Jetzt ist es offiziell. Die Erste Asset Management hat am 15. Juli 2026 ihre ersten beiden hauseigenen ETFs aufgelegt, den
- ERSTE ETF GLOBAL EQUITIES UCITS ETF und den
- ERSTE ETF US EQUITIES UCITS ETF.
Damit legt erstmals eine österreichische Fondsgesellschaft eigene börsengehandelte Indexfonds auf, wie auch Fondsprofessionell berichtet. Ab 16. Juli 2026 sind beide Produkte im XETRA-Handel der Deutschen Börse handelbar, ab 22. Juli auch über die Filialen der Erste Bank und Sparkassen. Über die Pläne der Erste Group habe ich bereits Anfang Mai berichtet, damals waren weder ISINs noch Kosten bekannt: Erste Group: Start von 2 eigenen ETFs Erste ETF Global Equities und Erste ETF US Equities. Nun liegen alle Eckdaten auf dem Tisch.
Aktuell gibt es für die beiden ETFs noch keinen Eintrag auf der OeKB, dass sie Meldefonds seien, aber wir dürfen wohl fix davon ausgehen, dass dies bald passieren wird. Es wäre dann doch eine mehr als große Überraschung, wenn die beiden ersten österreichischen ETFs keine Meldefonds werden.
Die wichtigsten Punkte im Überblick
- Zwei neue ETFs: global (250 Titel aus Industrieländern) und USA (rund 250 US-Titel)
- Gesamtkostenquote (TER) jeweils 0,25 Prozent p.a.
- Beide thesaurierend, Fondsdomizil Irland, Einstufung nach Artikel 8 der EU-Offenlegungsverordnung
- Nachbildung eigens entwickelter Solactive-Indizes mit Basis-Nachhaltigkeitskriterien der Erste AM
- Handelbar ab 16. Juli 2026 auf Xetra, ab 22. Juli auch in den Filialen der Erste Bank und Sparkassen
Was steckt in den beiden ETFs?
Der ERSTE ETF GLOBAL EQUITIES UCITS ETF bildet den Solactive DM Large Cap 250 Base EUR Index NTR nach. Enthalten sind die 250 größten, liquiden Unternehmen aus entwickelten Märkten, also Aktien aus den USA, Europa, Japan und weiteren Regionen. Die Erste AM positioniert den Fonds als globalen Core-Baustein für das Portfolio.
Der ERSTE ETF US EQUITIES UCITS ETF investiert in rund 250 große Unternehmen mit Sitz oder Geschäftstätigkeit in den USA und bildet den Solactive USA Large Cap 250 Base USD Index NTR nach. Schwerpunkte liegen aktuell in Sektoren wie Informationstechnologie, Finanzwesen, Gesundheit, Kommunikationsdienstleistungen und Industrie.
Beide Fonds verfolgen eine passive Veranlagungspolitik. In die Indexkonstruktion fließen Basis-Nachhaltigkeitskriterien nach dem ESG-Ansatz der Erste AM ein, investiert wird also nur in Unternehmen, die diesen Kriterien entsprechen. Beide ETFs sind nach Artikel 8 der EU-Offenlegungsverordnung eingestuft.
Bemerkenswert im Vergleich zu klassischen Welt-ETFs: Mit 250 Titeln ist der globale Erste ETF deutlich konzentrierter als etwa ein MSCI World ETF mit rund 1.300 Positionen. Für die Marktabdeckung der großen Unternehmen reicht das, wer eine möglichst breite Streuung inklusive Mid Caps sucht, bekommt hier weniger.
Eckdaten der beiden ETFs
| ERSTE ETF GLOBAL EQUITIES | ERSTE ETF US EQUITIES | |
|---|---|---|
| ISIN | IE000GVBJMO6 | IE000UKN7GP4 |
| Meldefonds | noch kein OeKB Eintrag | noch kein OeKB Eintrag |
| Index | Solactive DM Large Cap 250 Base EUR Index NTR | Solactive USA Large Cap 250 Base USD Index NTR |
| Anzahl Titel | 250 | rund 250 |
| Fondswährung | EUR | USD |
| Gewinnverwendung | thesaurierend | thesaurierend |
| TER | 0,25 % p.a. | 0,25 % p.a. |
| Ausgabeaufschlag | 0,00 % | 0,00 % |
| Offenlegungsverordnung | Artikel 8 | Artikel 8 |
| Risikoindikator lt. BIB | 4 | 4 |
| Empfohlene Mindesthaltedauer | mind. 6 Jahre | mind. 6 Jahre |
| Fondsdomizil | Irland | Irland |
| Verwaltungsgesellschaft | Carne Global Fund Managers (Ireland) | Carne Global Fund Managers (Ireland) |
Irland als Domizil und die Rolle von Carne
Wie schon im Mai vermutet, setzt die Erste AM auf Irland als Fondsdomizil. Das ist bei ETFs mit US-Aktien kein Zufall, irische Fonds profitieren beim Quellensteuerabzug auf US-Dividenden von einem günstigeren Satz als etwa Fonds aus Luxemburg. Als Verwaltungsgesellschaft (ManCo) fungiert Carne Global Fund Managers (Ireland) Limited, nach eigenen Angaben Europas größte unabhängige externe Fondsverwaltungsgesellschaft mit einem betreuten Vermögen von über 1 Billion US-Dollar. Die Erste Asset Management selbst agiert als Investment Manager und bringt ihre Anlage- und ESG-Expertise ein. Der rechtliche Rahmen ist ein irischer Umbrella-Fonds (ETF-Platform ICAV). Für Anleger heißt das: Auf dem Fondsdokument steht formal Carne, das Management der Strategie liegt bei der Erste AM.
Kosten und Handel
Die Gesamtkostenquote von 0,25 Prozent p.a. ist für ETFs mit Nachhaltigkeitsfilter in Ordnung, im Vergleich zu den günstigsten Welt-ETFs am Markt (teils unter 0,15 Prozent p.a.) aber kein Kampfpreis. Laufende Transaktionskosten innerhalb des Fonds sind in der TER nicht enthalten.
Gehandelt werden beide ETFs ab 16. Juli 2026 über Xetra so die Erste AM. Damit sind sie grundsätzlich über jeden Broker mit Xetra-Anbindung kauf- und verkaufbar, nicht nur über die Erste Bank. Wann die gängigen Online Broker wie Trade Republic, Flatex, DADAT Bank, easybank, etc. die beiden ISINs aufnehmen wird? Meist dauert es ein paar Tage. Ab 22. Juli werden die Produkte zusätzlich in den Filialen der Erste Bank und Sparkassen beraten und verkauft.
Wer die ETFs über das SelfInvest Depot der Erste Bank bespart, sollte die Konditionen im Blick behalten: Beim ETF-Sparplan fallen Ausführungsgebühren von 1,00 Euro Prozent an, dazu kommt eine jährliche Depotgebühr von über 0,2 Prozent p.a. – die ersten 50.000 Euro an Depotwert sind jedoch ohne Depotgebühr. Details dazu gibt es in der Übersicht zum Erste Bank ETF-Sparplan. Ob und wann die beiden hauseigenen ETFs in das Sparplan-Angebot mit rund 200 ETFs aufgenommen werden, ist noch offen, es wäre allerdings eine Überraschung, wenn nicht.
Einordnung für Privatanlegende
Für den österreichischen Markt ist der Schritt durchaus historisch, erstmals legt die größte Bank des Landes eigene ETFs auf. Strategisch ist das nachvollziehbar: ETFs liefern stabile, wiederkehrende Erträge über Verwaltungsgebühren, und über das Vertriebsnetz der Erste Group mit ihren mehr als 23 Millionen Kundinnen und Kunden in Zentral- und Osteuropa lassen sich die Produkte rasch skalieren.
Aus Anlegersicht sind die beiden ETFs solide Basisprodukte mit fairen, aber nicht rekordverdächtigen Kosten. Wer bereits einen breiten Welt-ETF im Depot hat, findet hier inhaltlich wenig Neues. Interessant sind die Produkte vor allem für Kundinnen und Kunden der Erste Bank und Sparkassen, die künftig ein hauseigenes ETF-Angebot mit Beratung in der Filiale bekommen, sowie für alle, die gezielt einen Nachhaltigkeitsfilter nach Artikel 8 suchen.
Hinweis: Eine Veranlagung in Wertpapiere birgt neben Chancen auch Risiken. Die Wertentwicklung der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung zu.
Laut Homepage der Erste Bank fallen aber neuerdings bis 50 TEUR keine Depotgebühren an und für Sparpläne nur 1€/Abwicklung…
Somit mittlerweile durchaus günstiger geworden.
https://www.sparkasse.at/erstebank/privatkunden/sparen-anlegen/anlegen-investieren/wertpapier-services/unsere-leistungen/selfinvest
Mah danke, eigentlich hätte ich es abgespeichert haben müssen in meinem Hinterkopf.
Siehe Anfang Mai 2026:
https://www.broker-test.at/news/erste-bank-streicht-depotgebuehr/