Hinweis: Ein Investment in Aktien ist stets mit Risiken verbunden bis hin zum Totalverlust. Dies gilt insbesondere für Börsengänge (IPOs). Neue Aktien können unmittelbar nach Handelsstart erheblichen Kursschwankungen unterliegen. Kursverluste von 50 Prozent oder mehr sind bei großen Tech-IPOs historisch keine Seltenheit.
SpaceX startet an der NASDAQ
Am Freitag, dem 12. Juni 2026, soll die SpaceX Aktie unter dem Börsenkürzel SPCX erstmals an der NASDAQ gehandelt werden. Mit einer erwarteten Bewertung von knapp 2 Billionen US-Dollar wäre SpaceX der größte Börsengang der Geschichte. Entsprechend groß ist das Interesse von Anlegerinnen und Anlegern weltweit.
Auch in Österreich fragen sich viele Interessierte, ob und wo die Aktie gekauft werden kann. Man hört nichts! Das hat aber einen guten Grund!
Warum informieren österreichische Broker nicht über das IPO?
Der Grund liegt nicht bei den Brokern selbst, sondern in den regulatorischen Vorgaben. Wie aus mehreren Veröffentlichungen hervorgeht, wurde der EU-Prospekt für das öffentliche Angebot von SpaceX zwar in verschiedenen europäischen Ländern notifiziert, Österreich gehört derzeit jedoch nicht dazu. Darauf weist auch Alexander Smid, Head of Investments & Bancassurance bei der Erste Bank, in einem LinkedIn-Beitrag hin.
Für österreichische Banken bedeutet dies:
- Keine aktive Bewerbung des IPOs
- Keine Vermarktung auf Webseiten oder in Apps
- Keine aktive Vertriebsunterstützung
Die Zurückhaltung vieler Broker hat somit rechtliche Gründe und ist keine Entscheidung gegen die SpaceX-Aktie.
Können Österreicherinnen und Österreicher die Aktie trotzdem kaufen?
Ja. Dabei muss zwischen dem Börsengang selbst und dem späteren Handel der Aktie unterschieden werden. Während die Teilnahme am IPO eingeschränkt sein kann, gilt dies nicht automatisch für den regulären Börsenhandel nach dem Listing. Sobald die Aktie an der NASDAQ gehandelt wird, ist davon auszugehen, dass sie von den meisten österreichischen Brokern in das Handelsangebot aufgenommen wird die auch die Börse NASDAQ im Angebot haben.
Dazu zählen beispielsweise:
Ebenso dürfte die Aktie zeitnah auf europäischen Handelsplätzen erscheinen:
- Tradegate
- gettex
- Lang & Schwarz Exchange
- Xetra
Ob dies bereits am ersten Handelstag geschieht oder einige Tage später, hängt von den jeweiligen Brokern und Handelsplätzen ab.
Kauf auf eigene Initiative möglich
Alexander Smid weist außerdem auf einen wichtigen Punkt hin. Auch wenn österreichische Banken das IPO nicht aktiv bewerben dürfen, können Kundinnen und Kunden unter Umständen selbst auf die Bank zukommen und einen Kaufwunsch äußern. Dabei handelt es sich um eine sogenannte „Unsolicited Order“, also einen Auftrag auf ausdrückliche Initiative der Kundin oder des Kunden.
Historische IPO-Daten mahnen zur Vorsicht
Viele Anlegerinnen und Anleger hoffen auf schnelle Gewinne nach dem Börsenstart. Eine Analyse von Truist Financial, die von MarketWatch veröffentlicht wurde, zeigt jedoch ein differenzierteres Bild. Untersucht wurden 30 große Technologie-Börsengänge der vergangenen Jahre, darunter Facebook, Uber, Airbnb, Coinbase, Snowflake, Palantir und Rivian.
Das Ergebnis:
| Kennzahl | Ergebnis |
|---|---|
| Durchschnittliche Rendite nach 1 Jahr | +14 % |
| Durchschnittlicher maximaler Kursrückgang im ersten Jahr | -55 % |
| Anteil positiver Aktien nach 12 Monaten | 43 % |
Quelle: Truist Financial, zitiert nach MarketWatch, 3. Juni 2026.
Diese bekannten Tech-IPOs entwickelten sich nach dem Börsengang
| Unternehmen | Entwicklung nach 12 Monaten | Maximaler Kursrückgang |
|---|---|---|
| -31 % | -54 % | |
| -10 % | -58 % | |
| Alibaba | -30 % | -49 % |
| Shopify | +2 % | -52 % |
| Snap | -26 % | -56 % |
| Lyft | -65 % | -79 % |
| Uber | -21 % | -68 % |
| Zoom | +142 % | -40 % |
| CrowdStrike | +64 % | -67 % |
| Cloudflare | +90 % | -32 % |
| Datadog | +128 % | -42 % |
| Snowflake | +27 % | -52 % |
| Palantir | +153 % | -53 % |
| Airbnb | +25 % | -39 % |
| Coinbase | -55 % | -57 % |
| Robinhood | -74 % | -90 % |
| Rivian | -67 % | -88 % |
| Arm Holdings | +132 % | -43 % |
| CoreWeave | +87 % | -65 % |
Quelle: Truist Financial, zitiert nach MarketWatch, 3. Juni 2026.
Die Daten zeigen deutlich: Selbst Unternehmen, die später zu großen Börsenerfolgen wurden, mussten zunächst erhebliche Rückschläge verkraften. Zwischenzeitliche Verluste von 40 bis 70 Prozent waren keine Ausnahme.
Fast 2 Billionen Dollar Bewertung, wenig Raum für Enttäuschungen
Ein weiterer Risikofaktor ist die Bewertung. Mit einer erwarteten Marktkapitalisierung von knapp 2 Billionen US-Dollar gehört SpaceX bereits zum Börsenstart zu den wertvollsten Unternehmen der Welt. Mark Vena vom Analysehaus SmartTech Research warnt deshalb davor, dass die Bewertung bereits sehr hohe Erwartungen einpreisen könnte. Sollten sich Wachstum, Gewinnentwicklung oder Projekte wie Starlink und Starship langsamer entwickeln als erwartet, könnte dies Druck auf den Aktienkurs ausüben.
Ungewöhnliche Lock-up-Regeln könnten für zusätzliche Schwankungen sorgen
Zusätzliche Aufmerksamkeit verdienen die Lock-up-Regeln. Normalerweise dürfen Altaktionärinnen und Altaktionäre ihre Aktien erst nach Ablauf einer festen Sperrfrist verkaufen. SpaceX plant dagegen eine schrittweise Freigabe von Aktienpaketen über einen längeren Zeitraum. Dadurch könnten immer wieder zusätzliche Aktien auf den Markt kommen, was den Verkaufsdruck erhöhen und die Kursentwicklung beeinflussen könnte.
Fazit
Auch wenn österreichische Broker derzeit kaum über das SpaceX-IPO informieren, bedeutet dies nicht, dass die Aktie nach dem Börsenstart nicht gekauft werden kann. Die regulatorischen Einschränkungen betreffen vor allem die aktive Vermarktung und die Zeichnung im Rahmen des IPOs. Sobald die Aktie an der NASDAQ notiert, dürfte sie bei den meisten österreichischen Brokern grundsätzlich handelbar sein. Die Erfahrungen früherer Tech-IPOs zeigen jedoch, dass selbst erfolgreiche Unternehmen nach dem Börsenstart erhebliche Kursschwankungen erleben können. Anlegerinnen und Anleger sollten daher nicht nur die Chancen des wohl größten Börsengangs aller Zeiten betrachten, sondern auch die damit verbundenen Risiken.