Das Verbot von Payment-For-Orderflow bringt die günstigen 0 bzw. 1 Euro Broker in Bedrängnis, denn es nimmt ihnen die Erträge weg. Auf der Suche nach Alternativen ist nun auch Trade Republic fündig geworden und das anscheinend mit einer Kopie des Scalable-Capital-Modells, der Gründung eines eigenen Handelsplatzes.
Finanz-Szene berichtet über BaFin Erlaubnis für eigenen Handelsplatz
Lukas aus der Broker-Test.at Community verwies auf einen eigenen Beitrag des genialen Branchenblattes Finanz-Szene.de, die wie immer gut informiert sind. Der Berliner Neobroker Trade Republic setzt offenbar zu einem entscheidenden Schritt an, um den Wertpapierhandel seiner Kundinnen und Kunden künftig eigenständig abzuwickeln. Aus einem Eintrag im Register der Finanzaufsicht Bafin geht hervor, dass das Unternehmen über seine Tochtergesellschaft Trade Republic Business III GmbH in der vergangenen Woche die Genehmigung zum Betrieb eines multilateralen Handelssystems erhalten hat.
Der Auszug der BaFin zeigt es:
Ein solches System darf laut Wertpapierhandelsgesetz die Kauf- und Verkaufsinteressen einer Vielzahl von Marktteilnehmerinnen und Marktteilnehmern innerhalb einer Plattform zusammenführen. Konkret eröffnet dies Trade Republic die Möglichkeit, einen eigenen Handelsplatz zu betreiben und dabei selbst festzulegen, mit welchen Market Makern zusammengearbeitet wird.
Die erteilte Bafin-Erlaubnis markiert einen bedeutenden Einschnitt in der Entwicklung des größten deutschen Fintechs. Bisher kooperiert Trade Republic eng mit Lang & Schwarz als zentralem Handelspartner, wobei die Aufträge überwiegend über den außerbörslichen Handelsplatz LS Exchange abgewickelt werden.
Trade Republic kopiert Scalable Capital mit seiner EIX (European Investor Exchange)
Gerade im Vergleich zwischen Trade Republic und Scalable Capital zeigt sich, wie ähnlich sich die strategischen Linien inzwischen entwickeln. Scalable Capital hat mit der European Investor Exchange (EIX) früh einen Weg eingeschlagen, der deutlich über klassische Broker-Modelle hinausgeht. Der Aufbau eines eigenen Handelsplatzes ist dabei weniger als technisches Experiment zu verstehen, sondern als gezielte Antwort auf regulatorische Veränderungen, allen voran das absehbare Verbot von Payment for Orderflow. Indem Scalable Orderannahme, Weiterleitung und Ausführung zunehmend selbst kontrolliert, verschiebt sich die Wertschöpfung bewusst weg von externen Partnern hin zum eigenen Ökosystem. Scalable Capital arbeitet bei der EIX mit der BÖAG Börsen AG zusammen an der Börse Hannover. Als Market-Maker fungieren hier Scalable Capital als auch die mwb Wertpapierhandelsbank. Wie Trade Republic seinen eigenen Handelsplatz aufstellen wird, das wird sich zeigen. Womöglich arbeitet Trade Republic erst wieder mit L&S zusammen, wenn es heißt, einen eigenen Handelsplatz hochzuziehen. Ganz ohne fremde Hilfe wird es vermutlich schwer.
Trade Republic folgt diesem Muster inzwischen auffallend genau. Auch hier ist zu beobachten, dass der Broker seine Abhängigkeit reduzieren wird und die eigene Handelsinfrastruktur aufbaut. Die Motivation ist identisch: Wer langfristig am Nullgebührenmodell festhalten will, muss die Handelsmarge selbst erwirtschaften und darf sich nicht mehr auf Rückvergütungen Dritter verlassen, die durch PFOF verboten sind oder werden. Manche versuchen es über Kunstgriffe, andere gründen einen eigenen Handelsplatz. In dieser Hinsicht ist der Ansatz von Trade Republic keine Innovation, sondern eine konsequente Übernahme eines bereits erprobten Modells.
Was ist ein multilaterales Handelssystem aus
Ein multilaterales Handelssystem ist eine regulierte Alternative zur Börse, die effizienten, elektronischen Handel ermöglicht, jedoch mit weniger formalen Anforderungen. Es steht zwischen dem streng regulierten Börsenhandel und dem flexiblen, aber intransparenten außerbörslichen Handel.
Im deutschen Markt gibt es eine Vielzahl an multilateralen Handelssystemen wie z. B. gettex, Quotrix, Tradegate oder auch die Lang & Schwarz Exchange.
| Merkmal | Börse | Multilaterales Handelssystem (MTF) | Außerbörslicher Handel (OTC) |
|---|---|---|---|
| Organisation | Hoch | Mittel | Keine zentrale Organisation |
| Marktstruktur | Multilateral | Multilateral | Bilateral |
| Regulierung | Sehr streng | Streng, aber geringer als Börse | Gering |
| Transparenz | Hoch | Mittel bis hoch | Niedrig |
| Beispiele | Xetra, Wiener Börse | Chi-X, Tradegate, Turquoise | Direkthandel zwischen Banken |
Mehr Informationen gibt es in diesem Beitrag:
Fazit
Der eigene Handelsplatz von Trade Republic ist eine direkte Reaktion auf das kommende Payment-for-Orderflow-Verbot und folgt klar dem von Scalable Capital vorgezeichneten Modell. Ziel ist es, das günstige Gebührenmodell durch stärkere Kontrolle über die Wertschöpfung abzusichern. Für Kundinnen und Kunden bleibt vorerst alles beim Alten, langfristig wird sich jedoch zeigen, ob dieses Modell auch ohne PFOF nachhaltig funktioniert.
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