Bekannt war bereits, dass die FMA KuCoin eine MiCAR Zulassung erteilt hat und vor wenigen Tagen startete nun KuCoin EU mit seinem regulierten Angebot, dieses ist in Österreich steuereinfach. Grund hierfür ist, weil KuCoin in Wien seinen Sitz für die EU hat. Das Angebot? Günstig mit 0,1 % Gebühr, aber absolut reduziert und womöglich auch noch fehleranfällig, so zumindest ein Praxistest.
Aktueller Funktionsumfang zum Marktstart
Das derzeit verfügbare Angebot ist bewusst eingeschränkt und fokussiert sich auf Basisfunktionen:
- Es ist ausschließlich Spot-Trading möglich
- Das Angebot umfasst rund 50 handelbare Krypto-Assets
- Die Handelsoberfläche ist vergleichsweise komplex
Wesentlich ist die Einordnung des Geschäftsmodells. KuCoin EU agiert zum Start nicht als klassische Börse mit Orderbuch, sondern als Broker. Gegenpartei jeder Transaktion ist KuCoin selbst, vergleichbar mit dem Modell von Bitpanda. Ein direkter Handel zwischen Nutzerinnen und Nutzern findet nicht statt.
Gebührenstruktur
KuCoin EU positioniert sich in Europa mit einer sehr niedrigen Gebührenstruktur beim Spot-Trading.
- Maximal 0,1 Prozent Handelsgebühr
- Gilt sowohl für Maker als auch für Taker
- Bei höherem monatlichem Handelsvolumen sind weitere Reduktionen möglich

Zum Vergleich verlangen etablierte Anbieter im österreichischen Markt teils deutlich höhere Gebühren. KuCoin EU setzt damit klar auf einen preisaggressiven Markteintritt. Es darf jedoch davon ausgegangen werden, dass KuCoin höhere Gebühren für die weiteren Produkte einheben wird. Speziell die einfache Oberfläche „Fast Trade“ wird vermutlich mit höheren Gebühren ausgestattet sein. Diese ist zum aktuellen Zeitpunkt jedoch noch nicht funktionsfähig.
Ein- und Auszahlungen

Ein- und Auszahlungen sind derzeit per Banküberweisung möglich. Nach aktuellem Stand fallen dafür keine Gebühren an. Sowohl Einzahlungen als auch Auszahlungen wurden im Test kostenfrei abgewickelt.
Steuerliche Abwicklung im Praxistest
Grundsätzlich wird das Angebot als steuereinfach beworben. Im Test zeigten sich jedoch noch Unschärfen in der operativen Umsetzung:
- Beim Verkauf wurde zunächst die gesamte Verkaufstransaktion mit 27,5 Prozent besteuert, nicht nur der Kursgewinn. Beispiel: Kauf um 100 Euro. Verkauf um 101 Euro. Gutgeschrieben wurden nach Steuer 73,23 Euro. Besteuert wurde die gesamte Verkaufstransaktion von 101 Euro statt dem Kursgewinn von 1 Euro (und davon 27,5 % KESt).
- Laut Support sollte die exakte Berechnung der Kursgewinnsteuer innerhalb von 4 Stunden erfolgen
- Die Korrektur und Rückerstattung der zu viel einbehaltenen Steuer erfolgte erst nach rund 20 Stunden nachdem noch einmal beim Support urgiert wurde
- Die Steuergutschrift wurde auf den Funding Account gebucht und nicht auf den Trading Account, auf dem der Verkauf abgewickelt wurde
Der Eindruck im Test war, dass die steuerliche Korrektur manuell durchgeführt wurde und noch nicht alle internen Prozesse vollständig automatisiert und konsistent funktionieren.
Markteintritt mit abgespecktem Angebot
Zum Start ist KuCoin EU bewusst mit einem reduzierten Funktionsumfang live gegangen. Neben Spot-Trading und Fiat-Ein, und Auszahlungen fehlen derzeit noch Funktionen wie Margin-Trading, Earn-Produkte oder eine eigene Zahlungskarte. Diese sollen in den kommenden Monaten schrittweise ergänzt werden.
Galerie
Hier noch ein paar Screenshots von KuCoin EU mit dem aktuellen Angebot.



Kontroversen und Kritik rund um KuCoin
Trotz des nun regulierten EU-Auftritts ist KuCoin in der Vergangenheit wiederholt in die Kritik geraten. International wurde KuCoin vor allem wegen regulatorischer Graubereiche, mangelhafter Transparenz und Vorwürfen unzureichender Geldwäscheprävention thematisiert. In den USA erhob das Justizministerium im Jahr 2024 Anklage gegen KuCoin und zwei Gründer wegen Verstößen gegen Anti-Geldwäsche-Vorschriften, unter anderem mit dem Vorwurf, über Jahre kein vollwertiges KYC-System betrieben zu haben. Parallel dazu leitete auch die US-Börsenaufsicht SEC zivilrechtliche Schritte ein. KuCoin einigte sich später auf einen Vergleich, der unter anderem Strafzahlungen und strukturelle Anpassungen vorsah. Kritisch diskutiert wurden in der Vergangenheit auch Sicherheitsvorfälle, darunter größere Abflüsse von Kundengeldern im Jahr 2020, die KuCoin zwar kompensierte, die aber das Vertrauen vieler Nutzerinnen und Nutzer nachhaltig beeinträchtigten. Der EU-Start unter MiCAR ist daher auch als Versuch zu werten, das angeschlagene regulatorische Image zu stabilisieren und Vertrauen zurückzugewinnen, nachdem KuCoin lange Zeit als stark wachsender, aber kaum regulierter Anbieter wahrgenommen wurde.
Weiterführende Berichte und Quellen:
- US Department of Justice, Anklage gegen KuCoin: https://www.justice.gov/opa/pr/us-charges-cryptocurrency-exchange-kucoin-and-its-founders-violations-anti-money
- SEC Klage gegen KuCoin: https://www.sec.gov/news/press-release/2024-36
- Reuters zu regulatorischen Vorwürfen gegen KuCoin: https://www.reuters.com/world/us/crypto-exchange-kucoin-charged-by-us-prosecutors-violating-anti-money-laundering-laws-2024-03-26/
- CoinDesk Hintergrundbericht zu KuCoin und AML-Themen: https://www.coindesk.com/policy/2024/03/26/kucoin-and-founders-charged-by-doj-for-aml-failures/
- Berichte zum KuCoin-Hack 2020: https://www.theblock.co/post/79290/kucoin-says-150-million-in-crypto-stolen-in-major-hack
Steuereinfache Krypto Anbieter in Österreich
In Österreich gibt es mittlerweile mehrere Anbieter mit steuereinfacher oder teilweiser steuereinfacher Krypto-Abwicklung. Die folgende Übersicht stellt eine aktualisierte Momentaufnahme dar, ohne Anspruch auf Vollständigkeit oder Gewähr.
| Anbieter | Kryptowerte ca. | Gebühren | Transfers | Staking | Steuereinfach |
|---|---|---|---|---|---|
| DADAT Bank Krypto | 50 | 0,75 %, unter 500 € plus 1 € | geplant | geplant | ja |
| Trade Republic | 50+ | 1 bis 2,5 % plus 1 € | ja | begrenzt | ja |
| Flatex | 19 | 0,6 bis 0,7 % | geplant | geplant | ja |
| 21Bitcoin | 1 | Kauf 0,79 bis 1,49 %, Verkauf 1,49 % | geplant | nein | ja |
| Coinfinity | 1 | ca. 1,5 % | ja | nein | ja |
| Bitpanda | 600+ | ab ca. 0,99 % plus Spread | ja | ja | teilweise |
| Bybit mit österr. Steuerabwicklung | 500 | ca. 1 % inkl. Spread | ja | ja | ja |
| KuCoin EU | 50+ | bis 0,1 % | ja | geplant | ja, eingeschränkt |
Fazit
KuCoin EU erweitert den österreichischen Markt um einen weiteren steuereinfachen Kryptoanbieter und setzt mit einer maximalen Handelsgebühr von 0,1 Prozent ein klares preisliches Ausrufezeichen. Die MiCAR-Lizenz und der Sitz in Wien schaffen regulatorische Klarheit und sind grundsätzlich positiv zu bewerten. Damit positioniert sich KuCoin EU formal auf Augenhöhe mit etablierten, steuereinfachen Anbietern.
In der Praxis zeigt sich jedoch, dass das Angebot aktuell noch in einer sehr frühen Phase steckt. Der Funktionsumfang ist stark reduziert, beschränkt sich auf Spot-Trading im Broker-Modell und bietet nur eine überschaubare Auswahl an Kryptowerten. Hinzu kommen Anlaufschwierigkeiten bei der steuerlichen Abwicklung, die im Praxistest insbesondere bei der korrekten und zeitnahen Berechnung der Kursgewinnsteuer sichtbar wurden. Der Eindruck ist, dass Prozesse teilweise noch manuell laufen und noch nicht stabil automatisiert sind.
Für kostenbewusste Nutzerinnen und Nutzer kann KuCoin EU dennoch interessant sein, sofern sie sich der Einschränkungen bewusst sind und mit einem noch unausgereiften Produkt leben können. Für Einsteigerinnen und Einsteiger oder für Nutzerinnen und Nutzer, die ein breites Angebot, Zusatzfunktionen wie Staking oder eine reibungslos funktionierende Steuerabwicklung erwarten, sind etablierte Anbieter derzeit die verlässlichere Wahl. Entscheidend wird sein, wie schnell KuCoin EU die angekündigten Funktionen nachliefert und die operativen Schwächen behebt.