Vor knapp zwei Wochen habe ich darüber berichtet, dass die erste Ausschüttung des neuen Vanguard FTSE Global All-Cap UCITS ETF (Dist) ohne Ausschüttungsmeldung an die OeKB erfolgt ist. Für Anlegerinnen und Anleger in Österreich bedeutet das im ungünstigsten Fall eine Doppelbesteuerung, weil der steuereinfache Broker die gesamte Ausschüttung verkesten muss und die spätere Jahresmeldung diese Erträge nochmals erfasst. Nun gibt es eine Antwort von Vanguard, und die ist erfreulich.
- Vanguard hat intern den Prozess aufgesetzt, damit künftig Ausschüttungsmeldungen an die OeKB erfolgen können
- Betroffen sind der Vanguard FTSE Global All-Cap (Dist), der Vanguard FTSE All-World ex US (Dist) und zusätzlich der Vanguard FTSE Global Small-Cap (Dist)
- Einen konkreten Zeitpunkt, ab wann die Meldungen tatsächlich erfolgen, nennt Vanguard noch nicht
- Ob bereits die nächste Ausschüttung Ende Dezember gemeldet wird, ist offen
Die Antwort von Vanguard
Ich hatte mich nach der ersten Ausschüttung des Global All-Cap ETFs direkt bei Vanguard gemeldet und nachgefragt, ob für diesen Fonds sowie für den Vanguard FTSE All-World ex US (Dist) Ausschüttungsmeldungen an die OeKB geplant sind und ab wann Anlegende in Österreich damit rechnen können. Die Antwort kam nun von Vanguard: Man habe intern den Prozess aufgelegt, um Ausschüttungsmeldungen an die OeKB für die beiden genannten ETFs zu übermitteln. Zusätzlich wurde gleich ein dritter Fonds mit aufgenommen, nämlich der Vanguard FTSE Global Small-Cap UCITS ETF USD Dist. Einen Zeitpunkt, wann dieser Prozess abgeschlossen sein wird, konnte Vanguard allerdings noch nicht nennen.
Konkret geht es um diese drei ausschüttenden ETFs:
| ETF | ISIN |
|---|---|
| Vanguard FTSE Global All-Cap UCITS ETF (Dist) | IE000CVUM3N6 |
| Vanguard FTSE All-World ex US UCITS ETF (Dist) | IE000G1H7OC0 |
| Vanguard FTSE Global Small-Cap UCITS ETF (Dist) | IE000F8RXD33 |
Was das in der Praxis bedeutet
Damit eine Ausschüttung bei der OeKB aufscheint, braucht es eine Meldekette. Vanguard liefert die notwendigen Daten zur Ausschüttung an den steuerlichen Vertreter in Österreich, das ist im Moment Deloitte Tax Wirtschaftsprüfungs GmbH, dieser übermittelt die Ausschüttungsmeldung rechtzeitig an die OeKB. Liegt die Meldung dort vor, kann der steuereinfache Broker erkennen, welcher Teil der Ausschüttung steuerpflichtig ist, und die KESt korrekt berechnen. Genau dieser erste Schritt, also die Datenlieferung von Vanguard an den steuerlichen Vertreter, wird jetzt eingerichtet.
Das ist dieselbe Lösung, die Vanguard 2024 bereits für viele andere ausschüttende ETFs umgesetzt hat, etwa für den beliebten Vanguard FTSE All-World UCITS ETF (Dist). Seither werden dort die Ausschüttungen gemeldet, und das Problem der Doppelbesteuerung samt negativer Anpassung der Anschaffungskosten ist für Anlegende in Österreich vom Tisch. Es spricht also einiges dafür, dass es bei den neuen Fonds ebenso funktionieren wird.
Wird schon die Dezember-Ausschüttung gemeldet?
Das ist die spannende Frage. Der Global All-Cap ETF schüttet quartalsweise aus, die nächste Ausschüttung steht somit Ende Dezember 2026 an. Ob der Prozess bis dahin fertig ist, lässt Vanguard offen. Ich würde mich daher nicht darauf verlassen, dass bereits diese Ausschüttung gemeldet wird. Sobald der Termin näher rückt, lohnt sich ein Blick auf my.oekb.at: Nach Eingabe der ISIN findet man unter „Übersicht erfolgter Meldungen“, ob eine Ausschüttungsmeldung eingegangen ist. Ich werde das ebenfalls beobachten.
Wichtig für bereits erfolgte Ausschüttungen: Die Ausschüttung vom 30. September 2026 wurde nicht gemeldet und wurde beim steuereinfachen Broker daher zur Gänze verkestet. Daran ändert der neue Prozess voraussichtlich nichts, die Korrektur erfolgt in solchen Fällen erst über die Jahresmeldung und die damit verbundene Anpassung der Anschaffungskosten.
Was Anlegende jetzt tun können
Wer bereits in einen der drei ausschüttenden ETFs investiert ist, muss nicht übereilt handeln. Die Richtung ist klar, es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis die Meldungen laufen. Wer erst einsteigen möchte und womöglich die steuerlichen Nachteile in der Übergangsphase vermeiden will, kann bis zur ersten gemeldeten Ausschüttung abwarten oder auf die thesaurierende Variante zurückgreifen, bei der das Thema fehlender Ausschüttungsmeldungen naturgemäß nicht auftritt.
Ein Dankeschön an dieser Stelle an Vanguard für die Rückmeldung und vor allem dafür, dass das Thema aufgegriffen wurde. Dass gleich der Global Small-Cap ETF mitberücksichtigt wird, zeigt, dass die Anliegen österreichischer Anlegerinnen und Anleger ernst genommen werden. Schöner wäre es natürlich, würde jede Ausschüttung eines jeden Vanguard Fonds automatisch an die OeKB übermittelt werden. Der Prozess und der damit verbundene Aufwand und die Kosten dürften aber so sein, dass es von Seiten Vanguard eine individuelle Abschätzung je Fonds gibt.
Zum Hintergrund und zur ausführlichen Erklärung der Doppelbesteuerung: Vanguard FTSE Global All-Cap: Erste Ausschüttung ohne OeKB-Meldung sowie unser Beitrag zum Steuernachteil ausschüttender Fonds.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Investitionen in Wertpapiere sind mit Risiken verbunden, bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals. Die steuerliche Behandlung hängt von den persönlichen Verhältnissen ab und kann sich künftig ändern.