Ein neues steuereinfaches Angebot in Österreich und noch dazu kostengünstig, das ist Bitpanda mit echten Aktien und ETFs. Viele interessierte Menschen in Österreich sind über mehr Mitbewerb im Broker-Markt erfreut. Neben dem günstigen Angebot gibt es zudem eine zeitlich und inhaltlich beschränkte Aktion für Wertpapierüberträge mit 1 % Cashback, allerdings nur unter bestimmten Umständen und mit einer Portion Glück. Doch es ist nicht alles Gold, was glänzt. Das zeigt sich insbesondere für jene, die Bitpanda später wieder verlassen möchten und einen Depotübertrag anstoßen wollen.
30 Euro Übertragsgebühr und Kursgewinnbesteuerung
Eine Übertragsgebühr von 30,00 Euro je ISIN ist für österreichische Verhältnisse üblich und nicht besonders erwähnenswert. Erwähnenswert ist jedoch die Erkenntnis aus einem Experiment, dass Depotüberträge von Bitpanda zu einem anderen Broker automatisch mit einer Kursgewinnbesteuerung verknüpft sind.
In einem Experiment sollen 20 Stück der Österreichischen Post Aktie von Bitpanda zu Flatex Österreich übertragen werden. Erst über den Helpdesk wurde eine Möglichkeit gefunden, wohin das Depotübertragsformular übermittelt werden kann. Wer dieses Depotübertragsformular dort einreicht und Bitpanda mit dem Übertrag beauftragt, willigt gleichzeitig ein, dass Bitpanda das ausgehende Wertpapier einer Kursgewinnbesteuerung unterzieht. Ob Bitpanda das auch tatsächlich macht, konnte mit dem Helpdesk nicht geklärt werden. Vorsichtshalber sollte man sich darüber im klaren sein, dass man die Einwilligung dazu gibt, wenn das Häkchen gesetzt wird und das Formular übermittelt wird.
„Die Übertragung Ihrer Vermögenswerte zu einem anderen Broker wird als steuerpflichtiges Ereignis behandelt. Etwaige zum Zeitpunkt der Übertragung noch nicht realisierte Kursgewinne unterliegen der Kapitalertragsteuer. Um sicherzustellen, dass ausreichende Mittel zur Begleichung der Steuer vorhanden sind, informieren wir Sie über den Betrag, der in Ihrer E-Money-Wallet verfügbar sein muss.“

Die Depotübertragsformulare der österreichischen Broker und Banken ist in Hinblick auf die Besteuerung professionell und umfangreich gestaltet mit allerlei Möglichkeiten. Der Auftrag zur Besteuerung lautet grundsätzlich, dass die Anschaffungskosten von Bitpanda an Flatex übermittelt werden sollen und keine Kursgewinnbesteuerung ausgelöst werden soll. So in meinem Experiment wie dieser Screenshot zeigt:

Ob der ausgehende Depotübertrag nun funktioniert und ob Anschaffungskosten übermittelt werden und falls ja, welche, das wird nun in der Praxis ausprobiert. Es wird spannend werden!

Bitpanda würde damit einen Lock-in Effekt schaffen
Sollte sich bestätigen, dass ausgehende Depotüberträge bei Bitpanda grundsätzlich als steuerpflichtiges Ereignis behandelt werden, entsteht faktisch ein massiver Lock-in-Effekt. Wer einmal zu Bitpanda wechselt und dort Kursgewinne aufgebaut hat, wird beim Weggang mit sofortiger KESt-Belastung konfrontiert, selbst wenn eigentlich nur ein steuerneutraler Depotübertrag vorgesehen ist. Das erhöht die Wechselkosten erheblich und kann dazu führen, dass Kundinnen und Kunden trotz besserer Alternativen bei Bitpanda verbleiben, um eine vorzeitige Besteuerung zu vermeiden.
Ein solcher Lock-in wirkt nicht über bessere Leistungen oder günstigere Konditionen, sondern über steuerliche Hürden und widerspricht dem Grundgedanken eines freien und fairen Wettbewerbs im Broker-Markt. Gerade im steuereinfachen Umfeld Österreichs ist das besonders kritisch zu sehen, da viele Anlegerinnen und Anleger bewusst Wert auf steuerneutrale Depotüberträge legen.
Fazit
Bitpanda bringt mit dem steuereinfachen Aktien und ETF Angebot zwar zusätzlichen Wettbewerb nach Österreich, doch der genaue Blick auf Details wie Depotüberträge, Besteuerung und Support zeigt erhebliche Schwachstellen. Besonders problematisch ist der mögliche Lock-in-Effekt durch eine automatische Kursgewinnbesteuerung bei ausgehenden Depotüberträgen, der die Wechselbereitschaft künstlich einschränkt und Kundinnen und Kunden faktisch an die Plattform bindet. In Kombination mit eingeschränktem Support, nur einem Handelsplatz und fehlender Guthabenverzinsung relativiert sich der günstige Einstiegspreis schnell. Für Einsteigerinnen und Einsteiger mit kleinen Beträgen mag Bitpanda eine einfache Lösung sein. Für langfristig orientierte Anlegerinnen und Anleger mit größeren Vermögen ist jedoch Vorsicht angebracht, solange zentrale Prozesse wie steuerneutrale Depotüberträge, korrekte Anschaffungskosten und verlässlicher Support nicht transparent und praxistauglich geklärt sind. Ob Bitpanda in Zukunft auch andere Arten des Depotübertrags anbieten wird, insbesondere den unentgeltlichen Depotübertrag ohne Gläubigerwechsel bei dem die relevanten Anschaffungskosten an die aufnehmende Depotbank übermittelt werden, ist zu hoffen.
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