FTX: Der rasche Niedergang einer Kryptobörse – was lernen wir daraus?

Ein spannender Krimi in Echtzeit, den gab es mit dem Niedergang der Kryptobörse FTX, wobei sich noch nicht alle Nebel gelichtet haben. Der Stoff ist definitiv etwas für eine Netflix Serie und wer weiß, vielleicht dürfen wir schon bald alles bis ins Detail auf Netflix nachsehen?!

Was ist passiert und was sind die Learnings für alle Freunde des Bitcoin und der Alt-Coins und der damit verbundenen Dienstleistungen?

Was ist passiert? Die Historie

2.11.2022: CoinDesk zeigt Verflechtung von FTX und Alameda Research

In diesem Beitrag zeigt CoinDesk auf, dass das Trading Unternehmen Alameda Research zum 30.6. über ein Vermögen von 14,6 Milliarden US-Dollar verfügt. Der größte Teil dieses Vermögens ist der FTT-Token, welcher von der Krypto-Börse FTX herausgegeben wird. Der FTX CEO, Sam Bankman-Fried, ist ebenso an Alameda Research beteiligt. Ein wesentlicher Vermögensteil von Alameda besteht also aus einem von FTX geschaffenen Alt-Coin.

Die Bilanz von Alameda ist voll mit FTX Assets – genauer gesagt, mit dem von der Börse ausgegebenen FTT-Token, der den Inhabern einen Rabatt auf die Handelsgebühren auf dem Marktplatz gewährt. Das ist zwar an sich nichts Unerwünschtes oder Falsches, zeigt aber, dass Bankman-Frieds Handelsriese Alameda auf einem Fundament ruht, das größtenteils aus einem Coin besteht, den ein Schwesterunternehmen erfunden hat, und nicht aus einem unabhängigen Vermögenswert wie einer Fiat-Währung oder einer anderen Kryptowährung. Die Situation ist ein weiterer Beweis dafür, dass die Verbindungen zwischen FTX und Alameda ungewöhnlich eng sind.

6.11.2022: Binance CEO CZ kündigt Verkauf seiner FTT Tokens an

Binance ist die größte Kryptobörse, FTX war die drittgrößte. Binance hält ebenso FTT Tokens und der Chef von Binance kündigt an, dass er alle FTT Tokens verkauft. Damit ist viel Angebot am Markt, der Preis für FTT erodiert. Der Chart von CoinMarketCap zeigt den Verfall:

Was dann passiert ist ein Bank-Run auf die Kryptobörse FTX und den FTT Token. Schlechte Nachrichten sprechen sich schnell herum.

8.11.2022: FTX pausiert Auszahlungen und Binance möchte FTX übernehmen

FTX kann nicht mehr und pausiert erst einmal alle Auszahlungen. Was das bedeutet, konnte bereits erahnt werden. Gleichzeitig meldet sich CZ, derjenige der den Bank-Run auf FTX und FTT ausgelöst hat, und bekundet, dass Binance gerne FTX übernehmen möchte. Ein LOI wird unterzeichnet. Ein Letter-of-intent. Eine Absichtserklärung. Was sagt diese aus? Dass jemand den Gedanken hat, dass er womöglich FTX übernehmen könnte. Viele Konjunktivs und das Ergebnis ist erwartbar:

9.11.2022: Binance says „No“ zu einer Übernahme

Wie umfangreich die Sichtung der FTX Unterlagen durch Binance war? Das ist nicht bekannt, doch das „No“ zu einer Übernahme von FTX durch Binance war schnell da. Damit ist der Niedergang von FTX besiegelt.

10.11.2022: FTX fehlen anscheinend 8 Milliarden US-Dollar

Will FTX überleben, müsste es sofort 8 Milliarden US-Dollar auftreiben. Wer sollte diese geben? Eben niemand wollte diese mehr geben, nachdem sich über mehrere Tage die (sozialen) Medien auf FTX eingeschossen haben.

11.11.2022: FTX ist offiziell pleite. Insolvenzantrag wird in den USA eingereicht.

Aus und das war es. Es wird wohl kaum etwas übrig bleiben.

12.11.2022: Reuters gibt bekannt, dass FTX bzw. Personen aus deren Umfeld eine Backdoor hat um Vermögenswerte einfachst zu verschieben

Über 1 Milliarde US-Dollar an Funds haben FTX noch verlassen. Anscheinend hat der CEO Bankman-Fried eine „Hintertür“ einbauen lassen, sodass einfachst Gelder von FTX zu Alameda transferiert werden konnten, ohne dass Compliance- oder Buchhaltungsprobleme auftauchen, weil das interne und externe Prüfer nicht mitbekamen.

All diese Vorgänge zeigen, wie wichtig Vertrauen ist und Wild-West Methoden bei so manchem Krypto Dienstleister vorhanden ist. Wie sichere ich mich ab?

Wie die Coins sichern?

Not your Keys, not your coins! Das was immer wieder gesagt wird, ist auch tatsächlich so. Das lagern der Coins auf gehosteten Wallets ohne die Verfügungsgewalt selbst alleinig zu haben, ist keine kluge Sache wie es nun auch wieder bei FTX gezeigt wird. Hosted bzw. custodial Wallets, also fremdverwaltete Wallets haben Schwachstellen. Dazu auch keine Absicherung à la Einlagensicherung.

Unhosted Wallets sind die Lösung in Form einer mobilen App oder einer Desktop- bzw. Browseranwendung. Noch besser natürlich in Form eines Hardware Wallets. Hier gibt es den dazu passenden Wallet Vergleich.

Österreichische Unternehmen

Bei Coinfinity muss sogleich eine Wallet Adresse angegeben werden. Ein Hosten der Coins auf einer von Coinfinity bereit gestellten Wallet existiert nicht. Bei Bitpanda ist es so, dass sie sehr wohl eine eigene Wallet anbieten, Bitpanda aber darauf verweist, dass dies nur treuhändisch passiert und die Coins der Kunden separiert sind von den Coins die das Unternehmen hält. Dies passiert auf einem Cold Wallet.

Bitpanda lässt zum aktuellen Zeitpunkt (wieder einmal) prüfen, ob die Kundengelder durch die entsprechenden Kryptoassets gedeckt sind. Geprüft wird dies von einem externen Prüfer, der KPMG.

Lizenzen

Eine Garantie, dass eine Lizenz keinen Ausfall oder betrügerische Machenschaften mit sich bringen, die gibt es nicht. Dennoch fällt auf, dass FTX und andere schnell wachsende Unternehmen sich um Compliance und Regeln nicht kümmern. In Österreich benötigt jeder Krypto Dienstleister eine Lizenz der FMA. Diese kann hier nachgesehen werden. Hier sind alle registrierten Dienstleister in Bezug auf virtuelle Währungen gelistet. Damit unterwerfen sich diese Unternehmen z. B. den Bestimmungen der Geldwäsche.

Regulierung

War früher der Ruf nach Regulierung kaum vorhanden und selbst so mancher Kunde sah in Regulierung etwas Böses, kommen jetzt auf einmal doch Regulierungsrufe. Sogar Binance ruft hier laut, obwohl auch deren Firmenkonstrukt ähnlich abenteuerlich ist wie jenes von FTX. Mit der Regulierung wäre der Markt transparenter, doch die Schnelligkeit des Marktes macht es schwer für die Gesetzgebung, da diese immer hinterher hinkt.

MiCA EU Regeln

Die Europäische Union möchte mit MiCa als erste große Wirtschaftsregion Kryptowährungen beaufsichtigen und transparenter machen. Vertreter des EU-Parlaments und der EU-Länder verständigten sich auf ein Regelwerk mit dem Namen „Markets in Crypto Assets“ (MiCA). Die Krypto Dienstleister benötigen mit MiCa eine Lizenz wie z. B. von der FMA und diese Lizenz gilt dann in ganz Europa.

Ziel von MiCa ist es die Regulierung von Distributed-Ledger-Technologien (DLT) und virtuellen Vermögenswerten in der Europäischen Union (EU) zu vereinfachen und gleichzeitig Nutzer und Investoren zu schützen. Dass MiCa vor Ende 2023 in Kraft tritt ist sehr unwahrscheinlich.

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