Seit sich die Koalition am 17. Oktober auf das Zukunftsdepot für Kinder geeinigt hat, kommen fast täglich neue Details ans Licht. Was weiß man wirklich? Wenig, denn ein Gesetzesentwurf liegt nach wie vor nicht vor, die Begutachtung soll laut ORF aber noch im Oktober starten. Die wenigen Informationen und das eine oder andere Gerücht wird in diesem Beitrag zusammengefasst. Auf dem Schwesterprojekt zukunfts-depot.at werden die Meldungen der letzten Tage laufend aufbereitet, hier ein Zwischenstand:
- Geplanter Start ist der 1. Juli 2027, einzahlen können angeblich Eltern, Großeltern und andere Angehörige bis zu 5.000 Euro pro Jahr
- Steuerfrei bleiben nach aktuellen Berichten nur Kursgewinne, auf Dividenden und Zinsen fällt laufend 27,5 % KESt an. Das würde auch für den Teil der ordentlichen Erträge der ausschüttungsgleichen Erträge gelten
- Kostenlos ist nur die Kontoführung, Depot-, Order- und Transaktionsgebühren dürfen verrechnet werden. Produktkosten kommen ebenso nochmals hinzu
- Den Startbonus von 500 Euro gibt es nur für Kinder, die ab 1. Jänner 2027 geboren werden und weitere Bedingungen erfüllen
- Vor der Eröffnung ist ein Beratungsgespräch vorgesehen, ob es ein Opt-out gibt, ist offen
Steuern: Doch nicht ganz KESt-frei
Ursprünglich war von einem komplett KESt-freien Depot die Rede. Laut DerStandard.at soll die Kapitalertragsteuer aber laufend auf Dividenden, Zinsen und Ausschüttungen anfallen, steuerfrei bleiben nur realisierte Kursgewinne, auch bei der Entnahme ab dem 18. Geburtstag. Thesaurierende Fonds dürften keinen Ausweg bieten, denn auch ausschüttungsgleiche Erträge werden voraussichtlich besteuert. Systematisch naheliegend wäre, die ordentlichen Erträge (Dividenden, Zinsen) zu besteuern und Substanzgewinne im Fonds wie Kursgewinne steuerfrei zu stellen, die OeKB-Meldungen weisen beides ohnehin getrennt aus. Ein wichtiger Unterschied zum normalen Depot: Dort mindert die bereits bezahlte KESt auf ausschüttungsgleiche Erträge die Steuer beim späteren Verkauf. Im Zukunftsdepot fällt dieser Ausgleich weg, weil der Verkauf ohnehin steuerfrei ist, die laufende KESt ist also endgültig.
Was das ausmacht, zeigt eine vereinfachte Beispielrechnung von zukunfts-depot.at mit 5.000 Euro Einzahlung pro Jahr über 18 Jahre, 7 % Rendite p.a. und davon 1,3 % ordentlichen Erträgen:
| Variante | Endwert |
|---|---|
| Komplett KESt-frei (ursprünglich angekündigt) | rund 181.900 Euro |
| Zukunftsdepot laut aktuellem Stand | rund 175.200 Euro |
| Normales Depot | rund 156.300 Euro |
Die laufende Besteuerung kostet in diesem Beispiel rund 0,35 Prozentpunkte Rendite pro Jahr, der Vorsprung gegenüber einem normalen Depot bleibt mit knapp 19.000 Euro aber deutlich. Am meisten profitieren breit gestreute Aktien-ETFs mit niedriger Dividendenrendite, weniger dagegen Dividenden- und Anleihenfonds.
Gebühren: Nur die Kontoführung ist gratis
Laut Presseaussendung des ÖVP-Parlamentsklubs vom 18. Oktober darf für die Kontoführung keine Gebühr verrechnet werden. Transaktions-, Lager- und Ordergebühren sind dagegen erlaubt, sie müssen lediglich transparent ausgewiesen werden. Gerade die Depotgebühr ist bei vielen österreichischen Banken der größte laufende Kostenblock. Zu den Produktkosten, also laufenden Fondskosten (TER) und Ausgabeaufschlägen, findet sich in der Aussendung nichts.
| Kostenart | Laut Eckpunkten |
|---|---|
| Kontoführung | nicht erlaubt |
| Depotgebühr | erlaubt, muss ausgewiesen werden |
| Transaktions- und Ordergebühren | erlaubt, muss ausgewiesen werden |
| Fondskosten (TER, Ausgabeaufschlag) | nicht geregelt, Neos schrieben von maximal 0,50 % p.a., genauere Informationen finden sich aber sonst nirgends |
Weil sich das Zukunftsdepot an Familien mit kleinen, regelmäßigen Beträgen richtet, wiegen fixe Spesen besonders schwer. Kostet eine Sparplanausführung etwa 1,50 Euro (Annahme), gehen bei 50 Euro Monatsrate gleich 3 % jeder Einzahlung verloren. Offen ist auch, ob die OeBFA, die das Depot ebenfalls anbieten soll, für eine Veranlagung im Bundesschatz Gebühren verlangen wird.
Startbonus: 500 Euro nur unter Bedingungen
Aus einem Papier, das der APA vorliegt und über das der ORF berichtet hat, gehen die Voraussetzungen für den staatlichen Startbonus hervor. Das Kind muss ab 1. Jänner 2027 geboren sein, die österreichische Staatsbürgerschaft oder eine rechtliche Gleichstellung haben (etwa EU-, EWR- und Schweizer Staatsangehörige sowie Asylberechtigte) und bis zur Volljährigkeit 15 Jahre rechtmäßigen Aufenthalt in Österreich nachweisen. Subsidiär Schutzberechtigte und Drittstaatsangehörige ohne Gleichstellung sind nach derzeitigem Stand ausgeschlossen. Ob sie trotzdem ein Zukunftsdepot mit Steuervorteil eröffnen können, ist unklar. Ebenso offen ist, ob die 500 Euro bei der Geburt fließen und bei einem Wegzug zurückgefordert werden oder erst nachträglich gutgeschrieben werden. Finanziert wird der Bonus aus dem Familienlastenausgleichsfonds (FLAF), zuständig ist das Familienministerium, für die Steuerbefreiung das Finanzministerium.
Beratungsgespräch: Hürde für Online-Broker?
Vor der Eröffnung ist ein Beratungsgespräch für die Eltern vorgesehen, die Inhalte sollen FMA, Kreditinstitute und OeNB gemeinsam erarbeiten. Wie verbindlich es wird, ist je nach Quelle unterschiedlich dargestellt. „Die Presse“ berichtet am 20. Oktober von einem notwendigen Gespräch mit Opt-out-Möglichkeit, in der ÖVP-Aussendung und den meisten APA-Meldungen ist nur von „vorgesehen“ die Rede, Salzburg24 und die NEOS sprechen von einer verpflichtenden Beratung, ein Opt-out erwähnen die NEOS nicht.
Für Direktbanken und Neobroker ist das eine entscheidende Frage. Filialbanken können ein Pflichtgespräch problemlos in ihre Abläufe einbauen, inklusive der Gelegenheit, hauseigene Fonds zu empfehlen. Anbieter, die beratungsfrei (Execution only) arbeiten, haben dafür weder Strukturen noch Geschäftsmodell. Ohne echtes Opt-out hätten Banken mit Filialnetz einen strukturellen Vorteil gegenüber günstigeren Online-Anbietern. Ungeklärt ist auch, ob das Gespräch online, per Video oder als digitales Lernmodul stattfinden darf, ob es sich um eine reine Information oder um eine Anlageberatung nach WAG 2018 handelt und ob auch neutrale Stellen es durchführen dürfen.
Was das für Anlegerinnen und Anleger heißt
Das Zukunftsdepot bleibt nach heutigem Stand attraktiv, ist aber weniger großzügig als ursprünglich angekündigt. Ob es sich am Ende rechnet, hängt stark von den Kosten des jeweiligen Anbieters und von der Produktwahl ab. Kostengünstige, breit gestreute Aktien-ETFs dürften am meisten profitieren, teure aktive Fonds mit Ausgabeaufschlag fressen einen guten Teil des Steuervorteils wieder auf. Für Broker-Test.at wird spannend, welche Online-Broker überhaupt ein Zukunftsdepot anbieten können und wollen. Sobald der Begutachtungsentwurf vorliegt und die ersten Anbieter ihre Konditionen veröffentlichen, vergleichen wir die Angebote hier im Detail. Der Gesetzesentwurf soll bald kommen, etwaige Angebote werden noch viele Monate auf sich warten lassen, da der Start erst mit 1. Juli 2027 passieren wird.
Alle Einzelmeldungen mit laufenden Updates gibt es auf zukunfts-depot.at.
Hinweis: Dieser Beitrag ist eine redaktionelle Information und keine Anlage- oder Steuerberatung. Die Angaben beruhen auf Medienberichten und Eckpunkten der Regierungsparteien, ein Gesetzesentwurf liegt noch nicht vor, Änderungen sind möglich. Die Beispielrechnungen sind vereinfacht und keine Prognose. Veranlagungen in Finanzinstrumenten sind mit Risiken verbunden und können neben den Erträgen auch zum Verlust des eingesetzten Kapitals führen. Alle Angaben ohne Gewähr, Stand: 20. Oktober 2026.
Quellen:
- Bundeskanzleramt: Bundeskanzler Stocker, Regierung liefert (17.10.2026)
- ÖVP-Parlamentsklub, OTS0007: Zukunftsdepot, wichtiger Impuls für Vermögensaufbau und Eigenvorsorge (18.10.2026)
- ORF.at: „Zukunftsdepot“, Startbonus nur bei 15-jährigem Aufenthalt
- ORF.at: Regierungsspitze, Einigung bei Unis und „Zukunftsdepot“
- VOL.AT (APA): Bonus beim Zukunftsdepot nur bei langem Aufenthalt
- Salzburg24: Grünes Licht für Zukunftsdepot
- NEOS: Themenseite Zukunftsdepot
- WKO, Bundessparte Bank und Versicherung: Zukunftsdepot, wichtiger Impuls für die Vorsorge
- VersicherungsJournal: Regierung stellt Zukunftsdepot vor (19.10.2026)
- DerStandard.at, Bericht zur KESt auf laufende Erträge (19.10.2026),
- Die Presse, Print Ausgabe vom 20.10.2026
- zukunfts-depot.at: News zum Zukunftsdepot
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Die Mündelsicherheit wird kein Teil der Zukunftsdepots werden.