2020 startete die bank99 in Österreich, danach wurde das Geschäft der ING Österreich übernommen und damit auch deren Fondsdepot. Jetzt endlich nach über sechs Jahren im Markt gibt es ein „richtiges“ Wertpapierdepot mit Aktien, ETFs und das auch als Sparplan. Das steuereinfache „depot99“ ist das neue Produkt der bank99.
Bestandskundschaften können ihr bestehendes Depot im Onlinebanking auf das neue Modell umstellen, die Konditionen für Fonds bleiben dabei unverändert. Neukundschaften eröffnen das depot99 direkt online, dazu wird auch ein separates Verrechnungskonto eröffnet.

Konditionen und Gebühren
Die Depotführung für Fonds bleibt kostenlos. Für alle anderen Wertpapiere, also auch ETFs, verrechnet die bank99 eine Depotgebühr von 0,144 Prozent p.a. vom Kurswert des Depots plus 14,26 Euro Fixbetrag p.a., die Umsatzsteuer ist hier bereits berücksichtigt. Die Verrechnung erfolgt monatlich (0,012 Prozent plus 1,188 Euro pro Monat), die Berechnung zeitanteilig nach Behaltedauer auf Basis des Schlusskurses am Monatsultimo. Bei einem Depotwert von 10.000 Euro in ETFs oder Aktien ergibt das rund 28,66 Euro pro Jahr inklusive USt, bei 100.000 Euro bereits rund 158 Euro p.a.
Damit reiht sich das depot99 im Vergleich hinter den Anbietern Trade Republic, Flatex, DADAT Bank, Bank Direkt, easybank oder BKS Bank mit ihrem Online Depot ein. Es ist hier auf einer Ebene wie die BAWAG mit ihrem Online Depot.
| Position | Kondition |
|---|---|
| Depotführung Fonds | kostenlos |
| Depotführung Aktien, ETFs, Anleihen | 0,144 % p.a. + 14,26 € p.a. (monatliche Verrechnung) |
| Kauf/Verkauf Fonds (ohne ETF) | 1,49% vom Kurswert |
| Kauf/Verkauf Aktien, ETFs | 3,99 € + 0,24% vom Kurswert plus Fremdspesen je nach Handelsplatz |
| Sparplan (Kauf) | 0,99% vom Kurswert |
| Sparplan Mindestrate | 30 € monatlich |
| Depotübertrag Eingang | kostenlos (evtl. Spesen Dritter) |
| Depotübertrag Ausgang | 30 € pro ISIN + Spesen Dritter |
| Depotübertrag intern | 6 € pro ISIN |
| Habenzinsen Verrechnungskonto | 0,00% p.a. |
| Sollzinsen Verrechnungskonto | 9,99% p.a. |
| Devisengebühr | Keine angeführt, vermutlich „nur“ Spread zwischen bank99 Brief- und Geldkurs |
| Dividendengebühr | Keine angeführt |
Die Mindestanlage bei Einmalkäufen beträgt für Fonds (ohne ETFs) 1.000 Euro, sonstige Wertpapiere können nur in ganzen Stücken gekauft werden. Eine Telefonorder ist beim depot99 nicht mehr vorgesehen, das alte Depotmodell hatte diese Option noch um 15 Euro angeboten. Beratung gibt es in beiden Varianten nicht.
Ordergebühren und vier Handelsplätze
Die Ordergebühren liegen bei der bank99 bei 3,99 Euro fix plus 0,24 % vom Transaktionswert, eine Order muss mindestens einen Wert von 1.000 Euro haben. Hinzu kommen jedoch noch die Fremdspesen. Dazu gibt es bei der bank99 keine näheren Angaben. Beim eigens durchgeführten Experiment zeigte sich im Ex-Ante-Kostenausweis, dass die Fremdspesen sich anscheinend wie folgt gestalten, aber Achtung, kein Anspruch auf Richtigkeit und daher ohne Gewähr:
- Wiener Börse: 0 Euro Fremdspesen
- Xetra: 6 Euro Fremdspesen
- NASDAQ/NYSE: 10 Euro Fremdspesen
Daher ergeben sich vermutlich die folgenden Gesamtkosten für die jeweilige Orderhöhe:
| Ordergegenwert | Gesamtkosten Wien | Gesamtkosten Xetra | Gesamtkosten US-Börsen |
| 1.000,00 € | 6,39 € | 12,39 € | 16,39 € |
| 2.000,00 € | 8,79 € | 14,79 € | 18,79 € |
| 3.000,00 € | 11,19 € | 17,19 € | 21,19 € |
| 4.000,00 € | 13,59 € | 19,59 € | 23,59 € |
| 5.000,00 € | 15,99 € | 21,99 € | 25,99 € |
| 6.000,00 € | 18,39 € | 24,39 € | 28,39 € |
| 7.000,00 € | 20,79 € | 26,79 € | 30,79 € |
| 8.000,00 € | 23,19 € | 29,19 € | 33,19 € |
| 9.000,00 € | 25,59 € | 31,59 € | 35,59 € |
| 10.000,00 € | 27,99 € | 33,99 € | 37,99 € |
Sparpläne ab 30 Euro mit Bruchstücken
Wertpapiersparpläne sind ab 30 Euro monatlich möglich, die Ausführung erfolgt fix am 15. des Monats beziehungsweise am darauffolgenden Geschäftstag. Das kennen wir bereits von der DADAT Bank. Das Transaktionsentgelt beträgt 0,99 Prozent vom Kurswert. Beim Verkauf fallen für Fonds 1,49 Prozent an, für Aktien und ETFs 3,99 Euro plus 0,24 Prozent und natürlich die Fremdspesen des jeweiligen Handelsplatzes.
Drei Details verdienen Beachtung.
- Erstens: Ist am Stichtag keine Deckung am Verrechnungskonto vorhanden, entfällt die Ausführung im betroffenen Monat ersatzlos, der Betrag wird beim nächsten Termin nicht nachgeholt.
- Zweitens: Bruchstücke von Aktien und ETFs können nicht auf ein fremdes Depot übertragen werden, hier ist ein Übertrag nur in ganzen Stücken zulässig. Das ist bei anderen Brokern aber auch so. Lediglich beim Scalable Capital internen Depotübertrag war es ausnahmsweise einmal anders. Lediglich bei klassischen Fondsanteilen sind auch Bruchstücke übertragbar.
- Drittes: Der Wertpapiersparplan beginnt normalerweise am 15. des Monats bzw. am darauffolgenden Bankwerktag, wenn er bis zum 9. erfasst wird. Ansonsten startet er im nächsten Monat
Das Sparplan Angebot im Überblick
Das handelbare Universum ist überschaubar und kuratiert. Zur Verfügung stehen 49 Aktien, 36 ETFs, 4 ETCs bzw. ETNs sowie 169 aktiv gemanagte Fonds. Bei den Aktien finden sich neben den großen US-Titeln (Apple, Microsoft, NVIDIA, Amazon, Alphabet, Meta, Tesla, Berkshire Hathaway) auch elf österreichische Werte, darunter Erste Group, OMV, Verbund, Voestalpine, BAWAG und die Österreichische Post. Bemerkenswert: Auch SpaceX ist nach dem Börsengang in der Liste enthalten.
Bei den ETFs deckt die Auswahl die wichtigsten Standardindizes ab, darunter der iShares Core MSCI World, der Vanguard FTSE All-World, der iShares Core S&P 500 sowie ATX, DAX und EURO STOXX 50. Ergänzt wird das Angebot um Gold (Invesco Physical Gold ETC) und mehrere Krypto-ETPs von 21Shares, Bitwise und WisdomTree, darunter Bitcoin, Ethereum, Solana und XRP.
W-8BEN muss selbst ausgefüllt werden
Ein für österreichische Verhältnisse ungewöhnlicher Punkt betrifft US-Wertpapiere: Damit der reduzierte Quellensteuersatz von 15 Prozent auf US-Dividenden zur Anwendung kommt, müssen Kundinnen und Kunden bei der bank99 das W-8BEN-Formular selbst ausfüllen. Die bank99 agiert offenbar nicht als Qualified Intermediary gegenüber der US-Steuerbehörde, wie es bei nahezu allen anderen in Österreich tätigen Brokern der Fall ist. Dort läuft die Quellensteuerreduktion automatisch im Hintergrund. Eine vergleichbare Konstellation gibt es sonst nur noch bei Bitpanda (aber die arbeiten angeblich daran). Wer das Formular nicht ausfüllt, zahlt auf US-Dividenden die volle Quellensteuer von 30 Prozent, wovon nur 15 Prozentpunkte auf die österreichische KESt anrechenbar sind.
Verrechnungskonto ohne Zahlungsfunktion
Das depot99 wird mit einem eigenen Depot-Verrechnungskonto geführt, das ausschließlich der Abwicklung von Wertpapiergeschäften dient. Ein- und Auszahlungen sind nur über das hinterlegte Referenzkonto möglich, eine Debitkarte gibt es nicht, Habenzinsen ebenfalls nicht. Rutscht das Konto durch Wertpapierkäufe ausnahmsweise ins Minus, fallen 9,99 Prozent Sollzinsen p.a. an. Das depot99 ist steuereinfach, die KESt gemäß § 27a EStG wird beim Verkauf oder sonstigen Erträgen wie Dividenden oder Ausschüttungen automatisch abgezogen.
Aktion zum Start
Natürlich gibt es auch auch Zuckerl zum Start des neuen depot99. Wer jetzt Neukundschaft wird oder sein bestehendes Fondsdepot in das neue depot99 umwandelt, der bezahlt bis Ende des Jahres 2026 keine Depotgebühr. Wer auch noch sein Depot zur bank99 überträgt, der erhält für diesen Übertrag Cashback in der Höhe von 1 % des übertragenen Depotwerts bis maximal 500 Euro.
Einordnung
Mit dem steuereinfachen depot99 schließt die bank99 eine Lücke im eigenen Produktangebot und richtet sich an Kundinnen und Kunden, die ihr Wertpapiergeschäft bei der Hausbank abwickeln wollen. Angesprochen werden Selbstentscheidende. Eine Beratungsleistung gibt es keine.
Im Vergleich zu spezialisierten Online-Brokern ist das Angebot allerdings in mehrfacher Hinsicht limitiert bzw. nicht allzu günstig. Die Depotgebühren sind im günstigen aber nicht Top-Bereich zu finden. Während Flatex, DADAT oder auch Trade Republic gänzlich darauf verzichten, sind Anbieter wie easybank, Bank Direkt aber auch die BKS Bank mit dem Online Depot günstiger. Bei den Ordergebühren – soweit bekannt – ist die bank99 günstig, aber auch nicht top. Die Gebühren für Sparpläne? Mit 0,99 % für kleinere Beträge okay, aber wer einen monatlichen Sparplan von 500 Euro hat, der bezahlt fast 5 Euro an Sparplangebühr.
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