Beachte: Veranlagungen in Finanzinstrumenten sind mit Risiken verbunden und können neben den Erträgen auch zum Verlust des eingesetzten Kapitals führen.

easybank streicht Kontoführung und Mindestgebühr je Depot

Mit dem neuen Preisblatt für das easy flat Depot, gültig ab 1. Oktober 2026, dreht die easybank an zwei Fixkosten, die bisher vor allem kleine Depots belastet haben. Ordergebühren, Sparplankonditionen und fremde Spesen bleiben unverändert. Der Überziehungszinssatz am Verrechnungskonto steigt zwar von 8,877 % auf 9,344 % p.a., das ist aber eine reine Folge des höheren 3-Monats-Euribor, der Aufschlag von 6,75 % bleibt gleich.

Im neuen Preisblatt sehen die Änderungen bzw. Neuerungen wie folgt aus:

Kontoführung: gratis für Neukundschaften, Bestandskunden zahlen weiter

Bisher kostete das verpflichtende Verrechnungskonto 1,50 Euro pro Monat, quartalsweise im Nachhinein abgebucht, das sind 18,00 Euro über das Jahr. Im neuen Preisblatt steht beim Kontoführungsentgelt 0,00 Euro, eine Fußnote schränkt das aber gleich wieder ein: Für Depoteröffnungen bis 30. September 2026 bleibt es bei 1,50 Euro pro Monat. Wer also schon Kundin oder Kunde ist, zahlt weiterhin die 18 Euro im Jahr, während Neukundschaften für „dasselbe Produkt“ nichts zahlen. Ausgenommen sind Bestandskundschaften, die über eine frühere Neukundenaktion ohnehin noch bis Ende 2028 von Depot- und Kontoführungsgebühren befreit sind.

Ein einfacher Ausweg über Schließen und Neueröffnen ist nur bedingt möglich. Die aktuelle Neukundschaftenaktion setzt voraus, dass in den letzten sechs Monaten kein Depot bei der easybank geführt wurde. Gegebenenfalls Kontakt mit der easybank Betreuung aufnehmen hilft hier.

Auch keine Mindestdepotgebühr: Wer davon profitiert

Bis 30. September galt beim Verwahrentgelt eine doppelte Untergrenze: 4,50 Euro zzgl. USt je Position und zusätzlich ein Grundentgelt von 12,50 Euro zzgl. USt je Depot, das immer dann verrechnet wurde, wenn die Summe der Positionsentgelte darunter lag. Dieses Grundentgelt über brutto 15,00 Euro im Jahr ist nun weg, und anders als bei der Kontoführung gilt das auch für Bestandskundschaften.

Profitieren können davon vor allem kleine Depots mit ein oder zwei Positionen. Bei einer einzelnen Position wirkte das Grundentgelt bis zu einem Kurswert von rund 15.000 Euro, darüber lag das prozentuale Entgelt ohnehin höher. Größere Depots mit mehreren Positionen merken von der Änderung nichts. Reine Sparplan-Depots waren schon bisher vom Grundentgelt ausgenommen, Sparplan-Positionen kosten weiterhin 0,12 % p.a. ohne Mindestbetrag.

Das Verwahrentgelt wird einmal jährlich im Nachhinein berechnet, auf Basis der Kurse zum Stichtag 31. Dezember und anteilig nach Behaltedauer.

Rechenbeispiele

Laufende Kosten pro Jahr inkl. 20 % USt, Positionen außerhalb eines Sparplans, ohne Aktionen:

Depotbisherneu, Bestandskundeneu, Neukunde
3.000 Euro, 1 Position33,00 Euro23,40 Euro5,40 Euro
10.000 Euro, 2 Positionen33,00 Euro30,00 Euro12,00 Euro
50.000 Euro, 4 Positionen78,00 Euro78,00 Euro60,00 Euro

Das kleine Depot wird für Bestandskundschaften um knapp 10 Euro im Jahr günstiger, beim großen Depot ändert sich für sie gar nichts. Neukundschaften sparen zusätzlich die 18 Euro Kontoführung.

Neukundenaktion bis Jahresende

Parallel zum neuen Preisblatt läuft eine Aktion für private Neukunden: Wer zwischen 1. Oktober und 31. Dezember 2026 ein Depot eröffnet, zahlt bis 31. März 2027 keine Orderspesen für Käufe und Verkäufe über gettex, auch die fremden Spesen von gettex übernimmt die easybank in diesem Zeitraum. Die Depotgebühr entfällt bis Ende 2029. Danach gelten die regulären Konditionen.

Vergleich mit flatex, DADAT und Trade Republic

Alle vier Anbieter sind in Österreich steuereinfach. Bei den laufenden Fixkosten liegt die easybank aber trotz der Streichungen weiterhin hinten.

AnbieterDepotgebührVerrechnungskonto
easybank, Neukundschaften0,12 % p.a., min. 5,40 Euro je Position (Aktion: 0 Euro bis Ende 2029)0,00 Euro
easybank, Bestandskundschaften0,12 % p.a., min. 5,40 Euro je Position18,00 Euro p.a.
flatex0,00 Euro (außer Xetra-Gold, ADR, GDR)0,00 Euro
DADATNeukunden 0,00 Euro, Bestandskunden ab 2027 0,00 Euro10,00 Euro p.a.
Trade Republic0,00 Euro0,00 Euro

flatex verrechnet dauerhaft 0,00 Euro Depotgebühr und keine Kontoführungsgebühr für das Verrechnungskonto, eine Verwahrgebühr fällt nur bei Xetra-Gold, ADRs und GDRs an. Die DADAT Bank hat die Depotgebühr im März für Neukundschaften abgeschafft, für Privatkundschaften entfällt sie ab 1. Jänner 2027 vollständig, bisher lag sie bei 0,06 Prozent pro Jahr mit einer Mindestgebühr von 3,48 Euro pro Position. Kostenpflichtig bleibt bei der DADAT das verpflichtende Wertpapierverrechnungskonto mit 2,50 Euro pro Quartal. Bei Trade Republic gibt es keine Depotgebühr und keine Gebühren für das Verrechnungskonto.

Umgelegt auf die Rechenbeispiele von oben:

Anbieter3.000 Euro10.000 Euro50.000 Euro
easybank, Neukunde (regulär)5,40 Euro12,00 Euro60,00 Euro
easybank, Bestandskunde23,40 Euro30,00 Euro78,00 Euro
DADAT (ab 2027)10,00 Euro10,00 Euro10,00 Euro
flatex0,00 Euro0,00 Euro0,00 Euro
Trade Republic0,00 Euro0,00 Euro0,00 Euro

Der Unterschied wächst mit dem Depotvolumen, weil die easybank als einziger der vier Anbieter weiterhin ein prozentuales Verwahrentgelt verlangt. Bei 50.000 Euro sind das 60 Euro im Jahr, bei 100.000 Euro bereits 120 Euro. Bei den Ordergebühren sieht das Bild anders aus: flatex verlangt für jede Inlandsorder eine Flatfee von 5,90 Euro, Trade Republic 1,00 Euro für die Bestpreis-Order, die easybank startet an der Wiener Börse bei 4,95 Euro, ETF-Starpartner kauft man ohne eigene Orderspesen. Spreads, Produktkosten und etwaige Rückvergütungen kommen bei allen Brokern noch hinzu.

Einordnung

Die Streichung des Grundentgelts ist eine echte Verbesserung, von der alle profitieren, wenn auch nur bei kleinen Depots spürbar. Die Abschaffung der Kontoführung ist dagegen in erster Linie ein Neukundenargument. Dass Bestandskundschaften für das gleiche Konto weiterhin 18 Euro im Jahr zahlen, während Neukundschaften nichts zahlen, dürfte bei vielen nicht gut ankommen.

Im Wettbewerb holt die easybank damit etwas auf, schließt die Lücke aber nicht. flatex und Trade Republic verlangen keine laufenden Fixkosten, die DADAT ab 2027 nur noch 10 Euro im Jahr für das Verrechnungskonto. Die easybank ist der einzige dieser Anbieter mit prozentualem Verwahrentgelt, und das wiegt bei wachsendem Depot schwerer als jede Kontoführungsgebühr. Für Neukunden, die bis Jahresende eröffnen, ist das Angebot dank der Aktion bis Ende 2029 dennoch konkurrenzfähig. Entscheidend ist, was ab 2030 passiert.

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