Beachte: Veranlagungen in Finanzinstrumenten sind mit Risiken verbunden und können neben den Erträgen auch zum Verlust des eingesetzten Kapitals führen.

Baader Trading ab 2027 fast rund um die Uhr: 23 Stunden Handel an fünf Tagen, aber braucht man das?

Höher, größer, weiter. Zumindest länger geht’s nun bei der Baader Bank, denn diese dreht Anfang 2027 nochmals am Karussell der Tradingzeiten. Wie Vorstandschef Oliver Riedel bei den Baader Trading Days in München bekanntgegeben hat, wird der außerbörsliche Handel über „Baader Trading“ im Laufe des ersten Quartals 2027 auf 23 Stunden pro Handelstag ausgeweitet. Gehandelt werden kann dann von Montag bis Freitag jeweils von 00:00 bis 23:00 Uhr, bisher startete der Handel erst um 07:30 Uhr. Der im Oktober 2025 eingeführte Samstagshandel bleibt unverändert bestehen. Welche Banken und Broker das neue Angebot ihren Kundinnen und Kunden zugänglich machen, ist allerdings noch offen.

Die Handelszeiten im Überblick

HandelstagBisherAb Q1 2027
Montag bis Freitag07:30 bis 23:00 Uhr00:00 bis 23:00 Uhr
Samstag14:00 bis 19:00 Uhr14:00 bis 19:00 Uhr
Sonntag und Feiertagekein Handelkein Handel

Zum Start soll nur ein ausgewähltes Universum an in- und ausländischen Aktien sowie ETFs in den neuen Nachtstunden handelbar sein. Die Baader Bank spricht davon, damit als erster Handelsplatz vor allem europäische Aktien über die üblichen Börsenzeiten hinaus anzubieten. Genaue Details zum Starttermin des sogenannten „23-5“-Handels, zur Liste der handelbaren Wertpapiere, zu den Handelsusancen und zu den teilnehmenden Partnern will Baader erst zu einem späteren Zeitpunkt nennen.

Begründet wird der Schritt mit dem Wunsch vieler Anlegender, auch dann reagieren zu können, wenn Nachrichten aus anderen Zeitzonen eintreffen und die heimischen Börsen geschlossen sind. Hinter der Ankündigung steckt aber auch ein Wettbewerb um Handelsvolumen, vor allem mit Lang & Schwarz, das schon seit Jahren erweiterte Handelszeiten und Wochenendhandel anbietet.

Welche Broker sind dabei, und sind auch steuereinfache darunter?

Das ist derzeit die große Unbekannte. Nur weil Baader Trading längere Handelszeiten anbietet, heißt das nicht automatisch, dass jeder Broker, der Baader als Handelsplatz anbindet, diese Zeiten auch freischaltet. Ein Blick auf den Samstagshandel stimmt eher vorsichtig: Dieser wird über Baader Trading bislang von Smartbroker+, finanzen.net zero und Traders Place angeboten, allesamt deutsche Broker, die für Österreich nicht steuereinfach sind. Die DADAT Bank, so deren CEO Ernst Huber auf LinkedIn, wird von Anbeginn mit dabei sein und den 23-Stunden-Handel anbieten.

Für österreichische Anlegerinnen und Anleger ist das relevant: Wer über einen nicht steuereinfachen Broker handelt, muss Kursgewinne, Verluste und Ausschüttungen selbst in der Einkommensteuererklärung angeben. Gerade für jene, die häufiger und auch außerhalb der üblichen Zeiten handeln, bedeutet das zusätzlichen Aufwand. Man darf also gespannt sein, ob 2027 auch ein steuereinfacher Anbieter mit an Bord ist.

Braucht man das wirklich?

Für den klassischen ETF-Sparplan oder die langfristige Buy-and-Hold-Strategie lautet die ehrliche Antwort: nein. Ob ein Weltportfolio um 10 Uhr vormittags oder um 3 Uhr früh gekauft wird, spielt über 20 Jahre keine Rolle, ein schlechter Kurs in der Nacht aber sehr wohl.

Etwas differenzierter fällt die Bewertung bei einzelnen Wertpapiergruppen aus. Bei asiatischen Aktien kann das neue Nachtfenster tatsächlich Sinn ergeben, denn die Börsen in Tokio und Hongkong haben genau dann geöffnet, wenn in Mitteleuropa geschlafen wird. Hier gibt es also eine offene Heimatbörse, an der sich die Kursstellung orientieren kann.

Das Problem: Spreads ohne Referenzbörse

Anders sieht es bei europäischen Einzelaktien aus, und genau diese stellt Baader in den Mittelpunkt. Wer um 3 Uhr früh Aktien der Österreichischen Post, der Voestalpine oder eines deutschen Nebenwerts handeln will, hat keine geöffnete Heimatbörse als Referenz und der Market Maker kaum Absicherungsmöglichkeiten. Er wird sich daher bei der Preisstellung auf die sichere Seite legen, was sich in deutlich breiteren Spannen zwischen Kauf- und Verkaufskurs niederschlägt. Erfahrungen aus dem Samstagshandel zeigen bereits, dass die Spreads außerhalb der regulären Börsenzeiten spürbar höher ausfallen können.

Dazu kommt ein verhaltensökonomischer Aspekt: Mehr Handelszeit verleitet zu mehr Handel. Studien zum Anlageverhalten von Privatanlegenden zeigen seit Jahren, dass häufiges Umschichten im Schnitt eher Rendite kostet als bringt.

Fazit

Die Ausweitung auf 23 Stunden ist in erster Linie ein Wettbewerbsschritt im Rennen der außerbörslichen Handelsplätze um Ordervolumen. Echten Mehrwert bietet sie vor allem aktiven Tradenden, die auf Nachrichten aus Asien oder den USA reagieren wollen, und dort am ehesten bei asiatischen Werten und großen Index-Produkten. Für langfristig orientierte Anlegerinnen und Anleger ändert sich nichts, ihnen ist mit niedrigen Spreads während der regulären Börsenzeiten mehr geholfen. Von den steuereinfachen Brokern ist bisher gesichert, dass die DADAT Bank von Anbeginn an dabei sein wird. Ob auch andere österreichische und vor allem steuereinfache Broker das Angebot übernehmen, wird sich erst zeigen. Broker-Test.at wird darüber berichten. Es wird aber sicherlich noch bis zum Q1 2027 dauern, wenn nicht sogar länger.

Einen Überblick über alle Broker, die bereits heute am Wochenende handeln lassen, gibt es in unserem Artikel zum Wochenendhandel bei Brokern.

Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar. Der Handel mit Wertpapieren ist mit Risiken verbunden, bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals. Außerhalb der regulären Börsenzeiten können erhöhte Spreads und eingeschränkte Liquidität zu ungünstigeren Ausführungskursen führen.

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