Mit Ende Juni 2026 geht auch für Trade Republic eine Ära zu Ende. Das Payment-for-Orderflow gilt nun auch in Deutschland und das Erlösmodell von den Neobrokern kam mit diesem Verbot ordentlich ins Wanken. Je nach (Neo)Broker fand man jetzt aber seine Möglichkeit doch noch ganz gut auch nach dem 1.7.2026 zu leben. Der Platzhirsch Trade Republic hält sich allerdings schon sehr lange bedeckt, wie sie es machen werden, Finanz-Szene.de hat aber etwas interessantes herausgefunden und titelte heute:

Finanz-Szene.de berichtet, dass sie die Transaktionsdaten der Lang & Schwarz Exchange verfolgt haben und hier zuletzt eine ungewöhnliche Entwicklung beobachteten. In der Kalenderwoche 24 wurden dort im Schnitt nur noch rund 284.000 Trades pro Handelstag abgewickelt, obwohl an den Märkten einiges los war. Zum Vergleich: In der Vorwoche waren es noch 370.000 Transaktionen, der Jahresschnitt liegt bei rund 400.000 Orders täglich.
Der Rückgang hat offenbar keine strukturelle Ursache im Kerngeschäft von Trade Republic, sondern deutet auf einen gezielten Umbau der Handelsinfrastruktur hin, mit direkten Konsequenzen für den langjährigen Partner Lang & Schwarz. Anscheinend tritt Trade Republic nun häufiger selbst in den Handel ein, die Lizenz als systemischer Internalisierer gibt es bereits lange und wurde zum Teil auch schon genutzt. Jetzt anscheinend noch viel intensiver. Die Orderströme dürften somit nun sehr viel öfters direkt bei Trade Republic landen, die wiederum über außerbörslichen Handel diese Wertpapierströme leiten. An Börsen oder elektronischen Handelsplätzen dürften diese Orderströme also nicht direkt landen. Genaueres ist noch unbekannt und ungesichert, auf jeden Fall wird es spannend, wenn sich Trade Republic dazu öffentlich äußert.
Hintergrund: Was ist PFOF?
Beim Payment for Order Flow zahlte ein Handelsplatz wie die LS Exchange dem Broker eine Prämie dafür, dass dieser den Kundenauftrag exklusiv dorthin leitete. Ab Sommer 2026 ist dieses Modell EU-weit verboten. Nach eigenen Angaben machen PFOF-Einnahmen bei Trade Republic weniger als 30 Prozent der Gesamterträge aus, bleiben aber eine wichtige Einnahmequelle.
Wie Broker unterschiedlich auf PFOF reagieren
Der Markt hat fünf erkennbare Strategien entwickelt: eigene Handelsplätze aufbauen (Scalable Capital, Trade Republic), Gebühren erhöhen und intern verrechnen (Finanzen.net Zero), auf PFOF-Ersatz verzichten (Smartbroker), technische Durchleitungskosten verrechnen (Flatex) oder schlicht die Preise erhöhen – es ist jedoch bislang kein Broker bekannt, der dies getan hätte.
Trade Republic hat von der BaFin die Erlaubnis erhalten, ein eigenes multilaterales Handelssystem zu betreiben, und kann damit den Wertpapierhandel künftig selbst abwickeln. Aktuell läuft der Hauptteil der Orders noch über die LS Exchange. Die eigene MTF befindet sich im Aufbau. Branchenberichte deuten zudem auf eine mögliche Verlagerung von Orderflow-Strukturen nach Österreich hin, offizielle Bestätigung steht noch aus. Als frühes Signal gilt der Wechsel von Carsten Lütke-Bornefeld, langjährigem Head of Trading bei Lang & Schwarz, zu Trade Republic im April 2025. Aktiencheck
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