028 USD

Die Summe von 1,5028 US-Dollar für alle vier Ausschüttungen im Meldezeitraum finden sich sodann auch unter Punkt 5 der Jahresmeldung.

Was machen steuereinfache Broker?

Aktuell scheint es so zu sein bei steuereinfachen Anbietern, dass diese die Ausschüttungen versteuern, die Jahresmeldung als ausschüttungsgleichen Ertrag versteuern aber den Anschaffungskurs nicht verändern, wenn der gemeldete Betrag “Die Anschaffungskosten des Fondsanteils sind zu korrigieren um” negativ ist.

Nun ist der Kuddelmuddel perfekt. Zum einen Doppelversteuerung der Ausschüttungen, zum anderen aber nicht die Anschaffungskosten nicht korrekt angepasst. Eine Rückforderung der Steuer auf die Ausschüttungen ist damit nicht 1:1 umsetzbar, denn die Anpassung der Anschaffungskosten ist beim Broker nicht korrekt hinterlegt. Wer das nun noch selbst hinbiegen möchte über die Einkommensteuererklärungen muss somit eine eigene Buchhaltung führen und Jahr für Jahr mitschreiben, wenn alles “steueroptimal” soll.

Alternativen und Auswege

Wem das alles zu bunt ist hier ein paar Alternative Vorschläge:

  • Wechsel auf auschüttenden ETF mit Meldung der Ausschüttung
  • Wechsel auf einen thesaurierenden ETF
  • Wechsel auf einen ausländischen Anbieter und alles selbst durchführen (aber auch hier Achtung, dass die Ausschüttungen korrekt behandelt werden und im Fall des Falles der Dame bzw. dem Herrn beim Finanzamt genau zeigen können, was und warum etwas gemacht wurde)
  • Einfach weitermachen und sich damit abfinden, dass es nicht steueroptimal läuft und wer weiß, ob der Anbieter nicht doch auch mal bald die Ausschüttungen meldet oder der Gesetzgeber auch mal wieder das Gesetz ändert

Synthetische Fonds, größere Steuerschwankungen

Auch bei synthetischen Fonds bzw. ETFs gibt es eine Besonderheit. Hier wird mit SWAPs gearbeitet, einem derivativen Finanzinstrument. Hier wird für den Fonds ein Derivat abgeschlossen, dem Trägerportfolio. Dieses läuft aus und löst eine Steuerpflicht aus. Diese Steuerpflicht korreliert jedoch nicht 1:1 mit den ordentlichen und außerordentlichen Erträgen des Fonds und so kommt es bei manchen Inhabern zu vielen Fragezeichen, warum denn die Steuerzahlung gar so hoch ist, obwohl die Performance des Fonds nicht so besonders war. Dies kann am Trägerportfolio liegen.

Über eine Haltedauer von vielen Jahren wird sich dieses Manko vermutlich ausgleichen, kurzfristig kann es bei synthetischen Fonds jedoch zu Steuerzahlungen kommen, die höher sind als vermutet (jedoch eben auch in die andere Richtung). Wie kann ich feststellen ob mein ETF nun ein SWAP-ETF ist? Suchen Sie auf Justetf.com oder Extraetf.com nach der Replikationsart „Synthetisch“. Ist Ihr ETF dort zu finden, so verwendet dieser unter anderem auch Derivate zur Abbildung des Index.

Andreas von Broker-Test.at
Andreas ist Gründer und der Kopf hinter Broker-Test.at – er ist begeisterter Privatanleger, 1998 begann alles mit einem 20.000 Schilling Investment in die damalige Aktie des ehemals staatlichen Konzerns, der VA Tech (heute Primetals). Seit 2014 wird mit dieser Seite versucht mehr Transparenz für Interessierte und Anleger zu schaffen. 👉🏽 Mehr über mich und die Geschichte zu Broker-Test.at gibt es hier zum Nachlesen. 👉🏽 Zum Newsletter von Broker-Test.at kann hier die E-Mail Adresse eingetragen werden.
Abonniere
Benachrichtige mich zu:
3 Kommentare
Alle Kommentare anzeigen

Danke für den ausführlichen Artikel, Andreas! Bezüglich der steuereinfachen Broker, habe ich mit Flatex bisher folgende Erfahrungen gemacht: – Vanguard FTSE All-World (IE00B3RBWM25, Ausschüttend): KESt auf Ausschüttungen, Jahresmeldung wird seit Jahren ignoriert (keine Anpassung der AK, kein weiterer Steuer-Abzug) – xTrackers MSCI World (IE00BK1PV551, Ausschüttend): KESt auf Ausschüttungen, Jahresmeldungen wurden seit mind. 2018 ignoriert (keine AK Erhöhung), außer dieses Jahr. Dieses Jahr wurde die volle Steuer laut 2021er Jahresmeldung (zeitgleich mit Ausschüttung) abgezogen, jedoch wurden wieder die AK nicht erhöht. Erst nach langem E-Mail hin und her gab es eine Korrektur – und jeder Kunde muss sich einzeln darum kümmern!… Weiterlesen »

Hui, hab ich dann ja echt gut getimed 🙂 Mir blieb in Erinnerung, dass du einen Artikel hierüber schreiben wolltest, als ich heute auf deine Seite geschaut hab.
Übrigens eine Korrektur zu meinem Kommentar:
Flatex hat 2018 das letzte mal beim xtrackers MSCI World (IE00BK1PV551) AK erhöht. Nach Durchrechnen haben sie die letzten Jahre die Steuern korrekt nach Jahresmeldung (nicht nur Ausschüttung) abgezogen, aber eben die AK nicht angepasst. Werde mich bei ihnen jetzt auch nochmal wg. 2019 und 2020 melden. Hoffe das wird bald verbessert…
Danke für dein Engagement bei Vanguard! 😉

Zuletzt bearbeitet 25 Tage her von DonLuigi
3
0
Hinterlasse einen Kommentarx
()
x

Advertorial: Interessante Online Broker

  • 0 € Depotgebühr 2021,
    danach 0,09 % p.a.
  • 10,12 € p.a. Konto
  • 0,00 € je Order bis 31.3.2021
  • Depotwechsel? Übernahme von bis zu 300 € an Spesen
  • Steuereinfacher Broker
  • 50 € Trading Guthaben
  • 0 € Depotgebühr
  • 0 € Verrechnungskonto
  • über 1100 ETFs für Sparpläne, > 200 ohne Gebühren
  • Steuereinfacher Broker
  • 0 € Depotgebühr 2021,
    danach 0,12 % p.a.
  • 18 € p.a. Konto
  • 25 Free Trades bei Tradegate
  • Steuereinfacher Broker

Advertorial: Interessante Online Broker

  • 50 € Tradingguthaben
  • 0 € Depotgebühr dauerhaft
  • -0,4% Negativzinsen auf Guthaben
  • über 1100 ETFs für Sparpläne, > 200 ohne Gebühren
  • Steuereinfacher Broker
  • 0 € Depotgebühr bis 2022,
    danach 0,09 % p.a.
  • 10,12 € p.a. Konto
  • 1,00 € eigene Orderspesen für 6 Monate plus fremde Spesen
  • Übernahme Übertragspesen bis 250 € 
  • steuereinfach