Einlagensicherung Trade Republic: 100.000 Euro für alle Kunden?

Trade Republic ist der führende Neobroker in Deutschland und sorgt auch in Österreich für Furore. Gerade junge Menschen setzen auf diesen einfachen und verständlichen Zugang zum Kapitalmarkt. Der Broker hat Expertise darin, das Traden möglichst einfach zu gestalten, ohne Hindernisse. Er kümmert sich um eine einfache, verständliche Smartphone App und seit kurzem auch mit einer eigenen Browser Version zum Traden. Im Hintergrund wird die Depotführung an die HSBC Bank ausgelagert und das Verrechnungskonto an die Solarisbank.

Trade Republic hat im Unterschied zu einer DADAT Bank oder Flatex also gar nicht die Depotführung oder das Führen des Verrechnungskontos inne. Am Verrechnungskonto liegt das nicht investierte Guthaben. Soweit, so gut.

Wir betreiben kein Einlagengeschäft. Das bedeutet u.a., dass wir Deine Gelder nicht selbst halten dürfen. Deshalb ist es für Dich als unseren Kunden am besten, wenn Dein Geld auf einem Sammelkonto liegt – da z.B. für Einzelkonten höhere Verwaltungskosten anfallen würden.

So Trade Republic in den FAQs

Beim Verrechnungskonto sollte jedoch näher hingeschaut werden, denn wie steht es hier denn um die Einlagensicherung?

Trade Republic: Geld der Anleger bis zu 100.000 Euro abgesichert.

In den FAQs von Trade Republic findet sich der folgende Hinweis zur Sicherheit und zur Einlagensicherung.

Dein Geld wird bei der Solarisbank AG aus Berlin verwahrt. Die Solarisbank AG untersteht der Aufsicht durch die Deutsche Bundesbank sowie der BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht). Selbstverständlich werden alle Kundengelder getrennt vom Vermögen der Trade Republic aufbewahrt. Die gesetzliche Einlagensicherung beträgt bis zu 100.000 Euro pro Anleger.

So Trade Republic in den FAQs

100.000 Euro pro Anleger sind also gesichert. Nun ja, das stimmt auch, doch wer ist nun der Anleger? Hier die Details:

Trade Republic Sammelkonto bei Solarisbank

Die Kundengelder liegen auf einem Sammelkonto auf den Namen von Trade Republic bei der Solarisbank. Damit ist sichergestellt, dass das Kundenvermögen vom Vermögen von Trade Republic getrennt ist. Im Fall einer Insolvenz von Trade Republic, kann daher nicht auf die Kundengelder zugegriffen werden. Das ist eine gesetzliche Notwendigkeit.

Die Solarisbank AG ist Teil der Entschädigungseinrichtung deutscher Banken GmbH und damit sind die Einlagen (Sicht-, Termin- und Spareinlagen sowie auf den Namen lautende Sparbriefe) bis 100.000 € je Einleger abgesichert sind. Eine darüber hinaus gehende Absicherung existiert nicht.

Besonders ist es bei der Konstruktion von Trade Republic und Solarisbank aber, dass es sich um ein Treuhand Sammelkonto handelt. Dabei handelt es sich NICHT um ein offenes Treuhand Sammelkonto, welches im Konto-Wortlaut aufzeigt, wem das Geld gehört. Damit liegt die Einlagensicherung bei 100.000 Euro für den Inhaber des Kontos. Das ist Trade Republic. Das wurde so auch vom Support von Trade Republic bestätigt und die Entschädigungseinrichtung deutscher Banken GmbH machte mich darauf aufmerksam, worauf es bei einem Treuhand Konto ankommt („es muss sich um ein offenes Treuhandkonto handeln und in der Kontobezeichnung das Treuhandverhältnis und der Treugeber eindeutig gekennzeichnet sein“). Im Fall einer Pleite der Solarisbank ist es dann so, dass hier Trade Republic nur mit 100.000 Euro abgesichert ist. Ganz direkt ausgedrückt:

Alle Guthaben, aller Trade Republic Kunden sind als Summe mit 100.000 Euro abgesichert im Falle einer Insolvenz der Solarisbank.

Es ist stark anzunehmen, dass sämtliche Kundenguthaben über 100.000 Euro liegen und im Fall einer Insolvenz die Kundenforderungen nicht zur Gänze von Trade Republic und der Einlagensicherung befriedigt werden können.

Auf der Website Basicthinking.de hat Rechtsanwalt Carsten Lexa dazu genauer geschrieben:

„Wenn man es genau betrachtet, trägt der Kunde damit das Insolvenzrisiko der Solarisbank, das sich dann realisiert, wenn Trade Republic in der Insolvenz der Solarisbank den Anspruch auf Auszahlung des Kundenguthabens weder gegenüber der Einlagensicherung der Solarisbank noch gegenüber deren Insolvenzverwalter realisieren kann.“

RA Carsten Lexa über die Kundenguthaben und dem Insolvenzrisiko der Solarisbank

Die Solarisbank wurde 2016 gegründet und ist eine Whitelabel Bank. Die Solarisbank wird gerne als Banking-Partner von anderen FinTech Unternehmen verwendet. Z. B. von der Bison App, Nuri, Tomorrow oder Vivid Money verwendet.

Warum hat Trade Republic keine Einzelkonten sondern Sammelkonten?

Der Grund liegt laut Eigenangaben von Trade Republic, dass es an den Kosten scheitert. Für Einzelkonten fallen höhere Verwaltungskosten bei der Solarisbank an und daher hat sich Trade Republic dafür entschieden ein Sammelkonto zu verwenden.

Wie wahrscheinlich ist die Pleite einer Bank?

Die Pleite einer Bank ist sehr selten, es ist ein Ausnahmefall. Kommt es nie vor? Nein, nie auch nicht. Hier ein paar Beispiele:

  • Autobank 2021
  • Commerzialbank 2020
  • Anglo Austrian Bank (Meinl Bank) 2020

Auch in Deutschland gab es in letzter Zeit Einlagensicherungsfälle.

  • Greensill Capital Bank (2021)

Fazit

Es gilt das Kleingedruckte zu lesen. Da das Kundenguthaben bei Trade Republic auf einem Sammelkonto bei der Solarisbank liegt, gilt nicht eine Einlagensicherung von bis zu 100.000 Euro je Trade Republic Kunde sondern für alle Trade Republic Kunden gemeinsam. Was ist sinnvoll für Trade Republic Kunden? Wenig Guthaben dort liegen lassen und immer investieren oder abziehen, wenn das Risiko einer Solarisbank Pleite reduziert werden soll. Einlagensicherungsfälle kommen mehr als selten vor und das Risiko ist grundsätzlich gering, gänzlich auszuschließen ist es jedoch nicht wie die Vergangenheit zeigt (Greensill Bank, Autobank, Commerzialbank …).

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7 Kommentare
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Bei der HSBC Bank lauten die Einlagen/Aktien dann aber schon auf den Namen jedes einzelnen Anlegers?
Und im Fall des Falles würde die Anlegerentschädigung von max. 20.000€ pro Anleger zu tragen kommen, oder?

Hallo Andreas, also ich habe dass so verstanden: Die Einzahlungen bei Trade Republic bzw. alles was am Verrechnungskonto liegt werden bei der Solarisbank geparkt. Dort gilt die Einlagensicherung, aber eben für das Sammelkonto. Die Wertpapiere (Aktien, ETF,…) werden über die Depotbank HSBC Deutschland in den entsprechenden Lagerstellen im In- und Ausland gelagert… (steht so bei den Trade Republic FAQs). Um mich gegen eine Pleite von Trade Republic bzw. der Solarisbank abzusichern lasse ich einfach wenig Guthaben auf meinem Verrechnungskonto. Jetzt ist meine Frage: wie sicher sind meine Aktien die ich im Trade Republic Depot liegen habe? Die in Wirklichkeit ja… Weiterlesen »

Danke dir, ist jetzt klarer für mich!

Das mit den Namensaktien war ein Missverständnis 😉

Ich verstehe nicht ganz, warum du meinst, dass all Kunden gemeinsam nur 100.000 EUR Einlagensicherung hätten. Aus dem Text von deren Website geht doch klar heraus: „Du erhältst mit der Eröffnung Deines Trade Republic Kontos ein virtuelles Verrechnungskonto mit eigener IBAN, die zur Abwicklung der Handelsgeschäfte dient. Dieses Konto ist gesetzlich bis zu 100.000 Euro pro Anleger gesichert.“ Ich habe da auch ein eigenes Konto mit eigener IBAN und meinen Namen als Kontoinhaber. Und du meinst, das ist dann trotzdem nicht gedeckt? „Dieses Konto“ und „pro Anleger“ … das wäre ja dann fast schon Betrug, wenn Trade Republic das so… Weiterlesen »

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