Seit der Zinserhöhung im September liegt der EZB-Einlagesatz bei 2,50 % p.a., und die Broker nutzen das für ihre Werbung. Mit Zinsen auf das Verrechnungs- oder Tagesgeldkonto lässt sich neue Kundschaft gut gewinnen. Auffällig ist aber, wie oft die beworbene Zahl nur ein paar Monate gilt. Danach zählt der Bestandszins, und der liegt in manchen Fällen nur noch bei einem Bruchteil.
Warum Broker mit Zinsen werben
Für Broker ist ein hoher Einstiegszins eine vergleichsweise günstige Art, neue Kundschaft zu gewinnen. Wer einmal ein Depot eröffnet und Geld überwiesen hat, bleibt oft länger, auch wenn der Zins später sinkt. Verdient wird dann über Ordergebühren, Fremdwährungsaufschläge oder Produktumsätze. Für dich heißt das: Schau nicht nur auf den Aktionszins, sondern vor allem darauf, wie lange er gilt, was danach bleibt und an welche Bedingungen er geknüpft ist. Alle genannten Zinssätze sind variabel und können sich jederzeit ändern.
Steuereinfache Broker im Zinsvergleich
Bei steuereinfachen Anbietern führt der Broker die Kapitalertragsteuer automatisch ab, du musst die Zinsen also nicht selbst in der Steuererklärung angeben. Für Zinsen aus Bankguthaben beträgt die KeSt in Österreich 25 %.
| Broker | Aktionszins | danach | Gutschrift |
|---|---|---|---|
| Trade Republic* | 3,00 % p.a. bis auf weiteres | 2,50 % p.a. | monatlich |
| DADAT Bank* | 3,20 % p.a. (3 Monate) | 2,00 % p.a. | jährlich |
| bank99 | 3,00 % p.a. (3 Monate) | 0,50 % p.a. | jährlich |
| Scalable Capital* | keiner | 2,60 % p.a. | quartalsweise |
| Bank Direkt | keiner | 1,75 % p.a. | jährlich |
| easybank | keiner | 0,01 % p.a. | quartalsweise |
| flatex | keiner | 0,00 % p.a. | quartalsweise |
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Trade Republic bietet unter den steuereinfachen Brokern den höchsten dauerhaften Zins. Der Bestandszins von 2,50 % p.a. folgt dem EZB-Einlagesatz und wird monatlich gutgeschrieben. Daneben wirbt Trade Republic mit einem Aktionszins von 3,00 % p.a.; wie lange er gilt und unter welchen Bedingungen, solltest du vor der Eröffnung direkt im Konditionenblatt nachlesen. Das Guthaben liegt treuhänderisch auf Sammelkonten bei mehreren Partnerbanken, darunter Deutsche Bank, J.P. Morgan SE, Citi, HSBC Continental Europe, Crédit Agricole CIB, Natixis und SEB. Die Einlagensicherung greift dort grundsätzlich pro Kundin bzw. Kunde, die Abwicklung im Ernstfall ist aber aufwendiger als bei einem eigenen Einzelkonto.
Die DADAT Bank zahlt drei Monate lang 3,20 % p.a. auf bis zu 300.000 Euro, danach 2,00 % p.a. Die Zinsen werden nur einmal jährlich gutgeschrieben, der Zinseszinseffekt fällt also geringer aus. Dazu kommen einige Extras: keine Kontogebühr bis 31. Dezember 2030, sechs Monate lang nur 1 Euro eigene Spesen pro Transaktion (zuzüglich fremder Spesen) und eine Rückerstattung von Übertragsspesen bis 250 Euro, wenn jede übertragene Position mindestens 2.000 Euro wert ist.
Bei bank99 sieht der Aktionszins mit 3,00 % p.a. für drei Monate gut aus, danach fällt er aber auf 0,50 % p.a. Das ist ein Rückgang um 2,50 Prozentpunkte, und genau das ist das klassische Muster eines Lockzinses.
Die Bank Direkt verzichtet auf einen Aktionszins, zahlt mit 1,75 % p.a. aber einen soliden Bestandszins. Dazu gibt es 75 Euro Eröffnungsbonus, keine Depotgebühr bis 31. Dezember 2026, drei Monate lang Orders um 1 Euro und die Übernahme von Depotübertragsspesen bis 1.000 Euro, wenn die Position mindestens 1.000 Euro groß ist. Das Girokonto ist kostenlos, wenn der Depotstand über 10.000 Euro liegt oder monatlich eine Transaktion erfolgt.
Bei easybank und flatex spielt der Zins praktisch keine Rolle. easybank punktet mit dem Verzicht auf Depot- und Verrechnungskontogebühren bis Ende 2028, flatex mit 20 Orders ohne eigene Gebühren in den ersten drei Monaten.
Nicht steuereinfache Broker: Höhere Zinsen, mehr Aufwand
Bei diesen Anbietern musst du die Zinsen selbst über die Beilage E1kv in FinanzOnline erklären. Das ist kein Hindernis, kostet aber Zeit und sollte bei der Wahl mitbedacht werden.
| Broker | Aktionszins | danach | Hinweis |
|---|---|---|---|
| Trading 212* | 4,20 % p.a. (4 Monate) | 2,80 % p.a. | tägliche Gutschrift |
| Consorsbank* | 3,60 % p.a. (5 Monate) | 1,00 % p.a. | quartalsweise |
| XTB* | 3,50 % p.a. (90 Tage) | 1,10 % p.a. | bis 4,50 % p.a. bei Handelsaktivität aber nur bis max. 20.000 € |
| Smartbroker+* | keiner | 2,25 % p.a. | mind. 3 Trades pro Quartal |
| Traders Place* | keiner | 2,25 % p.a. | ab 5.000 Euro |
| Revolut | keiner | 1,00 bis 2,00 % p.a. | je nach Abo |
| N26* | bis 1,50 % p.a. | 0,25 % p.a. | höherer Zins nur mit Abo |
| DKB* | keiner | 1,00 % p.a. | – |
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Trading 212 hat mit 4,20 % p.a. den höchsten Neukundschaftszins im Vergleich und auch danach mit 2,80 % p.a. einen Bestandszins über dem EZB-Einlagesatz. Möglich wird das, weil ein Teil des Guthabens in Geldmarktfonds angelegt wird. Für diesen Teil gilt keine Einlagensicherung, sondern der Schutz als Sondervermögen und die Anlegerentschädigung. Steuerlich werden Erträge aus Geldmarktfonds mit 27,5 % KeSt behandelt, nicht mit 25 % wie Bankzinsen.
XTB zahlt 3,50 % p.a. für die ersten 90 Tage, danach nur noch 1,10 % p.a. Mit aktiver Handelstätigkeit sind laut Anbieter bis zu 4,50 % p.a. auf Guthaben bis 20.000 Euro möglich, die genauen Voraussetzungen solltest du dir vorab genau ansehen. Dazu wirbt XTB derzeit mit einer Porsche-Aktie als Bonus, auch hier lohnt sich ein Blick in die Teilnahmebedingungen.
Den größten Zinssturz im ganzen Vergleich hat die Consorsbank: Nach fünf Monaten mit 3,60 % p.a. geht es auf 1,00 % p.a. zurück, also um 2,60 Prozentpunkte.
Bei Smartbroker+ und Traders Place gibt es zwar keinen Lockzins, dafür Bedingungen: Smartbroker+ verlangt mindestens drei Wertpapiertransaktionen pro Quartal und verzinst maximal 100.000 Euro, Traders Place zahlt erst ab einer Einlage von 5.000 Euro. Bei Revolut und N26 hängt der Zins vom gewählten Abomodell ab. Hier solltest du die Abokosten gegen den Zinsvorteil rechnen, bei kleineren Guthaben frisst die Gebühr den Mehrertrag schnell auf. Die DKB-Aktion mit Aktionszins für vier Monate ab 1. November 2026 galt nur für Neueinlagen, die bis 20. Oktober 2026 am Tagesgeldkonto lagen, und ist für neue Einzahlungen damit nicht mehr erreichbar.
So stark fällt der Zins nach der Aktion
| Broker | Aktion | danach | Rückgang in Prozentpunkten |
|---|---|---|---|
| Consorsbank | 3,60 % p.a. | 1,00 % p.a. | 2,60 |
| bank99 | 3,00 % p.a. | 0,50 % p.a. | 2,50 |
| XTB | 3,50 % p.a. | 1,10 % p.a. | 2,40 |
| Trading 212 | 4,20 % p.a. | 2,80 % p.a. | 1,40 |
| DADAT Bank | 3,20 % p.a. | 2,00 % p.a. | 1,20 |
| Trade Republic | 3,00 % p.a. | 2,50 % p.a. | 0,50 |
Was im ersten Jahr tatsächlich übrig bleibt
Rechnet man Aktions- und Bestandszins auf zwölf Monate um, ergibt sich ein deutlich nüchterneres Bild. Angenommen wird dabei, dass die Zinssätze unverändert bleiben, der Zinseszinseffekt ist nicht berücksichtigt.
| Broker | Ø Zins im 1. Jahr | 10.000 Euro brutto | steuereinfach |
|---|---|---|---|
| Trading 212 | 3,27 % p.a. | 327 Euro | nein |
| Scalable Capital | 2,60 % p.a. | 260 Euro | ja |
| Trade Republic | mind. 2,50 % p.a. | mind. 250 Euro | ja |
| DADAT Bank | 2,30 % p.a. | 230 Euro | ja |
| Consorsbank | 2,08 % p.a. | 208 Euro | nein |
| XTB | 1,70 % p.a. | 170 Euro | nein |
| bank99 | 1,13 % p.a. | 113 Euro | ja |
Der Unterschied ist groß: Consorsbank wirbt mit 3,60 % p.a., übers erste Jahr gerechnet bleiben aber nur rund 2,08 % p.a. Bei bank99 schrumpft der Effektivwert von beworbenen 3,00 % p.a. auf rund 1,13 % p.a. Trade Republic und Scalable Capital ohne bzw. mit geringem Zinsrückgang liegen dagegen auf Jahressicht vor mehreren Anbietern mit höherem Lockzins. Nach 25 % KeSt bleiben bei Trade Republic von 250 Euro rund 187,50 Euro, bei der DADAT Bank von 230 Euro rund 172,50 Euro.
Worauf du beim Zinsvergleich achten solltest
Prüfe zuerst, wie lange der Aktionszins gilt und ob es einen Höchstbetrag gibt. Danach lohnt sich ein Blick auf die Art der Verwahrung: Ein Einzelkonto bei einer Bank ist einfacher abzusichern als ein Sammelkonto, und Geldmarktfonds fallen gar nicht unter die Einlagensicherung. Auch der Gutschriftrhythmus macht einen Unterschied, eine tägliche oder monatliche Gutschrift bringt etwas mehr Zinseszins als eine jährliche. Bedingungen wie Mindesttrades, Mindesteinlagen oder kostenpflichtige Abos können den Zinsvorteil schmälern oder ganz aufheben. Und schließlich spart dir ein steuereinfacher Broker den Aufwand mit der E1kv, was vor allem dann zählt, wenn du sonst keine Steuererklärung machst.
Fazit
Hohe Aktionszinsen sind vor allem ein Marketinginstrument. Wer das Depot ohnehin wechseln will, kann sie gut mitnehmen, sollte die Entscheidung aber am Bestandszins und an den übrigen Konditionen festmachen. Unter den steuereinfachen Anbietern ist Trade Republic beim dauerhaften Zins vorne, die DADAT Bank bietet die stärkste Aktion samt Gebührenvorteilen. Bei den nicht steuereinfachen Brokern sticht Trading 212 sowohl beim Aktions- als auch beim Bestandszins heraus, allerdings mit Geldmarktfonds-Anteil und eigenem Steueraufwand. Da die EZB im Dezember wieder entscheidet, können sich die Zinsen schon bald erneut bewegen.
Hinweis: Dieser Beitrag ist eine redaktionelle Information und keine Anlageberatung. Wertpapiere bergen Risiken, einschließlich des Verlusts des eingesetzten Kapitals. Vor einer Anlageentscheidung sollten die vollständigen Produktunterlagen (Konditionenblatt, ggf. Basisinformationsblatt) herangezogen werden. Alle Angaben ohne Gewähr, Stand: November 2026.