Die von der Oesterreichische Nationalbank veröffentlichten Finanzkonten zeigen für das dritte Quartal 2025 eine weitere Ausweitung des Finanzvermögens der privaten Haushalte in Österreich. Gleichzeitig werden klare Präferenzverschiebungen innerhalb der Aktiva sichtbar, insbesondere weg von liquiden Mitteln hin zu Wertpapieren und fondsgebundenen Veranlagungen.
Im Folgenden liegt der Fokus auf den zentralen Aktivapositionen, insbesondere Bargeld, Einlagen, Wertpapieren, Aktien und Investmentzertifikaten.
Gesamtentwicklung des Finanzvermögens
Das gesamte Finanzvermögen der Haushalte erhöhte sich von 918,6 Mrd. Euro im Q2 2025 auf 928,3 Mrd. Euro im Q3 2025. Das entspricht einem Quartalsanstieg von rund 9,7 Mrd. Euro. Die Nettoposition verbesserte sich parallel von 705,4 auf 714,3 Mrd. Euro.
Diese Entwicklung wurde weniger durch hohe Nettozuflüsse, sondern primär durch Bewertungsgewinne bei Wertpapieren und Anteilsrechten getragen.
Bargeld, weiterer Bedeutungsverlust
Der Bargeldbestand ging im Q3 2025 leicht zurück, von 19,8 auf 19,7 Mrd. Euro. Auf der Transaktionsebene zeigt sich ein negativer Saldo von minus 72 Mio. Euro. Damit setzt sich der seit mehreren Jahren beobachtbare Trend fort, Bargeld verliert weiter an Bedeutung innerhalb der Haushaltsvermögen. Im Vergleich zu 2022 ist der Bargeldbestand mittlerweile um rund 3,8 Mrd. Euro gesunken.
Einlagen, Rückgang bei täglich fälligen Guthaben
Besonders auffällig ist die Entwicklung bei den Einlagen:
- Täglich fällige Einlagen sanken von 202,9 auf 200,1 Mrd. Euro.
- Die Transaktionen waren mit minus 2,7 Mrd. Euro klar negativ.
- Sonstige Einlagen, etwa Termineinlagen, blieben mit 122,6 Mrd. Euro nahezu unverändert.
Nach dem deutlichen Aufbau im Q2 2025 ist im Q3 eine klare Gegenbewegung zu beobachten. Dies deutet darauf hin, dass ein Teil der zuvor geparkten Liquidität wieder in andere Anlageklassen umgeschichtet wurde.
Verzinsliche Wertpapiere, kontinuierlicher Aufbau
Die Bestände an verzinslichen Wertpapieren stiegen erneut an:
- Kurzfristige verzinsliche Wertpapiere erhöhten sich leicht von 3,83 auf 3,91 Mrd. Euro.
- Langfristige verzinsliche Wertpapiere legten deutlich von 34,5 auf 35,9 Mrd. Euro zu.
Insbesondere im langfristigen Bereich zeigt sich weiterhin eine hohe Nachfrage. Die positiven Transaktionen von über 1,1 Mrd. Euro unterstreichen das anhaltende Interesse an Anleihen, auch in einem Umfeld bereits gesunkener Leitzinsen.
Aktien, klare Differenzierung zwischen börsennotiert und nicht börsennotiert
Bei Aktien kam es im Q3 2025 zu einer markanten Entwicklung:
- Börsennotierte Aktien stiegen im Bestand von 49,3 auf 52,7 Mrd. Euro.
- Die Transaktionen waren leicht negativ, minus 25 Mio. Euro.
- Nicht börsennotierte Aktien gingen im Bestand von 5,41 auf 5,20 Mrd. Euro zurück.
Der Anstieg bei börsennotierten Aktien ist damit primär bewertungsgetrieben. Kursgewinne an den internationalen Aktienmärkten spiegeln sich deutlich in den Vermögensständen der Haushalte wider, während netto kaum neue Mittel investiert wurden.
Investmentzertifikate, stärkster Zuwachs unter den Finanzanlagen
Besonders hervorzuheben ist die Entwicklung der Investmentzertifikate:
- Der Bestand stieg von 104,5 auf 109,9 Mrd. Euro.
- Die Transaktionen beliefen sich auf plus 1,55 Mrd. Euro.
Damit stellen Investmentfonds und ETF weiterhin die dynamischste Anlageklasse dar. Sowohl neue Mittelzuflüsse als auch positive Marktbewegungen trugen zum kräftigen Anstieg bei. Im Jahresvergleich ist das Volumen um fast 8 Mrd. Euro gewachsen.
Sonstige Anteilspapiere, moderates Wachstum
Auch sonstige Anteilspapiere, darunter Beteiligungen an nicht börsennotierten Unternehmen und sonstige Eigenkapitalinstrumente, legten von 219,2 auf 220,8 Mrd. Euro zu. Die Transaktionen waren mit plus 664 Mio. Euro klar positiv.
Diese Position bleibt die größte Einzelkategorie auf der Aktivaseite der Haushalte und unterstreicht die hohe Bedeutung von Unternehmensbeteiligungen im weiteren Sinn.
Einordnung und Fazit
Das dritte Quartal 2025 ist geprägt von einer klaren Umschichtung innerhalb der Aktiva:
- Liquidität in Form von Bargeld und täglich fälligen Einlagen wird weiter reduziert.
- Wertpapiere profitieren sowohl von Zuflüssen als auch von Bewertungsgewinnen.
- Investmentzertifikate bleiben der wichtigste Wachstumstreiber.
- Aktiengewinne resultieren überwiegend aus Kursanstiegen, nicht aus neuen Käufen.
In Summe zeigt sich eine zunehmende Kapitalmarktorientierung der Haushalte. Trotz zwischenzeitlicher Zinssenkungen bleibt die Bereitschaft hoch, Vermögen längerfristig und marktgebunden zu veranlagen. Diese Entwicklung dürfte auch in den kommenden Quartalen prägend bleiben.