Da schau einer an, im Wettbewerb der Portfolio Tracker versucht sicht getquin mit einer eigenen Finanzberatung von Parqet, Portfolio Performance, Finanzfluss Copilot & Co abzuheben. getquin startet nämlich mit getquin Advisory einen neuen Geschäftsbereich, der über das reine Portfolio Tracking hinausgeht. Statt einer App zur Depotübersicht bietet das Unternehmen jetzt persönliche Finanzberatung durch echte Beraterinnen und Berater an, mit einem Festpreis von 499 Euro für zwölf Monate. Das wirft die Frage auf, wie sich das Angebot gegenüber bestehenden Alternativen positioniert und für wen es tatsächlich sinnvoll ist.
So sieht getquin als Portfolio Tracker aus:
Was getquin Advisory konkret anbietet
Kunden bekommen eine mehrstündige Erstanalyse ihrer gesamten finanziellen Situation, nicht nur des Wertpapierdepots. Daraus entsteht eine individuelle Anlagestrategie, die anhand von 10.000 Zukunftsszenarien auf ihre Robustheit geprüft wird. Dazu kommen laufende Betreuung per Mail und Videocall, eine fortlaufende Portfoliobeobachtung und Empfehlungen ohne Produktprovisionen. Das Depot bleibt beim bisherigen Broker, es findet also kein Depotübertrag statt. Für die ersten 30 Tage gibt es eine Geld zurück Garantie.
getquin fasst den Leistungsumfang wie folgt zusammen:
- eine vollständige Analyse der finanziellen Situation
- eine strukturierte Planung der finanziellen Ziele
- eine konkrete Vermögens- und Anlagestrategie
- eine Simulation der Zielerreichung
- klare Empfehlungen zur Optimierung des Portfolios
- persönliche Unterstützung bei zukünftigen finanziellen Entscheidungen
- eine laufende Überwachung des Portfolios
- unbegrenzten Zugang zu den getquin Finanzberatern per Email und Videocall
Vergleich zu Parqet und Finanzfluss Copilot
Der naheliegende Vergleich mit Parqet und Finanzfluss Copilot greift nur teilweise, weil beide Anbieter etwas anderes tun. Parqet und Finanzfluss Copilot sind reine Tracking und Analyse Tools. Sie verbinden Depots und Konten automatisch, zeigen Performance, Verteilung nach Anlageklassen oder Ländern und teils Steuer Auswertungen. Eine echte persönliche Beratung durch einen Menschen ist bei beiden nicht Teil des Angebots, die Auswertung bleibt automatisiert und der Nutzer zieht seine Schlüsse selbst. Ob die Finanzberatung auch bei Parqet oder Finanzfluss der nächste Schritt in der Angebotserweiterung ist? Speziell Finanzfluss ist in der Kommerzialisierung ihres Angebots gut unterwegs.
Was kostet getquin im Vergleich zu Parqet oder Finanzfluss Copilot?
Preislich bewegen sich beide deutlich unter getquin Advisory. Parqet bietet eine kostenlose Basisversion und ein Plus Abo für etwa 12 Euro im Monat beziehungsweise rund 100 Euro im Jahr, Finanzfluss Copilot verlangt für die Plus Version etwa 9 Euro im Monat bzw. 70 Euro im Jahr. Bei getquin sind es für das Portfolio Tracking 10 Euro im Monat bzw. knapp 60 Euro über das Jahr. Zusätzlich würde der Advisory Teil dann nochmals 499 Euro zu Buche schlagen für die ersten 12 Monate. Parqet als auch der Finanzfluss Copilot richten sich beide also an ein sehr breites Publikum, das seine Zahlen im Blick behalten will, aber keine individuelle Handlungsempfehlung erhält.
Portfolio Performance ist ein kostenfreies Open Source Werkzeug zum Portfolio Tracking. Nicht so schick wie die Webanwendungen, dafür aber ein sehr mächtiges Werkzeug das langfristig viel Freude macht, wenn einmal alle Daten eingepflegt sind.
| Anbieter | Kern | Preis | Menschliche Beratung |
|---|---|---|---|
| Parqet | Portfolio Tracking | kostenfreie Basisversion 11,99 Euro pro Monat bzw. 99,99 Euro im Jahr | nein |
| Finanzfluss Copilot | Portfolio Tracking und Budgetierung | kostenfreie Basisversion 8,99 Euro pro Monat bzw. 69,99 Euro im Jahr | nein |
| getquin | Portfolio Tracking sowie Finanzplanung und laufende Betreuung über Advisory | kostenfreie Basisversion 9,99 Euro pro Monat bzw. 58,49 Euro im Jahr | ja ab 499 € im Jahr |
| Portfolio Performance | Portfolio Tracking | Kostenfrei, Open Source | nein |
getquin selbst bot bislang ebenfalls in erster Linie eine Tracking App mit Community Funktionen an, ähnlich wie Parqet. Advisory ist also kein Ersatz dafür, sondern ein zusätzliches, kostenpflichtiges Produkt obendrauf, das auf die bestehende Nutzerbasis aufsetzt.
Vergleich zu klassischer Bankberatung
Der eigentliche Bezugspunkt ist weniger Parqet als die klassische Anlageberatung bei Banken. Dort ist die Erstberatung meist kostenlos, finanziert sich aber über Ausgabeaufschläge und Bestandsprovisionen der empfohlenen Fonds, die typischerweise laufend anfallen und selten transparent kommuniziert werden. Wer stattdessen unabhängige Honorarberatung sucht, zahlt in Österreich und Deutschland üblicherweise zwischen 150 und 250 Euro pro Stunde oder eine laufende Gebühr von 0,5 bis 1,5 Prozent des verwalteten Vermögens pro Jahr.
Bei einem Depotwert von beispielsweise 150.000 Euro würde eine prozentuale Gebühr von 1 Prozent bereits 1.500 Euro im Jahr kosten, deutlich mehr als der Festpreis von getquin Advisory. Bei kleineren Vermögen kehrt sich das Verhältnis um, dort wäre der Festpreis relativ teuer gemessen am verwalteten Betrag. Das Modell lohnt sich rechnerisch also vor allem ab einer gewissen Vermögensgröße, während klassische Honorarberatung bei sehr kleinen Depots günstiger sein kann.
Wer ist die Zielgruppe
Das Angebot richtet sich in erster Linie an selbstständige, finanziell informierte Anlegende, die bereits ein gewisses Vermögen aufgebaut haben, ihr Depot aber selbst verwalten möchten und keine Vermögensverwaltung wollen, bei der ein Anbieter Entscheidungen für sie trifft. Typischerweise sind das Personen, die schon getquin, Parqet oder ähnliche Tools nutzen, sich mit ETFs und Portfoliostruktur beschäftigen, aber an einem bestimmten Punkt eine zweite Meinung, eine strukturierte Zielplanung oder Unterstützung bei komplexeren Themen wie Erbschaft, Immobilienkauf oder Ruhestandsplanung suchen. Für absolute Einsteiger mit kleinem Depot dürfte der Festpreis relativ zum Depotwert wenig attraktiv sein, für sie sind kostenlose oder günstige Tracking Tools und Finanzbildung der naheliegendere erste Schritt.
Einschätzung
Die Positionierung ist nachvollziehbar gewählt. getquin adressiert eine Lücke zwischen kostenloser, aber provisionsgetriebener Bankberatung auf der einen und reinen Tracking Tools ohne jede persönliche Einordnung auf der anderen Seite. Der Festpreis mit dem Startpreis von 499 Euro wirkt im Vergleich zu prozentualen Honorarmodellen bei mittleren bis größeren Vermögen attraktiv, und der Verzicht auf Produktprovisionen sowie der fehlende Zwang zum Depotübertrag senken die Einstiegshürde deutlich.
Offen bleibt, wie tragfähig das Modell bei einer breiteren Kundenzahl ist. Mehrstündige persönliche Erstanalysen plus laufende Betreuung sind personalintensiv, und der Einführungspreis mit begrenzter Platzzahl deutet darauf hin, dass die tatsächlichen Kosten pro Kunde aktuell höher liegen als der Preis von 499 Euro. Ob dieser Preis nach der Startphase stabil bleibt oder angehoben wird, ist eine berechtigte Frage. Für die anvisierte Zielgruppe, informierte Selbstentscheidende mit spürbarem Vermögen und punktuellem Beratungsbedarf, ist das Angebot aber grundsätzlich interessant, insbesondere weil es die Kontrolle über das eigene Depot vollständig bei den Kundschaften belässt.
Mehr
- direkt zu getquin
- Mehr über getquin
- Mehr über Portfolio Verwaltungssoftware