In der aktuellen Folge des Sunrise App Podcasts haben Gründer Thomas Niss und Daria Heisip über den Stand des lange angekündigten App-Updates, die Umsetzung des Verrechnungskontos und die geplante Streichung des investitionsbedingten Gewinnfreibetrags für Wertpapiere gesprochen.
Hier das Video:
Die wichtigsten Aussagen im Überblick.
App-Update mit Verrechnungskonto kommt im Sommer
Das nächste große App-Release soll in erster Linie das angekündigte Zinskonto Verrechnungskonto bringen. Ein konkretes Releasedatum nennt Thomas Niss bewusst nicht, da in der Testphase erfahrungsgemäß noch Anpassungen notwendig werden. Ziel ist, dass die neue Version bis Ende des Sommers stabil läuft. Die App wurde für das Update technisch grundlegend neu aufgebaut, unter anderem wurden die Prozesse zur Geldwäscheprävention stärker automatisiert.
Bemerkenswert ist die Umsetzung des Kontos: Sunrise arbeitet dafür mit der Deutschen Bank zusammen und nutzt deutsche Sammeltreuhandkonten, jetzt wissen wir es also, wer die Partnerbank ist! Laut Niss war die Zusammenarbeit mit österreichischen Banken für ein solches Modell nicht darstellbar und aus diesem Grund wurde dann doch die Deutsche Bank gewählt. Die Deutsche Bank ist auch Partnerbank bei anderen Zinszahlern wie Trade Republic, Scalable Capital oder auch Trading 212. Für Kundinnen und Kunden soll daraus kein Nachteil entstehen, im Gegenteil verweist Niss darauf, dass neben der gesetzlichen Einlagensicherung zusätzlich die freiwillige Einlagensicherung der privaten deutschen Banken greift. Angaben zu einer Verzinsung des Kontos wurden in der Podcast-Folge nicht gemacht. Frühere Aussagen gaben ungefähr an, dass es EZB-Leitzins minus 10 % sein könnten. Das wären im aktuellen Zinsumfeld rund 2 % p.a.
Altersvorsorgedepot für Deutschland als nächster Schritt
Noch im Laufe des Jahres soll ein weiteres Update folgen, das deutschen Kundinnen und Kunden den Zugang zum neuen Altersvorsorgedepot ermöglicht, also zur reformierten dritten Säule der Altersvorsorge in Deutschland. Das Produkt sieht eine Kombination aus zwei Fonds unterschiedlicher Risikoklassen vor. Sunrise erfüllt diese Anforderung nach eigener Darstellung bereits mit der Kombination aus dem reinen Aktienfonds und dem Dividends and Interest Fonds als Mischfonds, und das innerhalb des von der deutschen Bundesregierung vorgesehenen Kostendeckels.
Kritik an der Gewinnfreibetrag-Reform
Deutliche Worte findet Niss zur geplanten Regelung, wonach in den Jahren 2027 bis 2029 keine Wertpapiere für den investitionsbedingten Gewinnfreibetrag herangezogen werden können. Er hält die Maßnahme für konzeptionell falsch, da der Gewinnfreibetrag als Ausgleich für die steuerliche Begünstigung des 13. und 14. Gehalts bei unselbständig Erwerbstätigen geschaffen wurde. Viele Selbständige hätten keine großen Sachinvestitionen und würden durch die Einschränkung faktisch schlechter gestellt.
Für die Praxis relevant sind folgende Punkte aus dem Gespräch:
- Das Jahr 2026 ist von der Neuregelung noch ausgenommen, Wertpapierkäufe für den Gewinnfreibetrag sind heuer weiterhin möglich
- Bestehende Gewinnfreibeträge sind nicht betroffen, die vierjährige Behaltefrist gilt unverändert weiter
- Die Regelung muss noch vom Nationalrat beschlossen werden
- Ab 2030 soll die Nutzung von Wertpapieren grundsätzlich wieder möglich sein
Mehr über den Gewinnfreibetrag gibt es in diesem Beitrag.
Manager-Risiko und Insolvenzszenario
Auf Userfragen zur Abhängigkeit von seiner Person verweist Niss auf den regulatorischen Rahmen für Wertpapierfirmen: ausgelagerte Compliance, interne Revision, jährliche Wirtschaftsprüfung durch Grant Thornton sowie die Anforderungen aus der DORA-Verordnung. Ein langjähriger Kollege ist bereits als zweiter Portfoliomanager beim ausführenden Broker hinterlegt und könnte das Fondsmanagement jederzeit übernehmen. Im äußersten Fall würde die Kapitalverwaltungsgesellschaft, bei der die Fonds administriert werden, das Portfoliomanagement an sich ziehen.
Zum Insolvenzszenario hält Niss fest, dass die Fondsanteile als Sondervermögen geschützt und täglich liquide sind. Das Kerngeschäft des Fondsmanagements sei zudem von Beginn an profitabel gewesen, womit sich Sunrise von vertriebsseitig aufgebauten Plattformen wie Neobrokern oder Robo-Advisors unterscheide. Auch historisch seien vergleichbare Anlagedienstleistungen bei wirtschaftlichen Problemen stets von anderen Anbietern übernommen worden, ein Zugriff auf die Depots war dabei durchgehend gegeben.
Fazit
Das Verrechnungskonto rückt näher, auch wenn Sunrise sich beim Zeitplan nicht festlegen will. Die Kooperation mit der Deutschen Bank ist eine pragmatische Lösung mit dem Nebeneffekt einer erweiterten Einlagensicherung. Für Selbständige in Österreich bleibt vor allem die Botschaft, dass heuer das letzte Jahr ist, um den investitionsbedingten Gewinnfreibetrag mit Wertpapieren zu nutzen, sofern der Nationalrat die Reform wie angekündigt beschließt.
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