Besteuerung von Wertpapiere: KESt oder Einkommensteuer?

Man hält ein Wertpapier und verkauft dieses mit Gewinn oder erhält Ausschüttungen, aber wie werden diese Erträge denn nun versteuert. Kommt die besondere Kapitalertragsteuer in der Höhe von 27,50 % zur Geltung oder kommt der persönliche Einkommensteuertarif zur Anwendung? Dieser Beitrag möchte hier mehr Klarheit verschaffen, Details oder Sicherheit bringt Ihnen das persönliche Gespräch mit einem Steuerberater Ihrer Wahl.

Kapitalertragsteuer von 25 %, Kapitalertragsteuer von 27,50 % oder Einkommensteuertarif?

Die KESt in der Höhe von 25 % gilt seit 2016 nur noch für Geldeinlagen bei Kreditinstituten wie auf Sparkonten, Sparbüchern, Girokonto Guthaben. Einkünfte aus Kapitalvermögen unterliegen daher in der Regel der 27,50 %igen Kapitalertragsteuer. Mit der Kapitalertragsteuer ist alles endbesteuert und der Anleger hat keine weiteren abgabenrechtlichen Pflichten. Es gibt aber Wertpapiere bzw. andere Veranlagungen die nicht unter die KESt fallen und diese werden dann mit dem persönlichen Einkommensteuertarif versteuert. Der persönliche Einkommensteuertarif kann über den 27,50 % liegen, aber auch darunter. Theoretisch. Vermutlich wird es nur wenige Kapitalanleger im Wertpapierbereich geben, welche einen niedrigeren persönlichen Einkommensteuertarif haben als die 27,50 % Kapitalertragsteuer.

Kapitalertragsteuer von 25,00 %

Der KESt von 25 % unterliegen wie bereits oben angeführt z. B.

  • Sparbuch
  • Sparkonto
  • Girokonto
  • grundsätzlich alle Einlagen bei Banken und Sparkassen

Kapitalertragsteuer von 27,50 %

Der besonderen KESt von 27,5 % unterliegen folgende Wertpapiere bzw. deren Erträge / Erlöse:

  • Kursgewinne von Aktien
  • Dividenden von Aktien
  • Anleihezinsen (Kupons)
  • Kursgewinne von Anleihen
  • Indexzertifikate
  • Kapitalschutzprodukte
  • Bonuszertifikate
  • Inländische Fonds
  • KESt-Meldefonds und Nicht-Meldefonds (hier aber pauschalierte Ermittlung der Erträge, welche verKEStet werden)
  • Optionsscheine

Für Altbestände, also Wertpapiere die man bereits vor dem 31.12.2010 angeschafft hat, gibt es keine KESt die berücksichtigt werden muss.

Einkommensteuer

Der progressive Einkommensteuertarif des Einzelnen fällt bei folgenden Wertpapieren an:

  • CFDs
  • Futures
  • Optionen
  • Forex
  • Fremdwährungskonten
  • Nachrangdarlehen (Crowdinvesting)
  • P2P Kredite (Lendico, Bondora, …)

Wichtig und nicht vergessen sollten Sie, dass wenn Sie Erträge die mit Ihrem Einkommensteuertarif versteuert werden, haben, so können Sie bei diesen sehr wohl Werbungskosten geltend machen. Hingegen bei Erträgen die unter die Kapitalertragsteuer fallen, können Sie keinerlei Werbungskosten geltend machen.

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Peter

ich möchte noch euch fragen, ob den Steuersatz von 27.5% für die Indexzertifikate auch in einem kurzzeitigen Geschäft gilt. Dh. die Behaltedauer unter einem Jahr.

Thomas

Hallo Peter!

Wenn etwas zum fixen Steuersatz zu versteuern ist, also KESt-pflichtig (25% oder 27,5%), dann gibt es generell keine Haltedauer (Spekulationsfrist), die von Relevanz wäre.

Ein Geschäft führt sofort zu Gewinn/Verlust – egal wie kurz oder lang eine Position gehalten wurde. Und ist damit auch sofort zu versteuern.

Ben

Hallo! Ich bin gerade mehr oder weniger durch Zufall auf diesen Beitrag hier gestoßen. Das trifft sich gut, meine Steuerklärung für 2017 wird in den nächsten Monaten irgendwann fällig. Was mich am Betrag oben aber wundert – denn dazu habe ich andere Informationen. Optionen: Hier kommt nur dann der progressive Einkommensteuertarif zur Anwendung, wenn eine Option wertlos verfällt oder glattgestellt wird. Kommt es zur Ausübung, ist der Optionspreis auf den Kauf- bzw. Verkaufspreis der Aktien anzurechnen, und die Aktienposition als Ganzes zu 27,5% zu versteuern. Bei gleichzeitigem Abzugsverbot von Werbungskosten (zB Transaktionsgebühren). Quelle: https://findok.bmf.gv.at/findok?execution=e100000s1&segmentId=7a0610db-b38a-4bea-b9c5-3a39d5e60f6b Fremdwährungskonten: Die Geldbestände darauf sind nach… Weiterlesen »

Martin

Wenn der Broker freiwillig für Anleger den Kapitalsteuerabzug bei unverbrieften Derivaten (CFDs, Futures, Optionen…) wie bei allen anderen Wertpapieren durchführt, kommt auch der 27.5% Steuersatz zur Anwendung. Leider ist bei keinem der hier verglichenen Broker angeführt, ob sie das tun.

Peter

Welchen Broker macht es für in Österreich steuerpflichtigen Kunden?