Trade Republic startet neue Handelstechnologie: Bestpreis, Direktpreis und Web Terminal – Ausrollung der neuen Features ab sofort, bis morgen 3. Juli spätabends sollten alle Kundschaften die neuen Funktionen bereits haben. Alle Kundenorders werden ab sofort direkt zu Trade Republic geleitet und diese leiten es an einen der 30 angeschlossenen Handelsplätze weiter.
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Die 1-Euro-Order: Bestpreis über 30 Börsen
Die für Trade Republic typische 1-Euro-Order bleibt bestehen, funktioniert aber künftig anders. Statt automatisch an die LS Exchange zu gehen oder sie selbst zu erfüllen, vergleicht ein Algorithmus namens Bestpreis die handelbaren Echtzeitkurse an 30 Handelsplätze und führt die Order zum jeweils besten Preis aus. Beim Kauf soll das der niedrigste, beim Verkauf der höchste verfügbare Kurs sein, laut Trade Republic unabhängig von der Ordergröße. Ob das auch tatsächlich der Fall ist? Die Zukunft wird es zeigen!
Grundlage ist ein aggregiertes Orderbuch, das die Geld- und Briefkurse aller angebundenen Börsen zusammenführt. Kundschaften können dieses Orderbuch live in der App einsehen und mit den Orderbüchern einzelner Börsen vergleichen. Nach der Ausführung gibt es zudem ein Dokument, mit dem sich nachvollziehen lassen soll, ob tatsächlich zum besten verfügbaren Kurs gehandelt wurde so Trade Republic.
Ein Detail aus der Pressemitteilung verdient Aufmerksamkeit: Die Orders werden „gegen Trade Republic“ ausgeführt. Der Broker tritt also selbst als Gegenpartei auf und hält kurzfristig Positionen auf dem eigenen Buch. Hecker sagte gegenüber dem Handelsblatt offen, dass der Algorithmus dadurch positiv zum Ergebnis beiträgt. Dazu gleich mehr im kritischen Teil.
Die 2-Euro-Order: Direktpreis mit freier Börsenwahl
Neu ist das sogenannte Direktpreis-Modell. Wer sich nicht auf den Algorithmus verlassen will, kann den Handelsplatz ab sofort selbst wählen, so wie das bei klassischen Brokern üblich ist. Zur Auswahl stehen 30 Handelsplätze, darunter Xetra, Euronext, NYSE und Nasdaq, und zwar für Market-, Limit- und Stop-Orders. Diese Variante kostet 2 Euro pro Trade, ebenfalls unabhängig von der Ordergröße. Weitere Fremdspesen fallen keine an. Hinzu kommen noch Spreads.
Das Angebot richtet sich vor allem an sehr aktive Anlegende, die etwa gezielt im Limit-Orderbuch einer Börse handeln und Spreads ausnutzen wollen. Preislich bleibt Trade Republic damit deutlich unter der etablierten Konkurrenz: Bei Flatex kostet eine Xetra-Order rund 8 € bei einem Ordergegenwert von 1.000 Euro, bei der DADAT Bank sind es knapp über 10 Euro inklusive Fremdspesen.
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Unterschied Bestpreis und Direktpreis
Wer bestimmte Ordertypen wie z. B. Limit oder Stop-Limit einsetzen möchte, der muss auch den dazu passenden Handelsplatz auswählen. Das bedeutet jedoch auch, dass es sich automatisch um eine Direktpreis-Order handelt. Die Kosten hierfür liegen bei 2,00 Euro.
Für Standard-Anlegende wird wohl die Bestpreis-Order oftmals ausreichen. Die Unterschiede dieser beiden Orderarten werden in der folgenden Tabelle, aufgrund der bislang bekannten Daten, miteinander verglichen:
| Merkmal | Bestpreis-Order | Direktpreis-Order |
|---|---|---|
| Preis pro Trade | 1,00 Euro | 2,00 Euro |
| Handelsplatzwahl | Algorithmus wählt automatisch | Kundschaft wählt selbst aus 30 Börsen |
| Ordertypen | Market | Market, Limit, Stop |
| Fremdkosten | zuzüglich Spreads | zuzüglich Spreads |
| Zielgruppe | Standardanlegende | aktive Anlegende und Vieltradende |
Web Terminal: Der Angriff auf die Profi-Nische
Parallel zur neuen Handelsinfrastruktur startet Trade Republic ein eigenes Web Terminal. Aktive Anleger bekommen dort professionelles Charting, individuell anpassbare Workspaces, Aktien- und Derivate-Screener, Portfolio-Analysen und Live-Marktdaten für wichtige Börsen, laut Trade Republic ohne zusätzliche Kosten. Hecker nennt es „eine Art Bloomberg-Terminal für Privatanleger“.
Die strategische Logik dahinter ist klar: Aktive Vieltradende gelten in der Branche als die eigentlichen Umsatzbringer, während sich mit reinen ETF-Sparplan-Kunden nur schwer Geld verdienen lässt. Trade Republic will nach eigenen Angaben gezielt ertragsstarke Privatanlegende ansprechen, die bislang bei Anbietern wie Flatex, DADAT oder Interactive Brokers handeln. Hecker nennt Interactive Brokers explizit als Vorbild und will die Kundenzahl allein in Deutschland von fünf auf zehn Millionen verdoppeln.
Warum Trade Republic umbauen musste
Bisher wickelte Trade Republic sämtliche Orders über einen einzigen Handelsplatz ab, die Lang und Schwarz Exchange (LS Exchange). Manche Orders wurden selbst erfüllt als systemischer Internalisierer. Diese Rolle wird nun konsequent weiterentwickelt.
Das bisherige Modell des Payment-for-Orderflows an die Lang & Schwarz Exchange über den Market Maker Lang & Schwarz konnte nicht mehr weitergeführt werden. Für die Weiterleitung der Orders an L&S erhielt der Broker eine Rückvergütung, das erwähnte Payment for Order Flow. Das EU-Parlament hat diese Praxis verboten, weil ein Interessenkonflikt befürchtet wurde: Broker könnten Orders dorthin leiten, wo die höchste Provision winkt, nicht dorthin, wo der Kunde den besten Kurs bekommt. Interessant dabei: Mehrere Studien, darunter eine der deutschen Finanzaufsicht BaFin, konnten keinen klaren Nachteil des PFOF-Modells für Kunden nachweisen. Das Verbot kam trotzdem.
Für Trade Republic war PFOF zuletzt laut Mitgründer Christian Hecker nur noch für weniger als 20 Prozent des Umsatzes verantwortlich, in den Anfangsjahren trug es praktisch das gesamte Geschäft. Der Broker hat mittlerweile andere Ertragsquellen wie Girokontofunktion oder Debitkarte erschlossen.
Der Konkurrent Scalable Capital ist übrigens einen anderen Weg gegangen und hat bereits Ende 2024 gemeinsam mit der Börse Hannover einen eigenen Handelsplatz aufgebaut. Trade Republic hatte sich zwar Anfang 2026 ebenfalls eine Lizenz für ein eigenes Handelssystem gesichert, diese diente laut Finanzkreisen aber primär als Rückfalloption.
Kritische Einordnung
So beeindruckend das Paket klingt, ein paar Punkte sollte man im Auge behalten.
Erstens die Ausführung gegen das eigene Buch. Trade Republic tritt beim Bestpreis-Modell selbst als Gegenpartei auf und verdient daran, wie Hecker offen einräumt. Das erinnert strukturell an genau jenen Interessenkonflikt, den das PFOF-Verbot beseitigen sollte: Der Broker profitiert davon, wie die Order ausgeführt wird. Das aggregierte Orderbuch und die Ausführungsdokumente schaffen zwar Transparenz, die Kontrolle liegt aber letztlich bei den Daten, die Trade Republic selbst bereitstellt. Kritiker hatten schon bei der eigenen Handelsplatz-Lizenz des Brokers angemerkt, dass ein Neobroker mit Einfluss auf die Kursstellung nicht automatisch im besten Kundeninteresse handelt.
Zweitens die schleichende Abkehr vom Einheitspreis. Trade Republic hat jahrelang damit geworben, dass alle Kunden ohne Sternchen und Ausnahmen dasselbe zahlen. Mit der 2-Euro-Order gibt es nun erstmals ein gestaffeltes Gebührenmodell. Trade Republic übermittelt die Order an den gewünschten Handelsplatz, die Order selbst dürfte aber auch hier gegen das eigene Buch laufen. Das ist für sich genommen kein Nachteil, markiert aber einen Kulturwandel, ähnlich wie zuletzt bei N26, das ab September 2026 wieder Gebühren im Wertpapierhandel einführt. Auch die DADAT Bank änderte die Ordergebühren für die gettex und Baader Bank. Das PFOF-Verbot macht es nötig.
Drittens die wirtschaftliche Seite: Hecker selbst rechnet damit, dass der Umsatz durch das PFOF-Verbot zurückgeht, die Gewinnmarge aber steigt. Die Marge steigt unter anderem, weil der Broker am eigenen Buch mitverdient. Anlegende sollten diese Gemengelage kennen, auch wenn sie im Alltag vermutlich von besseren Kursen profitieren werden.
Was heißt das für Anlegende in Österreich?
Die neuen Funktionen sind natürlich auch für uns hier in Österreich vorgesehen. Wann diese genau eingeführt werden? Bis Ende des Tages des 3. Julis heißt es von Seiten Trade Republics. Gerade der kostenlose Zugang zu Live-Marktdaten und Orderbüchern ist bemerkenswert, dafür verlangen viele Anbieter sonst eigene Abogebühren. Wer bisher wegen des einzigen Handelsplatzes gezögert hat, dem nimmt Trade Republic mit dem Zugang zu Xetra und den US-Börsen ein zentrales Gegenargument. Die Praxis wird zeigen, wie gut der Bestpreis-Algorithmus tatsächlich ausführt und was am Ende auf der Abrechnung steht.
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Anscheinend doch nicht der Bestpreis an allen Börsen. In der App wird nur auf die Referenzbörsen verwiesen. Oder lese ich es falsch? Bestpreis Deine Order wird zum Bestpreis über alle relevanten Börsen über Trade Republic ausgeführt. Um den Bestpreis zu finden, vergleicht unser Algorithmus alle in Echtzeit handelbaren Angebote an diesen Börsen: Referenzbörsen: Xetra, Euronext Börsen (Paris, Amsterdam, Brüssel, Lissabon, Oslo), Nasdaq (US) und die liquideste Börse mit einem Orderbuch mit zentralem Limit für das von dir gehandelte Instrument. Verfügbarkeit: Verfügbar für Aktien und ETFs für Markt Orders, Limit Orders und Stop Orders. Handelszeiten: Du kannst von Montag bis Freitag,… Weiterlesen »
Sehr interessante Entwicklungen. Vielen Dank für die Darstellungen. Schade finde ich, dass Limit-Orders jetzt teurer werden.
Ergänzung: Zumindest mit der alten App-Version wurden gestern meine Limit Orders als Bestpreis mit 1 Euro Gebühr ausgeführt. Sowohl Aktien als auch Derivate. Bei Aktien war der Ausführungsplatz „Trade Republic Bank“, bei Derivaten nicht mehr der jeweilige Emittent (Societe, UBS, Vontobel,…) sondern „Lang und Schwarz Exchange“.