Endlich ist die neue Sunrise App und das neue Zinskonto da! Dazu passend hat das Wiener Unternehmen in einer eigenen Folge seines Podcasts „Let’s Talk About Money“ Bilanz über die erste Woche mit der neuen App gezogen. Neben dem holprigen Start am Launch-Abend ging es vor allem um das neue Zinskonto, um den Zeitplan beim deutschen Altersvorsorgedepot und um die offenen Fragen beim österreichischen Zukunftsdepot.
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Zinskonto: So funktioniert die Verzinsung
Knapp 7.000 Kundinnen und Kunden haben das Zinskonto in den ersten Tagen eröffnet, das Volumen liegt laut Sunrise bereits bei mehreren Millionen Euro. Als Instrument zur Neukundengewinnung sei das Konto nicht gedacht, sondern als Service für bestehende Depotkunden, um Geld einfach verzinst parken zu können. Die Idee ist, das Zinskonto für die kurzfristige Veranlagung und das verzinst und die Sunrise Fonds für die langfristige Veranlagung.
Der Zinssatz hängt direkt am Zinssatz der Europäischen Zentralbank. Sunrise bekommt die Zinsen einmal im Monat von seinem Infrastrukturpartner Deutsche Bank überwiesen und gibt davon 90 % an die Kundschaft weiter. Das Konto ist ein Sammelkonto bei der Deutschen Bank und daher gilt auch deren Einlagensicherung. Ändert die EZB ihre Zinsen, ändert sich der Zinssatz bei Sunrise am selben Tag. 50 Basispunkte gehören der Deutschen Bank und vom Rest geht, wie oben bereits erwähnt, 10 % an Sunrise, der Rest ist für die Sunrise Kundschaften, also aktuell 1,80 % p.a. für täglich fällige Guthaben. Sunrise betont, dass das bei traditionellen Banken nicht üblich ist, dort würden Zinssenkungen oft rasch, Erhöhungen dagegen nur verzögert weitergegeben.
Die Zinsen werden taggenau auf Basis des Tagesendstands berechnet. Wer zwischendurch Geld abzieht, verliert also keine Zinsen für die Tage, an denen das Guthaben am Konto war. Gutgeschrieben wird zu Beginn des Folgemonats.
Auszahlungen auf das Referenzkonto laufen in der Regel per SEPA Instant, Echtzeitüberweisung, und dauern laut Sunrise wenige Sekunden. Längere Wartezeiten gibt es nur bei Ausnahmefällen, etwa bei angekündigten nächtlichen Wartungsfenstern für Echtzeitüberweisungen in Österreich oder wenn bei einer Einzahlung Daten fehlen. Ein Beispiel dafür: Fehlt in den Bankdaten die Empfänger-IBAN und zahlen zwei Sunrise-Kunden vom selben Gemeinschaftskonto ein, lässt sich die Überweisung nicht automatisch zuordnen. Solche Buchungen bleiben dann im Status „pending“, bis sie geklärt sind. Verloren gehen kann laut Sunrise dabei nichts.
Zu beachten ist, dass das Guthaben auf einem Sammelkonto bei der Deutschen Bank liegt. Damit greift die deutsche Einlagensicherung, obwohl Sunrise ein österreichischer Anbieter ist.
Sparpläne direkt aus dem Zinskonto zu bedienen, ist derzeit nicht möglich. Laut Sunrise soll diese Funktion aber irgendwann kommen.
Neue App: Startprobleme und nächste Schritte
Die App wurde komplett neu in React Native programmiert, iOS und Android laufen damit auf derselben Codebasis. Die technische Entwicklung hat Sunrise an einen externen Dienstleister ausgelagert, um mehr Kapazitäten zu haben. Die Probleme am Launch-Abend erklärt Sunrise mit dem überarbeiteten Dokumentenarchiv: Als viele Kunden gleichzeitig in den Investbereich gingen, wurden fast 100.000 historische Transaktionsbestätigungen auf einmal erzeugt, was die Infrastruktur überlastete.
Auf der Liste für die nächsten Monate stehen Verbesserungen beim Foto-Upload in der Registrierung, eine optionale, stärker zusammengefasste Depotansicht und eine Überarbeitung des Benefits-Bereichs. Das Quiz bleibt vorerst pausiert, für jedes ausgefallene Quiz wird das Preisgeld auf das nächste aufgeschlagen.
Altersvorsorgedepot in Deutschland: Zertifizierung im November
Für Kundschaft in Deutschland bereitet Sunrise das Altersvorsorgedepot und die Frühstart-Rente vor, beides soll mit 1. Jänner 2027 starten. Die Verträge müssen vom deutschen Bundeszentralamt für Steuern zertifiziert werden, Sunrise will die Unterlagen Anfang November einreichen. Die Meldung der Zulagen an die Zentrale Zulagenstelle für Altersvermögen läuft über einen spezialisierten Dienstleister, um ab dem ersten Tag sicher abwickeln zu können. Für das Altersvorsorgedepot hat Sunrise eigene vollthesaurierende Fondstranchen aufgelegt.
Wichtig für Interessierte: Für die Förderung 2027 zählen alle Einzahlungen im Kalenderjahr 2027. Wer erst im Dezember 2027 ein Depot eröffnet und den förderfähigen Betrag einzahlt, bekommt laut Sunrise trotzdem die volle Zulage, sofern die übrigen Voraussetzungen erfüllt sind. Es gibt also keinen Grund, beim erstbesten Anbieter abzuschließen.
Zukunftsdepot: Sunrise sieht Konflikt mit der Mündelsicherheit
Beim österreichischen Zukunftsdepot fehlt weiterhin ein Gesetzesentwurf, der Start ist für 1. Juli 2027 geplant. Sunrise rechnet damit, dass sich Anbieter erst nach dem Beschluss auf die Details einstellen können, eventuell auch mit eigenen Fondstranchen wie beim deutschen Altersvorsorgedepot.
Einen Knackpunkt sieht Sunrise bei älteren Kindern. Das Zukunftsdepot soll für alle Minderjährigen offenstehen, für bereits geborene Kinder allerdings ohne Startbonus. Wer mit 17 einsteigt, kommt mit 18 schon an das Geld. Gleichzeitig gilt für Vermögen von Minderjährigen in Österreich ein strenges Mündelsicherheitsrecht, und breit gestreute Aktienfonds sind laut Sunrise für eine so kurze Haltedauer kaum geeignet, zumal in den Basisinformationsblättern meist eine empfohlene Haltedauer von sieben Jahren steht. Eine Einschränkung der Produktauswahl je nach Alter wäre möglich, aber aufwendig.
Sunrise hätte deshalb eine Auszahlung erst mit dem 25. Geburtstag bevorzugt. Damit wäre immer eine Haltedauer von mindestens sieben Jahren gesichert. Politisch ist das Zukunftsdepot allerdings ausdrücklich als Startkapital für die Volljährigkeit gedacht, ob der Vorschlag noch eine Rolle spielt, ist offen. Anders als die deutsche Frühstart-Rente ist das Zukunftsdepot auch nicht für die Altersvorsorge gebunden.
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Fazit
Das Zinskonto ist für bestehende Sunrise-Kunden eine einfache Möglichkeit, Geld verzinst zu parken, ohne die Plattform zu wechseln. Positiv ist die automatische und sofortige Weitergabe von EZB-Zinsänderungen in beide Richtungen, damit fällt aber auch jede Zinssenkung sofort auf das Konto durch. Beim Zukunftsdepot zeigt Sunrise eine Frage auf, die in der bisherigen Diskussion zu kurz kommt: Welche Produkte ältere Kinder im Zukunftsdepot überhaupt bekommen dürfen, wird mitentscheiden, wie attraktiv das Modell am Ende wird.
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Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Die Eckpunkte zum Zukunftsdepot beruhen auf politischen Ankündigungen, ein Gesetz liegt noch nicht vor. Wertpapiere unterliegen Kursschwankungen bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals. Alle Angaben ohne Gewähr, Stand: 27. Oktober 2026.