Trade Republic verkündet feierlich, dass sie in Österreich nun bei 250.000 Kundinnen und Kunden stehen. Viel interessanter ist jedoch die Information, dass es in den nächsten Wochen zu einem echten, menschlichen Support kommen soll, welcher sowohl per Chat und das ist neu, auch per Anruf erreichbar ist!
Es war das Standard-Szenario für viele Nutzerinnen und Nutzer von Trade Republic: Wer ein Problem mit seinem Depot oder einer Überweisung hatte, landete bei Trade Republic oft in einer Sackgasse aus automatisierten E-Mails und Chatbots . Damit soll nun Schluss sein. Wie das Unternehmen heute am 15. April 2026 bekannt gab, investierte man einen „zweistelligen Millionenbetrag“, um einen persönlichen 24/7-Support per Telefon und Live-Chat aufzubauen und beschäftigt über 1.000 Menschen in acht verschiedenen Sprachen die sich um das Supportthema kümmern sollen.
Zu viel sollte man sich aber nicht erwarten, denn der Broker sagt in seiner Presseaussendung, dass komplexe Anliegen im Erstkontakt nicht gelöst werden. Was komplexe Anliegen sind, das wird sich zeigen.
Die Freischaltung der neuen Features und Angebote passiert ab sofort, dauert aber wohl mehrere Tage bis wenige Wochen.
Ein Kraftakt gegen das schlechte Image
Die Zahlen klingen beeindruckend: Über 1.000 Serviceagenten wurden in den letzten sechs Monaten geschult so das Unternehmen, um in acht Sprachen direkt weiterzuhelfen. Doch hinter dieser personellen Aufrüstung steht ein massiver Druck. In der Vergangenheit stand Trade Republic immer wieder in der Kritik, bei komplexen Problemen für seine Kunden faktisch nicht erreichbar zu sein. Dass Mitgründer Christian Hecker nun betont, der Service sei „von Grund auf neu entwickelt“ worden, ist das indirekte Eingeständnis, dass die bisherige Strategie der radikalen Automatisierung gescheitert ist.
Erst vor zwei Jahren wurde das eigene Servicecenter gestanzt, der ganze Service externalisiert und der Rest ist Geschichte. Viele, abenteuerliche Beschwerden im Netz. Jetzt die Kehrtwende. Ob diese Kehrtwende ganz freiwillig geschieht oder wie das Manager-Magazin mutmaßt, die BaFin hier ebenso ein Wort mitspricht, das lässt sich nicht verifizieren.
Ganz langjährige Trade Republic Kundschaften erinnern sich auch noch an Zeiten, als es eine eigene Telefonnummer gab. Der Telefonsupport wurde aber mit der Corona-Pandemie restlos abgedreht und seitdem ging es mit der Supportleistung und -qualität nach unten.
Transparenz-Offensive oder Marketing-Gag?
Im Moment heißt es für die meisten Trade Republic Kundschaften noch warten, denn das neue System ist noch nicht für alle bzw. wohl nur für wenige freigeschalten. Demnächst verfügbar heißt es in der Smartphone App von Trade Republic, wenn die Hilfe benötigt wird. Wer aktuell bereits Hilfe benötigt, kommt wieder auf die alte Hilfeseiten.
Was noch kommen soll: Neu ist auch ein Tracking-System, mit dem die Trade Republic Kundschaften den Status ihrer Anfragen live in der App verfolgen können. Was als Innovation verkauft wird, ist bei klassischen Banken oder Paketdiensten längst Standard. Besonders kritisch zu betrachten ist der neu geschaffene „Kundenbeirat“. Dass lediglich zehn ausgewählte Kunden jährlich eingeladen werden, um „hinter die Kulissen zu schauen“, wirkt bei einer Nutzerbasis von Millionen eher wie ein Instrument zur Imagepflege als wie echte demokratische Mitbestimmung. Was ist der Sinn dahinter? Auf Reddit möchte Trade Republic in Zukunft aktiv mitgestalten und wird einen eigenen Sub/Kanal aufbauen.
Fokus auf „aktive Anleger“
Neben dem Support liefert Trade Republic über 30 neue Funktionen, die vor allem eine Zielgruppe im Blick haben: Viel-Trader. Erweiterte Analyse-Tools und die direkte Datenweitergabe an externe Tracking-Tools wie Finanzfluss deuten darauf hin, dass die Bank versucht, ihre Nutzerinnen und Nutzer zu mehr Aktivität auf der Plattform zu bewegen. Die „3rd Party Authenticatoren“ kommen jedoch erst zu einem späteren Zeitpunkt, so Trade Republic.
Mehr Aktivität bedeutet nämlich auch mehr Kohle für das Unternehmen. Es muss Geld verdient werden und mit jenen die dort nur ihr Erspartes parken, mit denen wird nicht verdient.
Sicherheit wird endlich verbessert
Vor wenigen Tagen gab es groß angelegte Phishing Angriffe auf die Trade Republic Kundschaften in Österreich, die auch erfolgreich waren. Viele Euros wurden von den Trade Republic Konten abgezogen, die steirische Polizei warnte eigens davor, u.a. der ORF berichtete darüber:
Jetzt wird auch die Sicherheit endlich verbessert. Dazu zählen flexiblere Optionen für Passwörter und PINs sowie die Unterstützung von Zwei-Faktor-Authentifizierungs-Apps. Von den Sensiblen in Punkto Sicherheit wird es nun ein „Endlich!“ geben. Man kann nur hoffen, dass auch die internen Systeme nachgerüstet werden, damit Phishing und andere Angriffe in der Zukunft abgewehrt werden und Schäden minimiert werden können. Der Mensch ist die größte Schwachstelle, wie wir auch von anderen Banken wissen, dennoch ist es wichtig, dass die Bank selbst auf der Höhe der Zeit ist und zeitgemäße Sicherheitsstandards anbietet.
Fazit
Trade Republic investiert massiv in seine Seriosität und einen Support. Der Schritt zum persönlichen Telefonsupport ist überfällig, um im Wettbewerb mit etablierten Banken bestehen zu können. Ob die Qualität der 1.000 neuen Mitarbeiter tatsächlich hält, was die PR-Abteilung verspricht, muss sich in der Praxis erst noch zeigen. Die Ära, in der sich Neobroker hinter Algorithmen verstecken konnten, scheint jedenfalls vorbei zu sein.
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Ich ahne böses. Der Inder am anderen Ende der Leitung kann oft schlimmer sein wie gar kein Support.