Beachte: Veranlagungen in Finanzinstrumenten sind mit Risiken verbunden und können neben den Erträgen auch zum Verlust des eingesetzten Kapitals führen.

EZB hält Zinssätze stabil: Senkungen der Zinsen (noch) nicht in Sicht

  1. Der EZB-Rat hat beschlossen, die drei Leitzinssätze der EZB unverändert zu lassen, trotz einer vorübergehenden Senkung der Inflation in den letzten Monaten.
    • Einlagenfazilität: 4,00 %
    • Leitzins: 4,50 %
  2. Die Experten des Eurosystems prognostizieren einen schrittweisen Rückgang der Inflation im Laufe des kommenden Jahres, wobei die durchschnittliche Gesamtinflation für 2023 auf 5,4 % geschätzt wird.
  3. Die bisherigen Zinserhöhungen haben weiterhin eine spürbare Auswirkung auf die Wirtschaft, wobei restriktivere Finanzierungsbedingungen die Nachfrage dämpfen. Der EZB-Rat bekräftigt seine Entschlossenheit, die Inflation zeitnah auf das mittelfristige Ziel von 2 % zurückzuführen und plant eine Normalisierung der Bilanz des Eurosystems im Zusammenhang mit dem Pandemie-Notfallankaufprogramm (PEPP).

Der EZB-Rat hat heute entschieden, die drei Leitzinssätze der EZB unverändert zu lassen. Obwohl die Inflation in den letzten Monaten gesunken ist, wird erwartet, dass sie kurzfristig wieder steigen wird. Laut den aktuellen Prognosen des Eurosystems-Experten wird die Inflation im Laufe des nächsten Jahres allmählich zurückgehen und sich bis 2025 dem Ziel des EZB-Rats von 2 % annähern. Die Prognosen zeigen eine durchschnittliche Gesamtinflation von 5,4 % für 2023, 2,7 % für 2024, 2,1 % für 2025 und 1,9 % für 2026. Im Vergleich zu den September-Prognosen bedeutet dies eine Abwärtskorrektur für 2023 und besonders für 2024.

Die zugrunde liegende Inflation ist weiter gesunken, aber der binnenwirtschaftliche Preisdruck bleibt aufgrund eines kräftigen Anstiegs der Lohnstückkosten hoch. Die Experten des Eurosystems prognostizieren nun eine durchschnittliche Inflation ohne Energie und Nahrungsmittel von 5,0 % für 2023, 2,7 % für 2024, 2,3 % für 2025 und 2,1 % für 2026.

Die bisherigen Zinserhöhungen haben weiterhin starke Auswirkungen auf die Wirtschaft. Restriktivere Finanzierungsbedingungen dämpfen die Nachfrage und tragen zum Rückgang der Inflation bei. Kurzfristig wird erwartet, dass das Wirtschaftswachstum verhalten bleibt, aber später wird eine Erholung erwartet. Diese wird durch steigende Realeinkommen, bedingt durch den Rückgang der Inflation und steigende Löhne, sowie durch eine zunehmende Auslandsnachfrage getrieben. Die Experten des Eurosystems prognostizieren einen Anstieg des durchschnittlichen Wachstums von 0,6 % im Jahr 2023 auf 0,8 % im Jahr 2024 und 1,5 % in den Jahren 2025 und 2026.

Der EZB-Rat ist entschlossen, die Inflation zeitnah auf das mittelfristige Ziel von 2 % zurückzuführen. Basierend auf der aktuellen Einschätzung glaubt der EZB-Rat, dass die gegenwärtigen Leitzinsen einen erheblichen Beitrag dazu leisten werden, wenn sie ausreichend lange beibehalten werden. Zukünftige Entscheidungen des EZB-Rats werden sicherstellen, dass die Leitzinsen so lange auf einem ausreichend restriktiven Niveau gehalten werden, wie es notwendig ist.

Die Festlegung des angemessenen Niveaus und der Dauer dieser Restriktion erfolgt weiterhin auf der Grundlage eines datengestützten Ansatzes. Die Zinsentscheidungen des EZB-Rats basieren vor allem auf der Einschätzung der Inflationsaussichten unter Berücksichtigung aktueller Wirtschafts- und Finanzdaten, der Entwicklung der zugrunde liegenden Inflation sowie der Stärke der geldpolitischen Übertragung.

Die EZB-Leitzinsen sind das wichtigste Instrument für die Gestaltung der Geldpolitik. Zusätzlich hat der EZB-Rat beschlossen, die Normalisierung der Bilanz des Eurosystems voranzutreiben. Dabei beabsichtigt er, die Tilgungsbeträge der im Rahmen des Pandemie-Notfallankaufprogramms (PEPP) erworbenen Wertpapiere in der ersten Jahreshälfte 2024 weiterhin bei Fälligkeit vollständig wieder anzulegen. Im Laufe der zweiten Jahreshälfte soll das PEPP-Portfolio durchschnittlich um monatlich 7,5 Mrd. € reduziert werden, und die Wiederanlage der Tilgungsbeträge aus dem PEPP wird zum Jahresende 2024 eingestellt.

Der Einlagezins, auch als Einlagefazilität bekannt, bleibt weiterhin bei 4,00 %. Dieser Zinssatz ermöglicht es Geschäftsbanken, kurzfristige und risikofreie Einlagen bei der EZB zu tätigen.

Die nachfolgende Tabelle zeigt die letzten zehn Zinserhöhungen der EZB, die fast alle innerhalb eines Jahres stattfanden:

DatumEZB Einlagezins (Einlagefazilität)EZB Leitzins (Festsatz)
14.09.20234,004,50
27.07.20233,754,25
15.06.20233,504,00
04.05.20233,253,75
16.03.20233,003,50
02.02.20232,503,00
15.12.20222,002,50
27.10.20221,502,00
08.09.20220,751,25
21.07.20220,000,50
12.09.2019-0,500,00

Der folgende Chart zeigt die Entwicklung der Leitzinsen in den letzten 24 Jahren. Quelle Bankkonditionen.at

Ausblick auf die Zukunft

Die nächste EZB-Sitzung steht Anfang Februar 2024. Bis dahin werden neue Wirtschafts- und Inflationsdaten erwartet. Bei anhaltend schlechter Wirtschaftsstimmung könnte die Inflation in der EU weiter sinken.

Der Einkaufsmanagerindex der Bank Austria stieg im November 2023 auf einen Wert über 40. Ein Indiz, dass die Wirtschaft bisschen Aufschwung wittert, aber nicht viel mehr.

  • Der UniCredit Bank Austria EinkaufsManagerIndex stieg im November den zweiten Monat in Folge an und erreichte 42,2 Punkte, den höchsten Wert seit März
  • Trotz des verlangsamten Rückgangs des Neugeschäfts fuhren die heimischen Betriebe die Produktion etwas stärker als im Vormonat zurück
  • Der Beschäftigungsabbau in der Industrie setzte sich mit weitgehend unveränderten Tempo fort
  • Verlangsamung des Kostenrückgangs im November, aber trotz leichter Verringerung der Verkaufspreise verbesserte sich die durchschnittliche Ertragslage
  • Lagerabbau im Einkauf setzte sich fort, Fertigwarenbestände nahmen ebenfalls ab
  • Weiter rückläufige Produktionserwartungen der Unternehmen, doch leichter Anstieg des Index auf 40,9 Punkte.

Die jährliche Inflation im Euroraum wird voraussichtlich im November 2023 laut einer Schnellschätzung von Eurostat, dem statistischen Amt der Europäischen Union, bei 2,4 % liegen. Dies stellt einen Rückgang gegenüber 2,9 % im Oktober dar. Bei genauerer Betrachtung der Hauptkomponenten der Inflation im Euroraum wird erwartet, dass Nahrungsmittel, Alkohol und Tabak im November die höchste jährliche Rate aufweisen (6,9 % im Vergleich zu 7,4 % im Oktober), gefolgt von Dienstleistungen (4,0 % im Vergleich zu 4,6 % im Oktober), Nicht-Energie-Industriegütern (2,9 % im Vergleich zu 3,5 % im Oktober) und Energie (-11,5 % im Vergleich zu -11,2 % im Oktober).

In Österreich ist die Sachlage noch immer anders und höher. Hier liegt die Schnellschätzung für den November bei satten 4,9 % wie auch die Tabelle darunter zeigt.

Sparzinsen: Die Zuwächse der Sparzinsen hinken den Leitzinserhöhungen hinterher

Die Sparzinsen steigen allmählich, nähern sich jedoch noch nicht dem Niveau der Einlagefazilität der EZB, die derzeit bei 4,00 % liegt. Die Grafik zeigt den Anstieg der besten Tagesgeldangebote im Vergleich zur Einlagefazilität (orange Linie) und den durchschnittlichen Tagesgeldzinsen (dunkelblaue Linie) über alle Banken (mit über 60 gelisteten Tagesgeldprodukten). Die durchschnittlichen Tagesgeldzinsen steigen ebenfalls leicht, liegen jedoch insgesamt deutlich unter 2 %. Hier besteht noch Raum für Verbesserungen.

Werden die Zinserhöhungen der EZB an Kunden weitergegeben? Im Allgemeinen lautet die Antwort Nein. Einige Banken, insbesondere Direktbanken, bieten zwar höhere Zinsen, aber die durchschnittlichen Tagesgeldzinsen über mehr als 50 Tagesgeldprodukte (hellblaue Linie) zeigen, dass die Erhöhungen nicht an die Kunden weitergegeben werden. Die dunkelgraue Linie zeigt die Differenz zwischen der Einlagefazilität und dem durchschnittlichen Tagesgeldzins, die in den letzten Monaten zugenommen hat.

Immer mehr binden ihr Erspartes als es täglich fällig versauern zu lassen. 210 Milliarden täglich fällig, 28 Milliarden Bargeld

Ende 2022 betrugen die Ersparnisse auf täglich fälligen Konten der Haushalte in Österreich fast 210 Milliarden Euro. Dies entspricht etwa 23.300 Euro pro Einwohner. Es befinden sich auch rund 28 Milliarden Euro an Bargeld im Umlauf, was etwa 3.100 Euro pro Einwohner entspricht. Bemerkenswert ist, dass sich in den letzten Monaten der Trend zu gebundenen Spareinlagen wieder verstärkt hat.

Daten der Österreichischen Nationalbank deuten auf eine Veränderung des Sparverhaltens hin. In den letzten zwei Jahrzehnten haben die Österreicher ihre Ersparnisse bevorzugt auf Tagesgeldkonten angelegt. Jetzt zeichnet sich eine Änderung ab.

Tagesgeldkonten bieten Flexibilität, da man jederzeit auf sein Erspartes zugreifen kann, und Einlagen sind jederzeit möglich. Zwischen 2011 und 2022 gab es praktisch keine Zinsen, weshalb die Praxis, Geld auf Tagesgeldkonten zu halten, während der zinslosen Jahre beibehalten wurde.

Jedoch gibt es jetzt wieder Zinsen, da die Europäische Zentralbank (EZB) Mitte 2022 die Zinssätze angehoben hat, um der steigenden Inflation entgegenzuwirken. Dies hat auch Festgeldkonten als attraktive Option ins Spiel gebracht.

Österreichs Kreditzinsen verzeichnen weiterhin einen Aufwärtstrend

Die Statistiken der Österreichischen Nationalbank zeigen einen kontinuierlichen Anstieg der Kreditzinsen in Österreich bis mindestens Oktober 2023 (siehe Diagramm). Die effektiven Kreditzinsen für neue Konsumkredite liegen im Durchschnitt bereits bei fast 10 %, während sie für Immobilienkredite effektiv bei rund 4,2 % liegen. Der Trend zeigt weiterhin nach oben.

Interessante Information: Der Unterschied zwischen den Zinssätzen für Konsumkredite und Immobilienkredite, der zu Beginn der Aufzeichnungen unter 2 Prozentpunkten lag, nähert sich aktuell immer mehr 6 Prozentpunkten. Dies zeigt, dass Banken bei Konsumkrediten gute Gewinne erzielen.

Negative Realzinsen weiterhin

Wegen der anhaltend hohen Inflation bleiben die Sparzinsen auf niedrigem Niveau. Die Tagesgeldzinsen vor Steuern abzüglich der aktuellen Inflation ergeben derzeit eine Realrendite von etwa 3,6 %. Die rote Fläche im folgenden Diagramm zeigt die negative Realrendite in den letzten Jahren, insbesondere in den letzten Monaten.

Ausblick auf die EZB Leitzinsen

Es ist derzeit unklar, wie es in Zukunft weitergeht. Die nächste EZB-Sitzung steht kurz vor Weihnachten an, und es sieht so aus, als ob die EZB die Lage weiterhin genau beobachtet, ohne derzeit Maßnahmen zu ergreifen. Weder eine Zinserhöhung noch eine Senkung steht derzeit auf dem Plan. Es handelt sich jedoch nur um Spekulationen, und die Realität könnte sich bereits im Dezember ändern.

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