Es ist die selbe Geschichte wie vor wenigen Monaten beim SpaceX Börsengang: Wir hier in Österreich können vermutlich nicht beim IPO (Initital Public Offering, den Börsengang) mit dabei sein. So auch jetzt wieder. Der Claude-Entwickler Anthropic geht an die NASDAQ, und mit flatex und Trade Republic stehen zwei Broker auf der offiziellen Liste, die in Österreich besonders viele Kundinnen und Kunden haben. Der Haken: Gezeichnet werden kann nur in ausgewählten Ländern, und Österreich gehört nach aktuellem Stand nicht dazu. Was das konkret heißt und wie du trotzdem an die Aktie kommst, liest du hier.
Die beiden Platzhirsche stehen auf der Liste
Anthropic hat auf seiner offiziellen Hilfeseite (Stand: 2. November 2026) jene Banken und Broker veröffentlicht, die Aktien aus dem Retail-Angebot an Privatpersonen verteilen dürfen. Für den EWR und die Schweiz sind das BNP Paribas, Crédit Agricole CIB, Deutsche Bank, eToro, flatexDEGIRO, Interactive Brokers, Nordnet, Revolut, Saxo Bank, Trade Republic und UBS Investment Bank. Andere Firmen oder Plattformen sind laut Anthropic nicht berechtigt, Aktien aus diesem Angebot zu vertreiben oder dafür zu werben.
Screenshot von der Help Seite von Antrophic:

Für österreichische Leserinnen und Leser sind vor allem zwei Namen interessant. Trade Republic und flatex sind hierzulande die bekanntesten Neobroker bzw. Onlinebroker, beide arbeiten über eine österreichische Zweigniederlassung und sind steuereinfach. Umso größer dürfte die Enttäuschung sein, dass die Zeichnung in Österreich nicht freigeschaltet wird.
Lohnt sich die Teilnahme an Börsengängen überhaupt?
Die Möglichkeit, zum Ausgabepreis zu zeichnen, klingt nach einem Vorteil, ist es aber nicht automatisch. Bei begehrten Emissionen wie Anthropic bekommen Privatpersonen meist nur einen kleinen Teil der gewünschten Stückzahl, bei schwächer nachgefragten dagegen oft die volle Zuteilung. In der Fachliteratur heißt das Fluch des Gewinners: Man erhält genau dort viel, wo es weniger attraktiv ist. Langfristig haben Neuemissionen im Schnitt eher unterdurchschnittlich abgeschnitten, und nach Ablauf der Haltefristen für Altaktionärinnen und Altaktionäre, häufig nach rund 180 Tagen, kann zusätzlicher Verkaufsdruck entstehen. Eine Zeichnung kann sinnvoll sein, wenn du vom Unternehmen langfristig überzeugt bist und nur einen kleinen Teil deines Depots einsetzt. Als Strategie für schnelle Zeichnungsgewinne taugt sie für Privatkundschaft kaum. Der letzte Börsegang rund um SpaceX zeigt, naja, da musste man nicht dabei sein. War kein No-Brainer in Sachen Kursentwicklung.
Trade Republic: So funktioniert die Zeichnung
Trade Republic bietet seit Juni 2026 die Zeichnung ausgewählter Börsengänge direkt in der App an. Das Prinzip ist simpel: Du gibst an, für welchen Betrag du Aktien zeichnen willst. Diese Summe muss auf deinem Verrechnungskonto liegen und wird während der Zeichnungsfrist geblockt. Zugeteilt wird zum offiziellen Ausgabepreis, bei hoher Nachfrage anteilig nach Zeichnungsvolumen. Es fällt nur die übliche Fremdkostenpauschale von 1 Euro pro Order an.
Bei einem Börsengang dieser Größe ist mit einer deutlichen Überzeichnung zu rechnen. Wer zeichnen darf, bekommt also wahrscheinlich nur einen Teil der gewünschten Stückzahl. Für Kundinnen und Kunden mit Wohnsitz in Österreich ist das ohnehin nur Theorie, solange Österreich nicht im Angebot ist.
flatex: Auf der Liste steht die Konzernmutter
Gelistet ist flatexDEGIRO, also der Konzern hinter den Marken flatex und DEGIRO. Über welche Marke und in welchen Ländern die Zeichnung tatsächlich angeboten wird, geht aus der Liste nicht hervor. Naheliegend ist, dass flatex in Deutschland und DEGIRO etwa in den Niederlanden, Spanien oder Frankreich zum Zug kommen. Für flatex Österreich gilt dasselbe wie für Trade Republic: Ohne Österreich im Angebot keine Zeichnung, auch wenn der Konzern selbst mit an Bord ist.
Warum du in Österreich nicht zeichnen kannst
Das europäische Retail-Angebot läuft über einen Prospekt, den die deutsche Finanzaufsicht BaFin billigen soll. Öffentlich angeboten wird nur in Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Irland, den Niederlanden, Norwegen, Schweden und Spanien, dazu kommt die Schweiz. In allen anderen EWR-Staaten richtet sich das Angebot laut Anthropic ausschließlich an qualifizierte, also professionelle Anlegerinnen und Anleger. Das sind typischerweise die Kundschaften von Flatex und vor allem von Trade Republic sicherlich nicht.
Entscheidend ist in aller Regel dein Wohnsitzland und nicht der Sitz des Brokers. Dass Trade Republic und flatex deutsche Banken sind, hilft dir also nicht weiter. Auch ein Depot bei der deutschen Gesellschaft ändert bei Wohnsitz in Österreich nichts daran.
Kann Österreich noch dazukommen?
Möglich wäre es. Ein von der BaFin gebilligter Prospekt kann über den EU-Pass an die FMA notifiziert werden, damit wäre ein öffentliches Angebot auch in Österreich zulässig. Ob Anthropic, die Banken und die Broker das wollen, ist offen. Konkrete Hinweise darauf gibt es derzeit nicht. Anthropic kündigt an, die Liste zu aktualisieren, wenn sich etwas ändert. Nachdem Österreich ein kleines Land ist mit wenigen Einwohnern, wird dieser Gang wohl eher nicht stattfinden. Wenn es doch passiert, wäre es eine schöne Überraschung!
Ab dem ersten Handelstag: Kaufen bei flatex und Trade Republic
Sobald die Aktie an der Nasdaq gehandelt wird, kannst du sie wie jede andere US-Aktie kaufen. Bei flatex ist der Handel direkt an US-Börsen möglich, bei Trade Republic läuft der Handel über den eigenen Handelsplatz in Euro. Ob und ab welchem Zeitpunkt ANT dort verfügbar ist, haben beide Broker noch nicht kommuniziert.
Bei Mega-Börsengängen startet der erste Handel oft erst Stunden nach Börseneröffnung, und der erste Kurs kann deutlich vom Ausgabepreis abweichen. Wer am ersten Tag unlimitiert kauft, zahlt unter Umständen einen deutlich höheren Preis als erwartet. Eine Limit-Order ist hier die vernünftigere Wahl. Bei Trade Republic kommt hinzu, dass der Kurs außerhalb der US-Handelszeiten nur von den Market Makern gestellt wird und die Spreads breiter sein können.
Was du sonst wissen solltest
Laut Medienberichten (u. a. Bloomberg, Irish Times) peilen bestehende Investorinnen und Investoren eine Bewertung von rund 1,5 bis 1,75 Billionen US-Dollar an. Bloomberg berichtet außerdem, dass 15 bis 20 % der Aktien für Privatpersonen reserviert werden könnten. Offiziell bestätigt ist beides nicht. Im ersten Halbjahr 2026 meldete Anthropic laut S-1 rund 16,2 Mrd. US-Dollar Umsatz bei einem Nettoverlust von rund 80,7 Mrd. US-Dollar, der Berichten zufolge großteils auf Bilanzierungseffekte zurückgeht. Öffentlich gehandelt wird nur die Class-A-Aktie, wie viel Stimmrecht damit verbunden ist, steht im Prospekt.
Rund um den Börsengang tauchen bereits Angebote auf, die Anteile oder Zertifikate auf Anthropic „vor dem Börsengang“ versprechen. Anthropic warnt selbst vor nicht autorisierten Aktienverkäufen und Anlagebetrug. Wer dir Anthropic-Aktien abseits der offiziellen Liste anbietet, verdient große Skepsis, im Zweifel hilft ein Blick in die Warnliste der FMA.
Fazit
Dass Trade Republic und flatexDEGIRO beim Anthropic-Börsengang dabei sind, klingt für österreichische Kundinnen und Kunden zunächst vielversprechend. Nach aktuellem Stand ist die Zeichnung zum Ausgabepreis aber Deutschland, der Schweiz und einigen anderen Ländern vorbehalten. Wer investieren will, kauft ab dem ersten Handelstag zum Marktpreis, bei flatex und Trade Republic immerhin steuereinfach. Ob sich der Einstieg bei dieser Bewertung lohnt, solltest du ohne Hype und mit Blick auf den Prospekt entscheiden.
Hinweis: Dieser Beitrag ist eine redaktionelle Information und keine Anlageberatung. Aktien bergen Risiken bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals, bei Neuemissionen sind starke Kursschwankungen üblich. Vor einer Anlageentscheidung solltest du den vollständigen Prospekt lesen, der unter ipo.anthropic.com veröffentlicht wird. Angaben zu Bewertung, Zeitplan und Retail-Anteil beruhen auf Medienberichten und sind nicht offiziell bestätigt. Alle Angaben ohne Gewähr, Stand: 3. November 2026.