Erst vor wenigen Wochen war es soweit, der Global All-Cap ETF von Vanguard startete und das mit einer sehr kostengünstigen TER von 0,07 % und Transaktionskosten von 0,02 % im Jahr. Wohl einer der spannendsten Neuzugänge im Bereich der breit gestreuten Welt-ETFs. Er bildet den FTSE Global All Cap Index ab und investiert damit in rund 10.000 große, mittelgroße und kleine Unternehmen aus 25 Industrie- und 24 Schwellenländern. Für Anlegerinnen und Anleger in Österreich ist die ausschüttende Variante (ISIN IE000CVUM3N6, WKN A42B1N) aber derzeit mit einem Haken versehen, der sich erst bei der ersten Ausschüttung gezeigt hat.
Ausschüttung
Nun kam die erste Ausschüttung des neuen Global All-Cap ETFs von Vanguard. Die Daten dazu sind je Anteil 0,0053 US-Dollar die mit 30. September 2026 ausschüttet werden. Bis der jeweilige Broker die auch tatsächlich ausschüttet und am Verrechnungskonto gutschreibt, das kann dann nochmals wenige Tage dauern. Im Fall der DADAT Bank, siehe Screenshot links, war der Ausschüttungstag der 2. Oktober 2026.
Auf der Buchungsbestätigung ist auch zu sehen, dass die Kapitalertragsteuer abgezogen wurde.
Meldefonds Absichtserklärung ja, Ausschüttungsmeldung nein
Vanguard hat für diesen ETF bei der Oesterreichischen Kontrollbank (OeKB) bereits eine Absichtserklärung abgegeben, ein Meldefonds werden zu wollen. Das ist grundsätzlich eine gute Nachricht, denn ohne Meldefonds-Status droht in Österreich die pauschale Besteuerung, die für Anlegende deutlich teurer ausfallen kann. Dieser Punkt ist soweit erledigt, ja der Gobal All-Cap ETF von Vanguard ist ein Meldefonds, sowohl der Ausschütter als auch der Thesaurier.

Nun ist die erste Ausschüttung dieses ETFs erfolgt, und hier zeigt sich: An die OeKB wurde keine Ausschüttungsmeldung übermittelt. Wer die ISIN auf my.oekb.at eingibt und unter „Übersicht erfolgter Meldungen“ nachsieht, findet zur Ausschüttung keinen Eintrag. Das überrascht, weil Vanguard seit 2024 genau bei vielen anderen ausschüttenden ETFs (etwa beim beliebten Vanguard FTSE All-World UCITS ETF Distributing) diese Meldungen vornimmt.
Warum Ausschütter ohne Ausschüttungsmeldung nicht optimal sind
Damit ein steuereinfacher Broker eine Ausschüttung korrekt abrechnen kann, braucht er Daten. Der Fondsanbieter müsste die Ausschüttung rechtzeitig vor dem Termin an seinen steuerlichen Vertreter melden, dieser leitet die Meldung an die OeKB weiter. Liegt dort eine Meldung vor, weiß der Broker, welcher Teil der Ausschüttung steuerpflichtig ist und welcher nicht, und kann die KESt entsprechend berechnen oder auch ganz davon absehen.
Fehlt diese Meldung, bleibt dem Broker keine andere Wahl: Er behandelt die gesamte Ausschüttung als steuerpflichtigen Ertrag und zieht 27,5 % KESt ab. Das ist an dieser Stelle noch nachvollziehbar, das eigentliche Problem kommt aber später.
Einmal im Jahr übermittelt der steuerliche Vertreter die Jahresmeldung an die OeKB. Darin werden die ausschüttungsgleichen Erträge und die Ausschüttungen des Geschäftsjahres steuerlich erfasst, so als wären die Ausschüttungen bisher noch gar nicht besteuert worden. Genau hier entsteht die Doppelbesteuerung: Was bereits bei der Auszahlung verkestet wurde, wird mit der Jahresmeldung nochmals berücksichtigt.
Typisch für solche Fonds ist außerdem eine negative Anpassung der Anschaffungskosten. Die steuerlichen Anschaffungskosten der Position sinken dadurch, womit beim späteren Verkauf der Gewinn höher ausfällt und entsprechend mehr KESt anfällt. Unterm Strich zahlt man also früher und mehr Steuer als nötig, das fehlende Kapital arbeitet in der Zwischenzeit nicht mehr im Depot mit, und die Abrechnungen werden für Laien kaum noch nachvollziehbar.
Eine ausführliche Erklärung samt Rechenbeispiel am Vanguard FTSE All-World, der bis 2024 von genau diesem Problem betroffen war, findet sich in unserem Beitrag zum Steuernachteil ausschüttender Fonds.
Nachfrage bei Vanguard läuft
Ich habe mich bereits bei Vanguard gemeldet und nachgefragt, wie es mit einer Ausschüttungsmeldung an die OeKB für
- Vanguard FTSE Global All-Cap UCITS ETF (Dist) – ISIN: IE000CVUM3N6 und auch für den
- Vanguard FTSE All World Ex.U.S. (Dist.) ISIN: IE000G1H7OC0
aussieht und ob künftige Ausschüttungen gemeldet werden. Sobald eine Antwort vorliegt, wird dieser Beitrag aktualisiert.
Was Anlegende jetzt tun können
Wer bereits investiert ist oder einen Kauf plant, hat im Wesentlichen drei Möglichkeiten:
- Abwarten, ob Vanguard die Ausschüttungsmeldungen nachzieht, so wie es 2024 bei vielen anderen ausschüttenden Vanguard-ETFs passiert ist.
- Auf eine thesaurierende Variante ausweichen, bei der das Problem fehlender Ausschüttungsmeldungen naturgemäß nicht auftritt.
- Auf einen anderen ausschüttenden Welt-ETF setzen, bei dem die Ausschüttungen nachweislich an die OeKB gemeldet werden. Ein Blick auf my.oekb.at mit der jeweiligen ISIN schafft hier rasch Klarheit.
Wichtig: Eine fehlende Ausschüttungsmeldung bedeutet nicht automatisch, dass der ETF kein Meldefonds wird. Der Nachteil betrifft die laufende Abrechnung der Ausschüttungen beim steuereinfachen Broker und die daraus folgende Doppelbesteuerung.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Investitionen in Wertpapiere sind mit Risiken verbunden, bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals. Die steuerliche Behandlung hängt von den persönlichen Verhältnissen ab und kann sich künftig ändern.