Beachte: Veranlagungen in Finanzinstrumenten sind mit Risiken verbunden und können neben den Erträgen auch zum Verlust des eingesetzten Kapitals führen.

EZB erhöht Leitzinsen zum zweiten Mal 2026: Einlagefazilität steigt auf 2,50 Prozent

Beachte: Veranlagungen in Finanzinstrumenten sind mit Risiken verbunden und können neben den Erträgen auch zum Verlust des eingesetzten Kapitals führen.

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Die Europäische Zentralbank (EZB) hat heute am Donnerstag, den 10. September 2026, die Leitzinsen im Euroraum erneut um 25 Basispunkte angehoben. Nach der ersten Erhöhung im heurigen Jahr am 11. Juni 2026 und einer Zinspause am 23. Juli 2026 ist es bereits der zweite Zinsschritt nach oben in diesem Jahr. Die Zinsen? Die werden jetzt wieder steigen, aber wir dürfen auch darauf vertrauen, dass die lieben Banken es nicht eilig haben ihre Zinsen zu erhöhen. Vergleichen lohnt sich also auch weiterhin.

Auf einen Blick

  • Einlagefazilität: 2,50 Prozent (zuvor 2,25 Prozent)
  • Hauptrefinanzierungssatz: 2,65 Prozent (zuvor 2,40 Prozent)
  • Spitzenrefinanzierungssatz: 2,90 Prozent (zuvor 2,65 Prozent)
  • Die neuen Sätze gelten ab Mittwoch, 16. September 2026

Die EZB-Sitzung am 9. und 10. September 2026

Der EZB-Rat tagte zwei Tage lang in Frankfurt, der Zinsbeschluss wurde am 10. September um 14:15 Uhr MEZ veröffentlicht, die Pressekonferenz mit EZB-Präsidentin Christine Lagarde folgte um 14:45 Uhr. Überraschend kam der Schritt nicht: Eine Anfang September veröffentlichte Reuters-Umfrage unter 65 Ökonominnen und Ökonomen sah im Mittel bereits eine Anhebung um 25 Basispunkte voraus, auch Fachleute der ING rechneten damit. Das private Prognosetool ecb-watch.eu bezifferte die Wahrscheinlichkeit eines solchen Schritts ebenfalls als sehr hoch (Stand 9.9.2026, 21:05 Uhr, eigener Screenshot als Quelle).

Ausschlaggebend für die Entscheidung waren die weiterhin erhöhte Inflation im Euroraum sowie neuerliche Energiepreissprünge im Zuge des andauernden Konflikts rund um den Iran und zeitweiliger Sperren der Straße von Hormus. Die Sitzung war zugleich eine Projektionssitzung: Gemeinsam mit dem Zinsentscheid veröffentlichten die Fachleute des Eurosystems neue gesamtwirtschaftliche Projektionen zu Inflation und Wachstum bis 2028, die für die Einschätzung des weiteren Zinspfads mindestens ebenso relevant sein dürften wie der Zinsschritt selbst.

Rückblick: Vom Zinssenkungszyklus zur Zinswende

Nach einer Phase stark steigender Zinsen zwischen Sommer 2022 und Herbst 2023 (Einlagefazilität bis auf ein historisches Hoch von 4,00 Prozent) begann die EZB im Juni 2024 mit schrittweisen Zinssenkungen. In insgesamt acht Schritten wurde der Einlagensatz bis Juni 2025 auf 2,00 Prozent halbiert, danach folgte eine längere Phase der Zinsstabilität. Der Ausbruch des Kriegs im Nahen Osten Anfang März 2026 änderte die Lage grundlegend: Stark gestiegene Energiepreise trieben die Inflation im Euroraum wieder deutlich über das Zwei-Prozent-Ziel, sodass die EZB am 11. Juni 2026 die erste Leitzinserhöhung seit September 2023 beschloss. Bei der Sitzung am 23. Juli 2026 beließ der EZB-Rat die Zinsen zunächst unverändert, Lagarde schloss eine weitere Erhöhung im September aber ausdrücklich nicht aus.

Die Entwicklung der EZB Leitzinsen zeigt sich hier im zeitlichen Verlauf:

Historische Zinsentwicklung im Überblick

Sitzungen ohne Zinsänderung, etwa jene vom 23. Juli 2026, sind in der folgenden Tabelle definitionsgemäß nicht enthalten.

Datum (Beschluss)EinlagefazilitätHauptrefinanzierungssatzSpitzenrefinanzierungssatz
10.09.20262,50 %2,65 %2,90 %
11.06.20262,25 %2,40 %2,65 %
05.06.20252,00 %2,15 %2,40 %
17.04.20252,25 %2,40 %2,65 %
06.06.20243,75 %4,25 %4,50 %
14.09.20234,00 %4,50 %4,75 %

Die drei EZB-Leitzinsen im Überblick

Für das Verständnis der Auswirkungen auf Geldmarktprodukte lohnt sich ein kurzer Blick auf die drei Instrumente:

  • Einlagefazilität: Kurzfristiger Anlagekanal für Geschäftsbanken, die überschüssige Liquidität sicher bei der EZB parken. Seit der Anpassung des geldpolitischen Rahmens im September 2024 ist sie der maßgebliche Steuerungszins der EZB und damit der wichtigste Referenzpunkt für den €STR.
  • Hauptrefinanzierungssatz: Zentraler Zinssatz zur Liquiditätsversorgung der Banken, über den die Steuerung des allgemeinen Zinsniveaus koordiniert wird.
  • Spitzenrefinanzierungssatz: Ermöglicht Banken die kurzfristige Kreditaufnahme bei der EZB und wirkt als Obergrenze für Tagesgeldsätze im Interbankenmarkt.

Auswirkungen auf Geldmarktfonds und ETFs im Depot

Für Anlegende mit Broker-Depot ist vor allem die Einlagefazilität relevant, da sich an ihr der €STR (Euro Short-Term Rate) orientiert, die Referenzgröße für Geldmarktfonds.

Zuletzt notierte der €STR bei rund 2,188 Prozent (Stand 8. September 2026), was einer laufenden Rendite des Fonds von rund 2,27 Prozent entsprach, also ziemlich genau dem EZB-Leitzins von 2,25 Prozent. Mit der Anhebung der Einlagefazilität auf 2,50 Prozent dürfte der €STR in den kommenden Tagen auf rund 2,40 bis 2,42 Prozent nachziehen, die laufende Verzinsung des Fonds bewegt sich damit in Richtung 2,50 Prozent per annum.

Anmerkung: Die genaue Höhe des €STR nach dem Zinsschritt ist eine Schätzung auf Basis der historischen Spanne zur Einlagefazilität und sollte vor Veröffentlichung anhand des tagesaktuellen EZB-Werts verifiziert werden.

Cashzinsen bei Neobrokern: Was sich jetzt ändern könnte

Mehrere Neobroker, darunter Trade Republic und Scalable Capital, koppeln die Verzinsung nicht investierter Guthaben in unterschiedlichem Ausmaß an die EZB-Einlagefazilität. Nach einer Anhebung des Leitzinses ist erfahrungsgemäß mit einer zeitnahen Anpassung der beworbenen Zinssätze zu rechnen, allerdings geben nicht alle Anbieter Zinsschritte vollständig und sofort weiter. Ein Blick in den laufenden Sparzinsen.at Vergleich lohnt sich in den kommenden Tagen, sobald die Anbieter ihre Konditionen aktualisiert haben.

Auswirkungen auf klassische Sparzinsen und Kreditzinsen

Auch abseits von Depot und Broker wirkt sich der Zinsschritt aus: Die langfristigen Sparzinsen bei Tagesgeld und Festgeld haben bereits in den vergangenen Monaten nach oben korrigiert, ebenso die Renditen österreichischer Staatsanleihen. Allerdings geben, wie schon nach der Juni-Erhöhung, nicht alle Banken den Zinsschritt zeitnah und vollständig weiter. Auf der Kreditseite dürften variabel verzinste Immobilienkredite, die in Österreich meist an den 3-Monats-Euribor gekoppelt sind, sich weiter verteuern, auch Konsumkredite dürften ihren zuletzt leicht steigenden Trend fortsetzen.

Inflations- und Konjunkturausblick

Die Inflation im Euroraum ist laut Schnellschätzung von Eurostat im August 2026 nach dem Zwischentief im Juni und Juli wieder auf 3,3 Prozent gestiegen, Haupttreiber bleibt die Energie mit einem Plus von 14,3 Prozent im Jahresvergleich. Die Kerninflation gab dagegen leicht nach, von 2,5 auf 2,4 Prozent. In Österreich lag die Inflation laut Statistik Austria im Juni 2026 bei 3,2 Prozent (bestätigt), stieg laut Schnellschätzung im August wieder auf 3,2 Prozent, getrieben vor allem durch Treibstoffe und Heizöl. Die endgültigen Augustwerte für Österreich werden am 17. September 2026 veröffentlicht.

MonatInflation Eurozone (HVPI)Inflation Österreich (VPI)
April 20263,0 %3,4 %
Mai 20263,2 %3,7 %
Juni 20262,8 %3,2 %
Juli 20262,9 %2,8 %
August 20263,3 % (Schnellschätzung)3,2 % (Schnellschätzung)

Bemerkenswert: Laut der EZB-Verbraucherumfrage sind die Inflationserwartungen für die kommenden zwölf Monate im Juli 2026 den zweiten Monat in Folge leicht gesunken, von 3,0 auf 2,9 Prozent, die Drei-Jahres-Erwartungen von 2,8 auf 2,7 Prozent. Beide Werte liegen aber weiterhin über dem Niveau vor Ausbruch des Kriegs im Nahen Osten.

Ausblick: Die nächsten EZB-Termine

Die nächste geldpolitische Sitzung ist für den 29. Oktober 2026 angesetzt, die letzte Sitzung des Jahres findet am 17. Dezember 2026 statt. An den Märkten gilt aktuell eine Zinspause im Oktober als wahrscheinlicher, für Dezember wird bereits ein möglicher dritter Zinsschritt diskutiert. Sollten sich die zuletzt leicht rückläufigen Inflationserwartungen der Verbraucherinnen und Verbraucher fortsetzen, könnte die EZB ihren Straffungskurs aber auch früher als derzeit erwartet beenden.

Fazit

Die Leitzinsen steigen mit nächster Woche Mittwoch- Für Anlegende mit Geldmarktfonds oder -ETFs im Depot sowie für Cashbestände bei Neobrokern bringt der Zinsschritt eine höhere laufende Verzinsung, die KESt-Pflicht von 27,5 Prozent bleibt davon unberührt. Wer in steuereinfache Fonds investiert, profitiert von der automatischen OeKB-Meldung, sollte sich bei thesaurierenden Produkten aber der jährlichen KESt-Belastung auf ausschüttungsgleiche Erträge bewusst sein. Auf der anderen Seite verteuern sich variable Kredite weiter, was die ohnehin schwache Konjunktur zusätzlich belasten könnte. Wie es weitergeht, hängt maßgeblich von der Entwicklung der Energiepreise und der geopolitischen Lage ab.

Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung dar. Trotz sorgfältiger Recherche kann keine Gewähr für Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der Angaben übernommen werden. Zinssätze, Fondsdaten und Prognosen können sich kurzfristig ändern.

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