Steuerfreibetrag Kapitalertragsteuer

Steuerfreibetrag Kapitalertragsteuer

Das Wichtigste zusammengefasst

  • In Österreich gibt es keinen Steuerfreibetrag von 801 Euro! Ab dem ersten Euro wird Kapitalertragsteuer fällig
  • Regierung denkt darüber nach, ob es für Langfristinvestoren eine KESt-Befreiung geben soll
  • Ist man in Österreich steuerlich ansäßig und Geringverdiener, so kann die Regelbesteuerungsoption interessant sein. Statt Kapitalertragsteuer werden Kapitalgewinne mit dem Einkommensteuertarif versteuert

In diesem Ratgeber

In Deutschland gibt es einen Freibetrag von 801 Euro bei der Abgeltungssteuer und für Ehepaare sogar 1.602 Euro Freibetrag. Das Pendant in Österreich zur Abgeltungssteuer ist die Kapitalertragsteuer in der Höhe von 27,50 % (ausgenommen Sparzinsen, diese sind mit 25 % besteuert). Gibt es denn nun in Österreich auch einen Freibetrag auf die KESt so wie in Deutschland? Kurz, knackig die Antwort:

Nein, es gibt keinen Steuerfreibetrag bei der Kapitalertragsteuer!

Daher gibt es auch keine Möglichkeit eines Freistellungsauftrags bei der Bank. Die Nationalstaaten der EU sind leider sehr darauf erpicht, dass sie eine nationale Gesetzgebung haben und so sich jedes Land voneinander unterscheidet. Neben der gemeinsamen Sprache unterscheidet uns mit Deutschland auch die anderen Steuergesetze und so gibt es eben keinen Steuerfreibetrag und auch keine Abgeltungssteuer. Diese heißt bei uns in Österreich Kapitalertragsteuer.

Dennoch gibt es auch in Österreich eine Möglichkeit die Steuer bei Kapitalerträgen niedrig(er) zu halten.

Tarifbesteuerung / Regelbesteuerung

Gibt es Einkünfte aus Kapitalvermögen so unterliegen diese in der Regel dem Sondersteuersatz von 27,50 % bzw 25 % und nicht der Tarifbesteuerung (persönliche Steuerprogression). Die angefallene Steuer auf die Einkünfte aus Kapitalvermögen wird so in der Regel im Wege der Kapitalertragsteuer (KESt-Abzug) abgeführt.

Es gibt jedoch keine Verpflichtung in Österreich die Einkünfte aus Kapitalvermögen dem Sondersteuersatz zu unterwerfen und der Steuerpflichtige kann so auch in die Regelbesteuerung optieren. Damit werden die Kapitaleinkünfte nach dem persönlichen Steuersatz der Progressionsstufe besteuert. Das ergibt natürlich nur dann Sinn, wenn der Steuersatz der Regelbesteuerung niedriger ist als jener der Kapitalertragsteuer. Optiert man in die Regelbesteuerung, so ist man so natürlich veranlagungspflichtig und hat so jedes Jahr eine Einkommensteuererklärung abzugeben.

Regelbesteuerungsoption beantragen

Im Zuge der Steuererklärung hat der Steuerpflichtige die Möglichkeit die Regelbesteuerungsoption zu beantragen. Diese Option ist natürlich nur für sämtliche Einkünfte aus Kapitalvermögen möglich.

Wie funktioniert es mit der Rückerstattung der KESt? Dazu sagt die Website des Finanzministeriums:

„Kommt es bei Ausübung einer Regelbesteuerungsoption zu einer geringeren Besteuerung als bei der Anwendung des besonderen Steuersatzes von 25 Prozent bzw. 27,5 Prozent, wird auf Antrag die bereits in Abzug gebrachte KESt auf die gemäß der Veranlagung zu entrichtende Einkommensteuer angerechnet und ein allfälliger darüber hinausgehender KESt-Betrag wird rückerstattet.“

Über die Regelbesteuerungsoption sagt das Finanzministerium, dass die KESt rückerstattet wird bzw. auf die zu entrichtende Einkommensteuer angerechnet wird. Quelle: https://www.bmf.gv.at/steuern/Besteuerung-inl-sowie-im-Inland-bez-Kapitalertraege.html

Einkommensteuertarif

Was heißt Tarifbesteuerung bzw. Regelbesteuerung? Das heißt, dass das Jahreseinkommen zu einem speziellen Steuersatz, je nach Progressionsstufe errechnet wird. Mit 2020 gab es eine Veränderung in der Tarifstufe 11.000 bis 18.000 Euro. Statt einem Grenzsteuersatz von 25 % gilt hier nun ein Steuersatz von 20 %.

Tarifstufen Einkommen
in Euro
Grenzsteuersatz
2016 bis 2019
Grenzsteuersatz
ab 2020
11.000 und darunter 0% 0%
über 11.000 bis 18.000 25% 20%
über 18.000 bis 31.000 35% 35%
über 31.000 bis 60.000 42% 42%
über 60.000 bis 90.000 48% 48%
über 90.000 bis 1.000.000 50% 50%
über 1.000.000 55%3) 55%
JAHRES-
EINKOMMEN IN €
EINKOMMENSTEUER IN € DURCHSCHNITT-STEUERSATZ IN % GRENZ-STEUERSATZ IN %
< 11.000 0 0 0
> 11.000 bis 18.000 (Einkommen – 11.000) x  20 % 0 – 7,78 20
> 18.000 bis 31.000 (Einkommen – 18.000) x  35 % +  1.400 7,78 – 19,19 35
> 31.000 bis 60.000 (Einkommen – 31.000) x 42 % + 5.950 19,19 – 30,22 42
> 60.000 bis 90.000 (Einkommen – 60.000) x 48 % + 18.130 30,22 – 36,14 48
> 90.000 bis 1 Mio. (Einkommen – 90.000) x 50 % + 32.530 36,14 – 48,75 50
> 1 Mio.(befristet 2016
bis 2020)
(Einkommen – 1.000.000) x 55 % + 487.530 > 48,75 55

Vereinfachte Steuerberechnung

Jahreseinkommen  x Prozent abz. Fixbetrag = Steuer (vor Absetzbeträgen) 

  • bis 11.000                 x  0 %             –       0                    = 0
  • > 11.000 bis 18.000 x 25 %           –   2.750,-              = Steuer
  • > 18.000 bis 31.000 x 35 %           –   4.550,-              = Steuer
  • > 31.000 bis 60.000 x 42 %           –   6.720,-              = Steuer
  • > 60.000 bis 90.000 x 48 %           – 10.320,-              = Steuer
  • > 90.000 bis 1 Mio.  x 50 %           – 12.120,-              = Steuer
  • > 1 Mio.                     x 55 %           – 62.120,-               = Steuer

Fazit

In Österreich gibt es im Unterschied zu Deutschland keinen Sparerfreibetrag in der Höhe von 801 Euro, welcher über den Freistellungsauftrag in Anspruch genommen werden kann. Sämtliche Überlegungen die in Hinblick auf der Sparerfreibetrag/Freistellungsauftrag gemacht werden sind umsonst, da das österreichische Steuerrecht anders gestaltet ist. 

Die Kapitalertragsteuer für Sparzinsen von 25 % und für alle andere Kapitalerträge in der Höhe von 27,5 % müssen ab dem ersten Cent bezahlt werden. Für Geringverdiener gibt es noch die Regelbesteuerungsoption. Statt der Kapitalertragsteuer werden die Kapitalerträge nach Einkommensteuer versteuert.

Andreas von Broker-Test.at
Andreas ist Gründer und der Kopf hinter Broker-Test.at – er ist begeisterter Privatanleger, 1998 begann alles mit einem 20.000 Schilling Investment in die damalige Aktie des ehemals staatlichen Konzerns, der VA Tech (heute Primetals). Seit 2014 wird mit dieser Seite versucht mehr Transparenz für Interessierte und Anleger zu schaffen. 👉🏽 Mehr über mich und die Geschichte zu Broker-Test.at gibt es hier zum Nachlesen. 👉🏽 Zum Newsletter von Broker-Test.at kann hier die E-Mail Adresse eingetragen werden.
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7 Kommentare
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Hallo Andreas,
danke für deine interessanten Artikel.
Bitte beachte den neuen/ nachträglich gesenkten Eingangssteuersatz (von 25% auf 20%) gültig ab 1.1.2020.
Somit dürfte die Optierung in die Regelbesteuerung für eine größere Personengruppe interessant werden.
Beste Grüße,
Nicola

Korrektur/Nachtrag: Durch die niedrigeren Einsatzsteuersatz sind zwar nicht mehr Personen betroffen, allerdings ist die beschriebene Option für Geringverdiener umso spannender. Zudem bin ich nicht sicher wie untenstehender steuerrechtlicher Hinweis lt. meiner Etragsübersicht bei einer Crowdfunding Plattform zu interpretieren ist: „Der Erhalt der Erträge ist vom Darlehensgeberim Rahmen der Einkommenssteuererklärung anzugeben. Wurde bis jetzt noch keine Einkommenssteuererklärung abgegeben (nur Einkünfte aus einem Angestelltenverhältnis),so muss dann eine Einkommensteuererklärung abgegeben werden, wenn weitere Einkünfte in einem Jahr den Betrag von EUR 730,00 übersteigen (Freibetrag).“ Dieser Freibetrag betrifft offenbar die in untenstehendem Link angesprochenen Einkommen aus selbständiger Tätigkeit: https://www.arbeiterkammer.at/beratung/steuerundeinkommen/dazuverdienen/Arbeitsverhaeltnis_und_Werkvertrag.html Wenn ich richtig interpretiere wären… Weiterlesen »

Hallo Andreas, danke für die Informationen! Und ich hab mich schon dauernd gefragt, warum flatex.at einfach kein Freistellungsformular für Ö hat! ;D LG Claudia

Woher kommen die Fixbeträge? Gibt es eine gesetzliche Grundlage?

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