Die Wiener Krypto-Investment-Plattform Bitpanda hat ihre Geschäftszahlen für 2025 Anfang März veröffentlicht. Auf den ersten Blick wirken diese solide, doch bei genauerer Analyse zeigen sich deutliche Schwächen. Der bereinigte Umsatz stieg um 16 Prozent auf 371 Millionen Euro, gleichzeitig brach das operative EBITDA um 75 Prozent ein. Diese Kombination ist kein klassisches Wachstumsbild, sondern hinterlässt Fragezeichen bei den Interessierten. Ein Unternehmen, das in einem Boomjahr wächst, aber gleichzeitig seine Profitabilität verliert, steht operativ unter Druck, wo fließen die Gelder hin? Was kostet so viel? Sind die Ausgaben gut und vor allem nachhaltig eingesetzt?
EBITDA-Einbruch: Funktioniert Skalierung?
Besonders auffällig ist der massive Rückgang beim Ergebnis. Das bereinigte EBITDA fiel von 52 Millionen Euro im Jahr 2024 auf nur noch 13 Millionen Euro im Jahr 2025. Die EBITDA-Marge reduzierte sich von 16,2 Prozent auf 3,5 Prozent, ein Rückgang um 12,7 Prozentpunkte. Das bedeutet konkret: Ein Großteil des zusätzlichen Umsatzes wurde durch steigende Kosten aufgezehrt. Rund 78 Cent jedes zusätzlichen Euro Umsatz gingen nicht in den Gewinn, sondern in höhere Ausgaben.
Nutzerwachstum bringt weniger Ertrag
Bitpanda konnte die Nutzerbasis um 25 Prozent auf 7,4 Millionen steigern. Gleichzeitig wuchs der Umsatz jedoch nur um 16 Prozent. Diese Diskrepanz zeigt, dass neue Nutzerinnen und Nutzer deutlich weniger profitabel sind als bestehende. Das kann mehrere Ursachen haben. Entweder sind die Kosten für die Kundengewinnung deutlich gestiegen, oder die neuen Nutzer handeln weniger aktiv beziehungsweise zu niedrigeren Gebühren. Wahrscheinlich ist eine Kombination aus beiden Effekten.
In einem stark umkämpften Markt mit Anbietern wie Revolut, Trade Republic oder Kraken deutet das darauf hin, dass Bitpanda zunehmend über Preis oder Marketing wachsen muss, was langfristig die Margen belastet.
Geschäftsmodell unter Druck: Spreads als Schwachstelle
Ein zentraler Kritikpunkt bleibt das Gebührenmodell. Bitpanda verdient primär über Spreads und nicht über transparente Gebühren. Für Nutzerinnen und Nutzer ist das oft schwer nachvollziehbar und in vielen Fällen teurer.
In einem volatilen Marktumfeld wie 2025 sollten breite Spreads eigentlich zu höheren Einnahmen führen. Dass die Profitabilität dennoch einbricht, spricht dafür, dass entweder die Handelsaktivität hinter den Erwartungen bleibt oder Kundinnen und Kunden zu günstigeren Wettbewerbern abwandern. Damit gerät das Modell zunehmend unter Druck, da transparente Gebührenstrukturen im Markt immer stärker zum Standard werden.
Die neu eingeführten echten Aktien und ETFs können das Ruder wohl kaum herumreißen? Zu vergleichbar das Angebot mit anderen Anbietern, dazu kommt auch noch, dass das Angebot zu rudimentär ist. Viele gehen gleich zum Schmied (Trade Republic oder wenn Vollbroker dann DADAT Bank oder Flatex) und nicht zum Schmiedl.
Neue Produkte erhöhen die Kostenbasis
Parallel dazu hat Bitpanda sein Angebot deutlich ausgebaut. Margin Trading, eine Web3 Wallet und zusätzliche Staking-Angebote erweitern die Plattform funktional, erhöhen aber gleichzeitig die Komplexität. Diese Produkte sind technisch anspruchsvoll, regulatorisch sensibel und verursachen hohe laufende Kosten. Gerade Margin Trading erfordert umfangreiche Risikosysteme und permanentes Monitoring. Der Ausbau wirkt daher weniger wie eine Optimierung des Kerngeschäfts, sondern eher wie eine Ausweitung in neue Bereiche, ohne dass die bestehende Profitabilität gesichert ist.
Internationale Expansion als Risiko
Auch die internationale Expansion trägt zur Kostenentwicklung bei. Bitpanda ist in neue Märkte wie die VAE, LATAM und APAC eingetreten. Diese Regionen bieten langfristig Potenzial, verursachen kurzfristig jedoch hohe Investitionen. Lokale Regulierung, Compliance-Anforderungen und der Aufbau von Teams führen dazu, dass diese Expansionen zunächst keinen positiven Beitrag zum Ergebnis leisten. Der Return on Investment ist in der Regel erst nach mehreren Jahren sichtbar, wenn überhaupt.
Nutzerzahlen mit begrenzter Aussagekraft
Die kommunizierte Nutzerzahl von 7,4 Millionen wirkt auf den ersten Blick beeindruckend. Allerdings handelt es sich dabei um registrierte Nutzer. Aussagen zur tatsächlichen Aktivität fehlen. Branchenüblich ist, dass nur etwa 30 bis 40 Prozent der registrierten Nutzer regelmäßig aktiv sind. Daraus ergibt sich eine deutlich kleinere Gruppe tatsächlich zahlender Kundinnen und Kunden. Die Tatsache, dass das Nutzerwachstum deutlich über dem Umsatzwachstum liegt, bestätigt diese Einschätzung zusätzlich.
IPO 2026: Bewertung erscheint ambitioniert
Mit Blick auf den geplanten Börsengang im Jahr 2026 stellt sich die Frage nach der Bewertung. Bei einem Umsatz von 371 Millionen Euro ergibt sich bei einer angestrebten Bewertung von rund 4 bis 5 Milliarden Euro ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von etwa 12. Das ist grundsätzlich nicht außergewöhnlich für Fintech-Unternehmen, setzt jedoch stabile oder steigende Margen voraus. Bei einer EBITDA-Marge von nur 3,5 Prozent wirkt diese Bewertung ambitioniert. Sollte sich die Profitabilität nicht rasch verbessern, dürfte die Bewertung für das IPO interessant werden
Schwäche im eigentlich idealen Marktumfeld
Besonders kritisch ist der Blick auf das Marktumfeld. 2025 war ein starkes Jahr für Kryptowährungen. Bitcoin und andere Assets verzeichneten deutliche Kursgewinne, und die Handelsaktivität war entsprechend hoch. In einem solchen Umfeld sollten Kryptoplattformen überproportional profitieren. Dass Bitpanda trotz dieser Rahmenbedingungen nur moderat wächst und gleichzeitig massiv an Profitabilität verliert, ist ein deutliches Warnsignal. 2026? Der Kryptowinter ist da und wohl gekommen um zu bleiben. Es darf angenommen werden, dass die Kryptounternehmen heuer alle deutlich weniger verdienen als noch 2025.
Ausblick: Unsicherheit bleibt hoch
Für 2026 ergeben sich mehrere mögliche Szenarien. Eine Stabilisierung der Margen wäre positiv, erscheint derzeit jedoch nicht gesichert. Ebenso ist unklar, ob das aktuelle Marktniveau bei Kryptowährungen bestehen bleibt. Sollte sich das Marktumfeld verschlechtern oder die Kosten weiter steigen, könnte sich die Ergebnislage weiter eintrüben. Auch der geplante Börsengang steht unter diesen Voraussetzungen unter Unsicherheit.
Fazit: Strukturelle Schwächen werden sichtbar
Die Geschäftszahlen 2025 zeigen kein gesundes Wachstum, sondern eine zunehmende Belastung des Geschäftsmodells. Die Kosten steigen schneller als die Einnahmen, während neue Nutzer weniger zur Profitabilität beitragen.
Gleichzeitig erhöhen neue Produkte und internationale Expansion die Komplexität und das Risiko.
Für Nutzerinnen und Nutzer bedeutet das, dass Bitpanda weiterhin eine relevante Plattform bleibt, jedoch nicht ohne Einschränkungen betrachtet werden sollte. Für potenzielle Investorinnen und Investoren ist vor allem entscheidend, ob es dem Unternehmen gelingt, die Profitabilität nachhaltig zu stabilisieren. Kommt tatsächlich ein IPO, so wird es spannend, zu welcher Bewertung und welche Zahlen Bitpanda hier vorlegen wird.