Auch wenn die Zeichnung des SpaceX IPO hierzulande nicht möglich ist, wie erst kürzlich in diesem Beitrag bereits berichtet, dürfte die Aktie über kurz oder lang in vielen österreichischen Depots landen. Der Grund liegt nicht im aktiven Kauf, sondern in der Aufnahme von SpaceX in die großen Aktienindizes, auf die ein Großteil der gängigen ETFs aufsetzt. Christian Röhl von Scalable Capital hat dazu eine nüchterne Einordnung veröffentlicht, die hier zusammengefasst und für die österreichische Perspektive aufbereitet wurde.
Normalerweise dauert es viele Monate, bis eine neue Aktie auch tatsächlich in einen Index wandert. Dieses Mal scheint es durch Mega-Börsengänge wie der von SpaceX aber anders zu sein, was natürlich zu einem enormen Kaufdruck durch die passiven Indexfonds führt und davon diejenigen profitieren, die SpaceX Aktien bereits hielten, also die Alt-Aktionärinnen und -Aktionäre. Dass die Aufnahme in den Index nun auf einmal so schnell klappen wird, das ist manchen ein Dorn im Auge. Wie schnell aber funktioniert die Aufnahme denn nun? Das ist abhängig vom jeweiligen Index und Christian Röhl hat sich schlau gemacht und diese Informationen nun veröffentlicht.
Wie hoch SpaceX in den großen Indizes gewichtet wird
Bemerkenswert ist vor allem, dass die indikativen Gewichtungen deutlich niedriger ausfallen, als es die mediale Aufregung vermuten ließe. In den Weltportfolios von MSCI und FTSE wird SpaceX zu Beginn mit weniger als 0,1 Prozent vertreten sein. Zur Einordnung, in den US-amerikanischen und europäischen ETFs auf den MSCI World beziehungsweise ACWI stecken aktuell rund 400 Milliarden US-Dollar. Der erwartete Fahrplan sieht laut Röhl in etwa so aus:
| Zeitpunkt | Index | Indikatives Startgewicht | Anmerkung |
|---|---|---|---|
| Tag 5 | FTSE All-World | unter 0,1 % | Fast Entry, Gewichtung nach Streubesitz |
| Tag 10 | MSCI World | rund 0,1 % | Fast Entry, Gewichtung nach Streubesitz, Regelwerk seit 2007 |
| Tag 10 | MSCI ACWI | unter 0,1 % | Fast Entry, Gewichtung nach Streubesitz |
| Tag 15 | Nasdaq 100 | rund 1 % | Fast Entry, Gewichtung mit dreifachem Streubesitz |
| offen | S&P 500 | nicht zutreffend | frühestens nach 12 Monaten, bei über 10 % Streubesitz und positivem US-GAAP-Nettogewinn über vier Quartale |
Die Ausnahme Nasdaq 100
Eine echte Sonderbehandlung, von Röhl augenzwinkernd als „Lex Megacap“ bezeichnet, gibt es nur im Nasdaq 100. Dort wird der Streubesitz mit dem Faktor drei multipliziert, wodurch SpaceX auf ein indikatives Gewicht von rund 1 Prozent kommt. Der Nasdaq 100 ist allerdings kein neutrales Marktbarometer, sondern ein Index des Börsenbetreibers und damit auch ein Instrument im Wettbewerb um attraktive Listings. Konkret heißt das, dass der knapp eine halbe Billion US-Dollar schwere Invesco QQQ ETF rein rechnerisch SpaceX-Aktien im Wert von rund 5 Milliarden US-Dollar allokieren müsste. Entscheidend ist daher auch der Zeitpunkt, weil die Index-Aufnahme genau in jene Phase fällt, in der die Emissionsbanken ihre Mehrzuteilungsoption, den sogenannten Greenshoe, ausüben können.
Warum sich das Gewicht im Zeitverlauf erhöhen dürfte
Mit dem Börsengang ist die Geschichte nicht zu Ende erzählt. Sobald die Sperrfristen, also die Lock-ups, auslaufen, steigt der frei handelbare Anteil und damit auch das Index-Gewicht der Aktie sukzessive an. Wie stark dieser Effekt ausfällt, hängt von zwei Faktoren ab:
- Welche Aktionäre als strategisch und somit nicht handelbar gelten und welche als nicht-strategisch, also als Streubesitz, eingestuft werden.
- Inwieweit eigentlich strategische Investoren wie Venture-Capital-Fonds oder auch Elon Musk selbst tatsächlich Anteile abgeben.
Zu beachten ist außerdem, dass sämtliche Berechnungen auf den derzeitigen Indikationen beruhen, nämlich einem Emissionsvolumen von rund 75 Milliarden US-Dollar und einer Bewertung von etwa 1,8 Billionen US-Dollar. Verschieben sich diese Eckdaten, verschieben sich auch die Gewichte.
Der Zielkonflikt für die Indexanbieter
Hinter der nüchternen Mechanik steht ein grundsätzlicher Konflikt. Auf der einen Seite sollen Indizes die Börsenlandschaft möglichst repräsentativ abbilden. Auf der anderen Seite können große Käufe durch indexbasierte Finanzprodukte zu Marktverwerfungen führen, wenn eine frisch gelistete Aktie schlagartig in Portfolios mit hunderten Milliarden an Volumen aufgenommen wird. Aus Sicht von Röhl wäre es am besten, wenn Unternehmen wie SpaceX nicht erst so spät und zu derart hohen Bewertungen an die Börse kämen, sondern bereits als kleinere börsennotierte Unternehmen mitwachsen würden. Dann allerdings würde wohl die mangelnde Börsenreife bemängelt. Der Zielkonflikt lässt sich somit kaum auflösen, weshalb bei allen Beteiligten, also Unternehmen, Altaktionären, Indexanbietern und Investoren, Augenmaß gefragt ist. Ob dieses Augenmaß im Fall von SpaceX aktuell vorhanden ist? Die Zukunft wird es weisen, wenn wir dann den Blick in die Vergangenheit schweifen lassen.
Was das für österreichische Anleger bedeutet
Für heimische Anlegerinnen und Anleger ergibt sich daraus eine durchaus bemerkenswerte Situation. Eine direkte Teilnahme am SpaceX IPO ist in Österreich derzeit nicht möglich, wie wir bereits beschrieben haben. Über breit gestreute ETFs auf MSCI World, FTSE All-World oder Nasdaq 100 wandert die Aktie dennoch früher oder später automatisch ins Depot. Eher früher, als später. Wer ohnehin in solche Indexfonds investiert, muss also nichts unternehmen und ist nach der Index-Aufnahme indirekt beteiligt, anfangs allerdings nur mit einem sehr kleinen Anteil. Ob man will oder nicht.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt weder eine Anlageberatung noch eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar. Die genannten Gewichtungen und Termine sind indikativ und können sich jederzeit ändern. Grundlage der Einordnung ist ein öffentlich geteilter Beitrag von Christian Röhl (Scalable Capital)