Jetzt ist es soweit, der Entwurf zum Zukunftsdepot geht in Begutachtung. Beim Zukunftsdepot geht es jetzt Schlag auf Schlag. Laut Bundeskanzleramt wird der Gesetzesentwurf heute, Freitag, in Begutachtung geschickt. Öffentlich gesehen hat ihn bisher kaum jemand, im RIS war er zu Mittag noch nicht zu finden. Der Zeitdruck ist groß: Das Gesetz soll möglichst noch heuer beschlossen werden, damit Banken und Broker bis zum geplanten Start am 1. Juli 2027 alles umsetzen können.
- Begutachtung startet heute, Beschluss im Parlament möglichst noch heuer
- Start am 1. Juli 2027, eine Verschiebung bis 1. Dezember 2027 soll möglich sein
- 500 Euro Startbonus für Kinder mit Geburt ab 1. Jänner 2027, aber nur unter Bedingungen
- Steuerfrei sind nach aktuellem Informationsstand vor allem die Kursgewinne, nicht die Dividenden
Warum es jetzt schnell gehen muss
Mit der Begutachtung beginnt der formale Teil. Ministerien, Interessenvertretungen, Banken und auch du kannst eine Stellungnahme abgeben. Danach folgen Regierungsvorlage, Finanzausschuss und Beschluss im Nationalrat. Für die Banken und Broker beginnt die eigentliche Arbeit erst dann: Sie müssen Depots einrichten, Meldungen an das Finanzamt technisch umsetzen und die Beratung organisieren. Dass das knapp werden könnte, scheint auch der Regierung bewusst zu sein. Nach aktuellem Informationsstand soll sie den Start per Verordnung bis 1. Dezember 2027 verschieben dürfen, falls die Technik noch nicht so weit ist.
Das wissen wir bisher
| Punkt | Stand |
|---|---|
| Start | 1. Juli 2027, Verschiebung bis 1. Dezember 2027 möglich |
| Startbonus | 500 Euro einmalig, für Kinder mit Geburt ab 1. Jänner 2027 |
| Bedingungen für den Bonus | Staatsbürgerschaft oder Gleichstellung, 15 Jahre rechtmäßiger Aufenthalt bis 18 |
| Einzahlung | bis 5.000 Euro pro Jahr, nur durch die Eltern bzw. gesetzlichen Vertreter |
| Steuer | Kursgewinne bis 18 steuerfrei, Dividenden und Zinsen KESt-pflichtig |
| Erlaubte Produkte | Fonds mit Risikoklasse 1 bis 5 und maximal 1 % laufenden Kosten p.a. oder Bundesschatz |
| Gebühren | keine Konto- und Depotgebühren bis 18 |
| Entnahme | ab dem 18. Geburtstag, vorher nur mit Zustimmung des Pflegschaftsgerichts |
| Ältere Kinder | Depot möglich, aber ohne Startbonus |
Zwei Punkte, die viele überraschen dürften
Erstens: Die Oma kann nicht einfach direkt einzahlen. Nach aktuellem Informationsstand dürfen nur die gesetzlichen Vertreter Geld auf das Zukunftsdepot überweisen, also in der Regel die Eltern. Wer zum Geburtstag oder zur Taufe etwas beisteuern will, muss das über die Eltern abwickeln. Bisher war in der Debatte oft von Einzahlungen der ganzen Familie die Rede.
Zweitens: „Steuerfrei“ heißt nicht komplett steuerfrei. Befreit sind die Kursgewinne. Auf den Ausschüttungsanteil eines ETF fallen weiterhin 27,5 % Steuer an auf die ordentlichen Erträge, auch wenn der Fonds thesauriert. Bei einem Welt-ETF macht das nicht die Welt aus, sollte dir aber bewusst sein, bevor du die Rechenbeispiele aus der Politik übernimmst.
Was das für Broker heißt
Für uns ist vor allem spannend, wer das Zukunftsdepot anbieten wird. Die Hausbanken werden wohl dabei sein, ob auch Onlinebroker und Neobroker mitmachen, ist offen. Die Vorgaben sind jedenfalls so gestaltet, dass eine digitale Umsetzung möglich ist: Statt eines Beratungsgesprächs reicht nach aktuellem Stand eine standardisierte Information mit Kontaktmöglichkeit für Rückfragen, und Eltern können auf das Gespräch auch verzichten. Ein Zukunftsdepot bei einem ausländischen Anbieter soll ebenfalls möglich sein, dann musst du die Meldungen an das Finanzamt allerdings selbst übernehmen. Pro Kind gibt es nur ein Zukunftsdepot, ein späterer Wechsel zu einem anderen Anbieter ist ohne steuerliche Nachteile vorgesehen. Das ist gut, denn Gebühren für Fondskäufe oder Sparpläne können trotzdem anfallen, und da wird es zwischen den Anbietern Unterschiede geben.
Offen ist auch, was mit bestehenden Kinderdepots passiert. Ob du vorhandene ETF-Anteile in ein Zukunftsdepot übertragen kannst, ist bisher nicht bekannt. Nach dem aktuellen Informationsstand sieht es eher so aus, als ob nur neue Einzahlungen begünstigt sind.
Die Rechnung der NEOS zum Weltspartag
Die NEOS haben den Weltspartag genutzt, um für das Zukunftsdepot zu werben. Kapitalmarktsprecher Christoph Pramhofer rechnet vor: 100 Euro im Monat über 18 Jahre in einen breit gestreuten ETF, dazu der Startbonus, ergeben bei 7 % Rendite rund 44.000 Euro. Beim Bausparer wären es rund 26.000 Euro. Wir haben nachgerechnet, die Größenordnung passt. Kosten und die KESt auf Dividenden sind darin aber nicht enthalten. Realistischer sind mit einem günstigen Welt-ETF eher 6,3 % nach Abzügen, dann bleiben rund 41.500 Euro. Und die 7 % sind eine Annahme, über 18 Jahre kann es auch deutlich weniger werden. Der Bausparer bringt in der Rechnung rund 1,7 % p.a., dafür ohne Kursrisiko.
Recht hat Pramhofer damit, dass auch kleine Beträge etwas bringen. Mit 20 Euro im Monat und dem Startbonus kämen bei 7 % nach 18 Jahren rund 10.400 Euro zusammen. Den Höchstbetrag von rund 417 Euro im Monat werden hingegen nur wenige Familien ausschöpfen können.
Meine Einschätzung
Gewartet hätten wir schon sehr lange auf diese Art der Vorsorge, aber leider nicht für die Altersvorsorge sondern für die lieben Kinder ist nun das Zukunftsdepot. Das Zukunftsdepot wird kein Selbstläufer, aber für viele Familien mit finanziellen Möglichkeiten eine gute Möglichkeit. Wenn du ohnehin für dein Kind in einen ETF investieren willst, sind die steuerfreien Kursgewinne bis 18 ein echter Vorteil. Wichtig ist, dass das Geld bis zum 18. Geburtstag gebunden ist und eine vorzeitige Entnahme nur in Ausnahmefällen möglich ist. Wichtig ist zu wissen, dass es immer das Geld des Kindes ist und das Kind zum 18. Geburtstag über das Depot verfügen kann, ohne Wenn und Aber.
Spannend wird, welche Stellungnahmen in der Begutachtung eingehen und ob sich bei den Bedingungen für den Startbonus oder beim Einzahlungsrecht für Verwandte noch etwas bewegt.
- Weitere Infos auf Zukunfts-Depot.at
Hinweis: Dieser Beitrag ist eine redaktionelle Information und keine Anlageberatung. Wertpapiere bergen Risiken, einschließlich des Verlusts des eingesetzten Kapitals. Das Zukunftsdepot ist noch nicht gesetzlich beschlossen, Details können sich im Gesetzgebungsprozess ändern. Die Rechenbeispiele beruhen auf Annahmen und sind keine Prognose. Vor einer Anlageentscheidung sollten die vollständigen Produktunterlagen (Konditionenblatt, ggf. Basisinformationsblatt) herangezogen werden. Alle Angaben ohne Gewähr, Stand: 30. Oktober 2026.