Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung. Das Zukunftsdepot ist derzeit ein politischer Vorschlag und noch kein geltendes Recht, einzelne Details können sich bis zur endgültigen Umsetzung noch ändern. Veranlagungen am Kapitalmarkt sind mit Risiko verbunden, bis hin zum Verlust des eingesetzten Kapitals.
Steuerfrei ansparen, das Altersvorsorgedepot war in letzter Zeit in aller Munde. Das soll aber nicht kommen, dafür aber ein steuerfreies Depot für Kinder. Deren Eltern sollen jährlich bis zu 5.000 Euro in Wertpapiere investieren können und die Kinder erhalten dieses Depot mit seinem Wert zum 18. Geburtstag. Gute Idee? Schlechte Idee?
Was ist angekündigt worden?
Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) hat am Montag, dem 31. August 2026, im ORF-Sommergespräch ein neues Sparmodell für Kinder vorgestellt: das Zukunftsdepot. Die Idee dahinter ist simpel formuliert, Eltern sollen für ihre Kinder langfristig am Kapitalmarkt vorsorgen können, ohne dass am Ende Kapitalertragsteuer (KESt) den Ertrag schmälert. Stocker möchte damit, wie er es nennt, Österreich zu einem „Land der Eigentümer“ machen.
Wichtig für die Einordnung: Es handelt sich um eine politische Ankündigung, kein fertiges Gesetz. Österreich wird seit März 2025 von einer Dreierkoalition aus ÖVP, SPÖ und Neos regiert, alle drei Parteien müssten diesem Vorschlag erst zustimmen. Laut Stocker soll das Modell zudem gesetzlich so verankert werden, dass eine künftige Regierung es nicht einfach wieder abschaffen kann, was ebenfalls noch aussteht.
So soll das Zukunftsdepot funktionieren
Die bisher bekannten Eckpunkte:
- Für jedes Kind unter 18 Jahren soll bei teilnehmenden Banken ein eigenes Zukunftsdepot eröffnet werden können.
- Pro Jahr dürfen bis zu 5.000 Euro eingezahlt werden.
- Bis zum 18. Geburtstag des Kindes soll keine KESt anfallen, danach steht das angesparte Vermögen dem Kind zur Verfügung.
- Teilnehmende Banken dürfen für das Depot keine Spesen verrechnen.
- Umgesetzt werden soll das Modell gemeinsam vom Familien- und vom Finanzministerium, in Kraft treten soll es spätestens mit 1.1.2027
- Welche Banken teilnehmen werden, das steht noch nicht fest.
Was konkret ins Zukunftsdepot eingezahlt werden darf, welche Fonds oder ETFs zulässig sind und welche Banken tatsächlich mitmachen, wurde bislang nicht im Detail kommuniziert.
Die Rechenbeispiele aus dem Kanzleramt
Das Bundeskanzleramt hat drei Beispielrechnungen vorgelegt, unterm Strich wird hier mit 7,3 % p.a. an Rendite gerechnet. Respekt würde ich persönlich dazu sagen. Was für eine hinterlegte Performance.
| Monatliche Einzahlung | Jährlich | Depotwert mit 18 | Steuerersparnis |
|---|---|---|---|
| 50 Euro | rund 600 Euro | rund 21.000 Euro | rund 2.800 Euro |
| 150 Euro | rund 1.800 Euro | rund 63.000 Euro | rund 8.500 Euro |
| Maximalbetrag | 5.000 Euro | rund 175.000 Euro | rund 23.700 Euro |
Ein Blick auf die Zahlen lohnt sich: Rechnet man die drei Beispiele zurück, ergibt sich in allen Fällen dieselbe implizite Rendite-Annahme von grob 6 bis 7 Prozent pro Jahr, wie sie in Modellrechnungen mit breit gestreuten Aktien-ETFs üblich ist. Auch die genannten Steuerersparnisse passen ins Bild, sie entsprechen jeweils ziemlich genau 27,5 Prozent des Kursgewinns, also exakt der Wertpapier-KESt, die im Zukunftsdepot eben nicht anfällt. Die Beispiele sind also intern konsistent, aber die Rendite-Annahme selbst wurde vom Kanzleramt nicht offengelegt und ist keine Garantie. Wer diese Zahlen liest, sollte sie als Illustration verstehen, nicht als Zusage.
Zustimmung von Banken und Börse, Kritik aus der Community
Aus der Finanzbranche kam bisher überwiegend Zustimmung. Erste-Bank-Österreich-Chefin Gerda Holzinger-Burgstaller begrüßte den Vorschlag gegenüber dem STANDARD und kündigte Unterstützung durch ihr Haus an, sie hatte ein ähnliches Modell selbst schon früher ins Gespräch gebracht. Wiener-Börse-Chef Christoph Boschan wertete das Zukunftsdepot als Signal für eine überfällige Aktienkultur in Österreich, merkte aber auch an, dass das grundsätzliche Problem der hohen Besteuerung von Aktieninvestments damit noch nicht gelöst sei.
Aus der Community (unter anderem in den Foren-Kommentaren beim STANDARD, hier ausdrücklich als inoffizielle Stimmen und nicht als Redaktionsmeinung zu verstehen) kam deutlich mehr Skepsis: Mehrfach wurde kritisiert, dass das Modell vor allem jenen Familien nützt, die sich regelmäßige Einzahlungen überhaupt leisten können, während Menschen mit wenig Spielraum leer ausgehen. Andere fragten, warum es eine vergleichbare Erleichterung nicht auch für Erwachsene gibt, etwa in Form einer generellen KESt-Befreiung für langfristig gehaltene ETF-Positionen. Einige äußerten außerdem Zweifel, ob SPÖ und Neos als Koalitionspartner den Vorschlag in dieser Form mittragen werden.
Was es bisher schon gibt
Vorsorge für Kinder ist in Österreich derzeit nur eingeschränkt möglich. Wer im Namen des Kindes selbst veranlagen will, ist an mündelsichere, also risikoarme Wertpapiere wie Anleihen gebunden, ETF- oder Aktienveranlagungen mit höherer Renditechance sind da nicht vorgesehen. Alternativ legen Eltern das Depot auf den eigenen Namen an und übertragen es später an das Kind.
Einzelne Anbieter versuchen, diese Lücke bereits zu schließen. Die Erste Bank bietet mit dem Generationendepot eine Möglichkeit, für eine begünstigte Person, etwa ein minderjähriges Kind oder Enkelkind, Geld zu veranlagen, das zu einem festgelegten Zeitpunkt übertragen wird. Auch beim Neobroker Froots werden zunehmend ETF-Sparpläne von Eltern für ihre Kinder angelegt. Solche bestehenden Lösungen dürften in der Praxis Gebühren enthalten, die es beim geplanten Zukunftsdepot laut Ankündigung nicht geben soll.
Zum Vergleich: In Deutschland gibt es mit dem ab 2027 geplanten Altersvorsorgedepot bereits ein ähnlich gelagertes Konzept, allerdings zur privaten Pensionsvorsorge für Erwachsene und mit staatlicher Förderung statt reiner Steuerbefreiung. Beide Modelle zeigen aber einen ähnlichen Trend, steuerlich begünstigte Wertpapierdepots als Alternative zu klassischen Vorsorgeprodukten.
Für wen sich das Zukunftsdepot eignen könnte
Interessant dürfte das Modell vor allem für Familien sein, die ohnehin regelmäßig für ihre Kinder zurücklegen möchten und einen langen Anlagehorizont bis zum 18. Geburtstag haben. Die Kombination aus Spesenfreiheit und KESt-Befreiung wäre, sofern sie wie angekündigt umgesetzt wird, günstiger als viele bestehende Kinderdepot-Lösungen am Markt.
Weniger relevant ist das Zukunftsdepot naturgemäß für Familien, die keinen finanziellen Spielraum für regelmäßige Einzahlungen haben, hier wurde ja auch aus der Community der Einwand vorgebracht, dass das Modell eher jene begünstigt, die bereits sparen können.
Was noch offen ist
- Ob und in welcher Form SPÖ und Neos als Koalitionspartner zustimmen.
- Welche Banken und Broker das Zukunftsdepot konkret anbieten werden, über die bereits bestätigte Erste Bank hinaus.
- Welche Wertpapiere und Fonds im speziellen zulässig sein werden.
- Wie der Übergang des Vermögens zum 18. Geburtstag technisch ablaufen soll.
Fazit
Das Zukunftsdepot ist im Kern eine naheliegende Idee: Kapital, das über bis zu 18 Jahre am Markt arbeiten kann, statt auf einem Sparbuch zu liegen, und das am Ende nicht durch die 27,5-prozentige Wertpapier-KESt geschmälert wird. Die vom Kanzleramt vorgelegten Rechenbeispiele sind zumindest in sich stimmig. Bevor Familien aber konkret planen, sollten die wichtigsten offenen Punkte geklärt sein, allen voran, ob die Steuerbefreiung wirklich die gesamte Ansparphase abdeckt und welche Banken das Produkt anbieten. Broker-Test.at bleibt an dem Thema dran und aktualisiert diesen Artikel, sobald Gesetzestext oder konkrete Bankangebote vorliegen.
Quellen: DER STANDARD, Börsianer, Kurier, ORF, Tiroler Tageszeitung, 5 Minuten, NÖN.at (Stand: 31. August 2026)