flatexDEGIRO: BaFin sieht Probleme, mehr Eigenkapital nötig und neue, verbesserte Organisation!

Zu schnell gewachsen, mehr Eigenkapital notwendig und eine bessere Organisation, das verlangt die deutsche Finanzaufsicht BaFin vom börsennotierten Unternehmen flatexDEGIRO. Unter dem Dach der Unternehmensgruppe flatexDEGIRO finden sich die Broker Flatex, DEGIRO und ViTrade.

Diese Nachricht am Samstag Abend des 3.12.2022, traf wohl alle Flatex & DEGIRO Kenner unerwartet. Positiv ist zu vermerken, dass die Nachricht nicht über die BaFin Meldeseite veröffentlicht wurde, sondern flatexDEGIRO selbst hat diese Nachricht auf ihrer Website als Ad-Hoc Mitteilung veröffentlichte.

BaFin Sonderprüfung von flatexDEGIRO 2022

Das Unternehmen flatexDEGIRO informiert darüber, dass die BaFin im heurigen Jahr 2022 das Unternehmen sondergeprüft hat. Die BaFin sieht das Unternehmen nicht mehr als kleines und nicht-komplexes Unternehmen sondern als ein Unternehmen, welches höhere regulatorische Anforderungen benötigt, begleitet von einem höheren Aufsichtsniveau.

Das Ergebnis der Sonderprüfung:

  • Mehr Eigenkapital für die flatexDEGIRO Bank notwendig, welches von der flatexDEGIRO Group zur Verfügung gestellt wird – auch der Jahresüberschuss 2022 soll nicht ausgeschüttet werden, sondern wiederveranlagt werden – zur Stärkung des Unternehmens
  • Breitere Organisation durch mehr Vorstände, dadurch bessere Prozesse und bessere Organisation des Unternehmens und der Bank. Die Compliance muss besser werden! Erweiterung des Vorstands von 2 auf 4 und später auf 5 Personen. Neuer Chief-Risk-Officer mit rund 30jähriger Erfahrung für die Bank.

Mehr Eigenkapital

Der flatexDEGIRO Aufsichtsrat und Vorstand haben beschlossen, dass die flatexDEGIRO Bank AG mit weiteren 50 Millionen Euro aus eigenen Mitteln aus der flatexDEGIRO Gruppe zu kapitalisieren ist. Das Unternehmen spricht davon, dass das aktuelle CET1 (harte Eigenkapital) der flatexDEGIRO Gruppe im Moment bei rund 180 Millionen Euro liegt. Der heuer entstehende Jahresüberschuss wird nicht ausgeschüttet, sondern bleibt im Unternehmen, damit dieses für die zukünftigen Wachstumsanstrengungen ausreichend finanziert ist. Mit diesen Maßnahmen soll flatexDEGIRO solide regulatorischen Eigenmitteln haben und es soll keine Notwendigkeit von Kapitalmaßnahmen geben.

Erweiterung des Vorstands

Breiterer Vorstand mit 1.1.2023

  • Dr. Benon Janos, derzeit Finanzvorstand (CFO) der flatexDEGIRO Bank AG, wird planmäßig Nachfolger von Muhamad Chahrour als Group CFO.
  • Stephan Simmang wird als Chief Technology Officer (CTO) in den Vorstand der flatexDEGIRO AG eintreten. Stephan Simmang kam wie Benon Janos 2016 von Goldman Sachs zu flatexDEGIRO.
  • Christiane Strubel, seit 2016 für das Personalwesen bei flatexDEGIRO verantwortlich, wird ebenso in den Vorstand einziehen, sobald die regulatorischen Voraussetzungen erfüllt sind.

Weitere Veränderungen:

Ende Oktober gab es bereits die Mitteilung, dass Matthias Heinrich als neuer Chief Risk Officer ein Teil des Vorstands der flatexDEGIRO Bank wird. In dieser Funktion ist er für das Risikomanagement und für die Compliance der Bank verantwortlich. Er löst mit dem Jahreswechsel auf 2023 den bisherigen Stelleninhaber Jörn Engelmann ab.

Großer Aufsteiger ist Muhamad Chahrour der bisher Group CFO war und auch die DEGIRO Niederlassung in den Niederlanden und maßgeblich an der Integration von DEGIRO in das Unternehmen flatexDEGIRO verantwortete. Chahrour wird nun mit 1.1.2023 stellvertretender CEO und Chief Operating Officer (COO) sowohl der flatexDEGIRO AG als auch der flatexDEGIRO Bank AG. Er ist der neue Wunderwuzzi bei flatexDEGIRO.

In der neuen Funktion als COO und stellvertretender CEO der Gruppe wird Chahrour weiterhin für die operative und kommerzielle Entwicklung von DEGIRO und die strategische Entwicklung der flatexDEGIRO Gruppe verantwortlich sein gemeinsam mit dem CEO, Frank Niehage der weiterhin CEO bleibt.

Wie läufts bei flatexDEGIRO?

Das Unternehmen ist auch Wachstum gepolt und dieses Wachstum wird zum Teil nur schwer verkraftet. Die Bank ist unterkapitalisiert nach Meinung der BaFin und es gibt Organisations- und Verfahrensmängeln die behoben werden müssen.

Das Gesamtjahr 2022 läuft bei flatexDEGIRO auch nicht so wie gewünscht, denn die Tradingaktivität der Kunden ist deutlich geringer als 2021 bei flatexDEGIRO (und allen anderen Brokern – das ist der Markt) und auch die Neukundenziele konnten nicht erreicht werden bzw. werden nicht erreicht. Das Ziel ist, dass am Ende des Jahres Umsatzerlöse von rund 380 Millionen Euro erreicht werden bei einer EBITDA Marge von ca. 37 %.

Ein Blick in die GuV von flatexDEGIRO zeigt, dass die Umsatzerlöse gestiegen sind und auch die Ergebnisse sich sehen lassen können. In der aktuellen Aussendung sagt das Unternehmen auch, dass 2022 das erfolgreichste Jahr der Unternehmensgeschichte sein wird in Hinblick auf das Ergebnis.

Entwicklung der GuV laut Finanzen.at

Aktie schmiert ab

Nach der Ad-Hoc vom letzten Samstag ging es heute am 5.12.2022 auch mit der Aktie ordentlich bergab. Anscheinend waren viele Short-Seller überrascht. Hier geht es zum aktuellen Kurs.

Der Kurs um 11:24 Uhr am 5.12.2022 der flatexDEGIRO Aktie.

Geht Flatex pleite?

Die Meldung zu mehr Eigenkapital und einen breiteren Vorstand sowie dass die hoch gesteckten Ziele nicht erreicht werden, sind natürlich keine Frohbotschaft. Der Teufel muss aber sogleich auch nicht nicht an die Wand gemalt werden. Es gibt keine Anzeichen, dass Flatex bzw. das Unternehmen flatexDEGIRO pleite geht. Positives EBITDA und am Ende des Geschäftsjahres 2022 bleibt ein Jahresüberschuss, so das Unternehmen. Das Unternehmen flatexDEGIRO verdient gut, hat die hoch gesteckten Ziele des Jahres 2022 aber nicht erreicht, weil an den Börsen Flaute herrscht. Dazu kommt, dass das Unternehmen zu schnell gewachsen ist und die Organisation nicht mit hoch gezogen wurde. Das fällt dem Unternehmen nun auf den Kopf und muss nun erstmal durchschnaufen. Mehr Eigenkapital für die Bank und eine breitere Aufstellung im Vorstand.

Fazit

Nach den eigenen Angaben zufolge hat flatexDEGIRO inzwischen bereits „verschiedene Maßnahmen eingeleitet, um die aufsichtsrechtlichen Anforderungen innerhalb eines vorgegebenen Zeitrahmens zu erfüllen“ und natürlich wird das Unternehmen weiterhin eng mit der Bafin zusammenarbeiten, so flatexDEGIRO in seiner Aussendung vom 3.12.2022.

Der breitere Vorstand kommt zum 1.1.2023 – zuerst eine Erweiterung auf 4 Personen statt aktuell 2 Personen und in weiterer Folge Aufstockung auf fünf Personen. Die flatexDEGIRO Bank erhält einen neuen Chief-Risk-Officer und der bisherige CFO und DEGIRO Chef Chahrour wird der neue Wunderwuzzi an der Seite von CEO Frank Niehage.

Die Bank selbst soll mit 50 Millionen kurzfristig kapitalisiert werden aus Cash der flatexDEGIRO Gruppe. In weiterer Folge wird es definitiv keine Dividende geben für die Aktionäre, sondern der Jahresüberschuss 2022 soll weiterhin im Unternehmen bleiben zur Stärkung des Eigenkapitals. Eine externe Kapitalmaßnahme ist so zum jetzigen Zeitpunkt nicht nötig.

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2 Kommentare
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Hallo Andreas,

weißt du zufällig, ob Flatex die Wertpapiere am Kundendepot verleihen darf? Bei Degiro war da ja mal der Fall. Siehst du hier in Bezug auf die Lagerung der Aktien Gefahren?

Danek und liebe Grüße
Michael

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