Beachte: Veranlagungen in Finanzinstrumenten sind mit Risiken verbunden und können neben den Erträgen auch zum Verlust des eingesetzten Kapitals führen.

Auch Scalable Capital setzt auf KI-Investing mit ChatGPT, Claude oder Grok: Agentic Investing

Risikohinweis: Der Handel mit Wertpapieren, ETFs, Kryptowerten und Derivaten ist mit Risiken verbunden. Kurse können schwanken, ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals ist möglich. Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar und ist schon gar keine Handlungsempfehlung.

Scalable Capital hat heute am 25. August 2026 mit „Agentic Investing“ eine neue Funktion vorgestellt, die das Depot direkt mit KI-Assistenten wie ChatGPT, Claude oder Grok verknüpft. Nach eigenen Angaben ist der Neobroker damit die erste Bank in Europa, die ihre Plattform für gängige KI-Assistenten öffnet. Sie sind aber dennoch nicht die Ersten die diese Anbindung mit Brokerage verknüpfen, denn bei eToro oder Bitpanda gibt es diese Funktion ebenso bereits, diese sind aber keine Bank. Die Kundschaft kann die Funktion ab sofort im Profilbereich aktivieren und das Konto mit dem KI-Assistenten der Wahl verbinden.

Was Agentic Investing kann

Über natürlichsprachliche Eingaben lassen sich laut Anbieter zahlreiche Depotfunktionen steuern: Wertpapiersuche, Sparpläne einrichten und verwalten, Watchlists pflegen sowie Preisalarme setzen. Hinzu kommen kostenfreie Echtzeitkurse, historische Kursdaten und Nachrichten. Auch Analysefunktionen aus dem hauseigenen Tool Scalable Insights stehen zur Verfügung, etwa Diversifikations-Checks, Szenario-Analysen, Sektor- und Regionenallokationen sowie Risikobewertungen.

Externe Berichterstattung, unter anderem von Business Insider, bestätigt zudem: Käufe und Verkäufe müssen weiterhin von der Kundschaft selbst bestätigt werden, ein vollständig autonomer Handelsagent ist die Funktion also (noch) nicht. Scalable-Mitgründer und Co-CEO Erik Podzuweit bezeichnet die Neuerung als einen der größten technologischen Sprünge in der Finanzbranche seit dem Internet-Banking.

Wer bietet Ähnliches an?

Scalable Capital ist zwar die erste Bank, die ihre Plattform direkt für gängige externe KI-Assistenten wie ChatGPT, Claude oder Grok öffnet, agentische Ansätze bei anderen Brokern gibt es aber bereits. eToro hat im Juli 2026 mit „Tori“ einen eigenen KI-Agenten vorgestellt, der auf einem eigenen Modell (Grok 4.2) basiert und Trades im Kundenauftrag ausführen kann, jedoch ohne offene Anbindung an Drittanbieter wie ChatGPT oder Claude. International bieten unter anderem Interactive Brokers, Webull, Capital.com sowie die Handelssoftware MetaTrader 5 bereits offizielle MCP-Anbindungen für KI-Assistenten an. Für Trade Republic existiert bislang lediglich ein inoffizieller, community-entwickelter MCP-Server, keine offizielle Funktion des Brokers.

Einrichtung: CLI oder MCP-Server

Für die technische Anbindung stellt Scalable Capital sowohl eine lokal installierbare CLI-Anwendung als auch einen MCP-Server (Model Context Protocol) bereit. MCP ist ein ursprünglich von Anthropic entwickelter, mittlerweile breit unterstützter Standard zur Anbindung von KI-Assistenten an externe Dienste. Die Aktivierung erfolgt im Webportal unter Profil > Sicherheit, eine Einrichtungsanleitung für die gängigen KI-Assistenten stellt Scalable Capital unter scalable.capital/agentic-investing bereit.

Wie es danach weiter geht, ist abhängig von der jeweiligen KI. Im Fall von Claude ist es nötig die Scalable Adresse unter den benutzerdefinierten Connectoren hinzuzufügen.

Im Praxisversuch mit Claude hat die Anzeige von Positionen funktioniert, doch beim Einstellen einer Limitorder gab es immer wieder ein Problem.

„{„error“:{„code“:“upstream_unavailable“,“message“:“This operation is temporarily unavailable.“}}“

Sie konnte schlussendlich nicht abgeschickt werden, trotz der Erlaubnis dazu. Claude empfahl die Order in der App aufzugeben.

Sicherheit, Kontrolle und regulatorische Vorgaben

Laut Unternehmensangaben bleibt Agentic Investing jederzeit deaktivierbar, bestehende Konto- und Rollenberechtigungen gelten unverändert weiter. Vor der erstmaligen Nutzung sowie in wiederkehrenden Abständen ist eine Anmeldung samt Zwei-Faktor-Authentifizierung erforderlich. Wichtig für die Einordnung: KI-Anwendungen von Drittanbietern agieren laut Scalable Capital unabhängig und außerhalb der eigenen Kontrolle. Von der KI erzeugte Antworten, Empfehlungen oder Transaktionen stammen entsprechend nicht von Scalable Capital, gelten nicht als Anlageberatung und liegen in der Verantwortung der Anlegenden selbst.

Regulatorisch sollen bestehende Schutzmechanismen unverändert greifen: Vor jeder Wertpapiertransaktion sind weiterhin Kosteninformationen und Basisinformationsblätter bereitzustellen und individuell zu bestätigen, Zahlungen sind ausschließlich über Web und App möglich, nicht über den KI-Assistenten selbst. Erwähnenswert ist zudem eine Fußnote der Pressemitteilung: Der volle Funktionsumfang wird grundsätzlich über den MCP-Server bereitgestellt, einzelne KI-Assistenten können bestimmte Funktionen aufgrund eigener Richtlinien jedoch einschränken oder ablehnen. Wie sich das in der Praxis konkret auswirkt, etwa je nach genutztem KI-Assistenten, war zum Redaktionsschluss noch nicht abschließend zu beurteilen.

Steuereinfach in Österreich: Status unverändert

„Steuereinfach“ bedeutet, dass ein Broker über eine österreichische Niederlassung oder eine österreichische Partnerbank automatisch die Kapitalertragsteuer (KESt) auf Gewinne und Erträge abführt, sodass keine gesonderte Angabe in der Steuererklärung nötig ist. Scalable Capital unternahm bereits erste Schritte dazu und Gerüchten zur Folge könnte 2026 das Jahr werden, wo Scalable in Österreich steuereinfach werden wird. Ob das tatsächlich passiert? Wir werden es sehen! Genaueres gibt es von Seiten des Unternehmens leider nicht.

Für wen eignet sich Agentic Investing?

Die Funktion dürfte vor allem technikaffine Anlegende ansprechen, die ChatGPT, Claude oder Grok ohnehin regelmäßig nutzen und ihre Depotverwaltung in bestehende Arbeitsabläufe integrieren möchten, etwa für automatisierte Watchlists, Preisalarme oder individuelle Auswertungen. Wer einen einfachen, direkt integrierten Bedienweg bevorzugt oder grundsätzlich zurückhaltend ist, Kontodaten mit Drittanbieter-KI-Anwendungen zu teilen, ist mit der klassischen App- oder Web-Nutzung vermutlich weiterhin besser bedient. Wichtig bleibt in jedem Fall: Die letzte Kontrolle über Käufe und Verkäufe behält laut aktuellem Stand die Kundschaft, nicht die KI.

Fazit

Mit Agentic Investing verknüpft Scalable Capital als erste europäische Bank, aber nicht Broker, sein Angebot direkt mit gängigen KI-Assistenten. Da die Funktion erst mit 25. August 2026 gestartet ist, liegen noch keine belastbaren Praxiserfahrungen vor, insbesondere zur Zuverlässigkeit, zu den Grenzen der einzelnen KI-Anbindungen. Ein eigener Praxistest mit Claude zeigte, dass die Anzeige der Depotpositionen funktionierte, die Aufgabe einer eigenen Order aber nicht. Wir werden das Thema weiterverfolgen, sobald erste Nutzererfahrungen vorliegen.

Quellen

  • Scalable Capital, Pressemitteilung „Scalable Capital bietet mit Agentic Investing als erste Bank Europas Zugang für KI-Assistenten“, Wien, 25. August 2026
  • Business Insider Deutschland, Berichterstattung vom 25. August 2026
  • scalable.capital/agentic-investing (Einrichtungsanleitung des Anbieters)
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