ING Fonds Erfahrungen: Gut zu wissen für die ING Global Index Portfolios

ING ARIA Global Index Portfolios

Die ING in Österreich vertreibt die drei Fonds des ING Global Index Portfolios. Diese drei Fonds sind:

  • ING Global Index Portfolio Defensive – LU1693142330 – 25 % Aktien, 75 % Anleihen
  • ING Global Index Portfolio Balanced – LU1693142843 – 50 % Aktien, 50 % Anleihen
  • ING Global Index Portfolio Dynamic – LU1693143494 – 75 % Aktien, 25 % Anleihen

So teuer sind die ING Global Index Portfolios Fonds inklusive Beispiel, wie die wahren Kosten mit einem Schleier verhüllt werden

Die ING spielt bei diesen Angeboten immer mit dem Hinweis, dass in ETFs investiert wird. Bei uns Investoren wird der Betriff ETF mit günstigen Kosten verknüpft. Eine jährliche Kostenquote von 0,2 bis 0,5 % ist hier in unseren Köpfen fix verankert – wird in einen Fonds des ING Global Index Portfolios investiert, so wird es deutlich teuer bei den jährlichen Gebühren. Warum? Das wird in diesem Beitrag erklärt. Ebenso wird anhand eines Praxisbeispiels aufgezeigt, dass die Angaben der ING zu den Kosten und Gebühren nicht korrekt waren.

Schreenshot von der Website der ING (30.1.2019). „Investierte weltweit in ETFs“ – es wird in einem Dachfonds investiert, der wiederum in ETFs investiert.

Während die ING auf ihren Seiten mal von einem Dachfonds und mal von einem gemischten Fonds spricht, findet sich auf anderen Seiten wie Finanzen.net, Wallstreet-Online oder Boerse-Online der Hinweis, dass es sich hier um einen Dachfonds handelt. Genau genommen nimmt die ING es nicht zu genau, was sie denn hier anbietet. Von der Begrifflichkeit sollte ein Mischfonds in Aktien und Anleihen investieren, eben gemischt.

Es handelt sich klar um einen Dachfonds und nicht um einen gemischten Fonds, wie es hier ausgegeben wird. Screenshot von der Website der ING am 30.1.2019

Das was die ING hier aber macht ist typisch für einen Dachfonds. Ein Dachfonds investiert sein Vermögen wiederum in andere Arten von Investmentfonds. Der vorteil von Dachfonds ist die relative hohe Risikostreuung, der große Nachteil von Dachfonds ist, dass neben den Kosten und Gebühren des Dachfonds selbst natürlich auch noch Gebühren für die einzelnen Fonds in die investiert werden, anfallen – diese scheinen aber in den Kostenaushängen des Dachfonds nicht mehr auf, weil sie bereits im investierten Fonds selbst angefallen sind. Klingt teuer, ist teuer.

Hier ein Video zun den Fonds des ING Global Index Portfolios:

Praktisches Beispiel der Komplexität der Kosten (Ex-Ante vs. Ex-Post Kostenausweis)

Im Jahr 2018 wurde ein praktischer Versuch durchgeführt und der
ING ARIA – Global Index Portfolio Dynamic (ISIN LU1693143494) Dachfonds gekauft. Kaufdatum war der 16.4.2018 und Verkaufsdatum der 30.5.2018. Zum Jahresende gab es dann einen Kostenausweis und hier wurden 1,84 % an laufenden Kosten angegeben.

Der Depotauszug der ING: Ausweis der laufenden Kosten in der Höhe von 1,84 % – davon erhält die ING in Österreich 0,62 % an Provisionen.

Aufgrund dieser Höhe von 1,84 % und einer ausgewiesenen TER (siehe unten) von 1,35 % zum Kaufzeitpunkt wurde Kontakt mit der Presseabteilung der ING hergestellt, warum die Kosten denn so hoch sind! Um so viel mehr als es in den Fondsangaben selbst steht. Die Antwort war, dass es daran liegt, dass neben der TER eben auch noch Transaktionskosten hinzukommen. In der Antwort der ING war ebenso der Hinweis:

„Diese laufenden Kosten nach MiFIDII wurden Ihnen und allen anderen Kunden, die den Fonds gekauft haben, bereits vor dem Kauf im Online Banking transparent angezeigt. Entsprechend werden auf Ihrem Jahres-Depotauszug 1,84% Kosten p.a. nach MiFIDII ausgewiesen.“

Tja, man sollte eben ALLES lesen als Konsument.

Alles transparent dargestellt bei der ING – ex ante werden diese Kostenausweise genannt die vor dem Kauf angezeigt werden.

MOMENT MAL! Die eigenen Erfahrungen mit der ING sind nicht die besten und vorsorgen ist besser als nachheulen. Genau aus diesem Grunde wurde damals beim Kauf des Fonds ein Screencast gemacht (der Bildschirm wurde aufgezeichnet). Und siehe da, die ING hat damals tatsächlich 1,84 % ausgewiesen, so wie es die ING Presseabteilung auch sagt. Doch was zeigt sich bei näherer Betrachtung? Der Screenshot (sorry für die Qualität!) zeigt die Information, dass im Jahr des ING Fonds Kaufes 1,31 % an Kosten fällig werden und die Wertentwicklung im Jahr des Kaufes drücken werden:

Screenshot aus dem Screencast Video beim Kauf der Fonds – eigene Darstellung

Da der Fonds nur wenige Wochen im Jahr 2018 gehalten wurde, müssten doch 1,31 % ausgewiesen werden beim Jahresdepotauszug und nicht 1,84 %. Warum weicht der ex-ante Kostenausweis zum ex-post Kostenausweis ab? Da wird wieder nachgefragt bei der Presseabteilung der ING!

Die Presseabteilung der ING erklärte 3 Tage später, dass die Darstellung beim Fondskauf leider nicht zu 100 % korrekt sei. Der Fehler liegt darin, dass die ING in der ex-ante Information die laufenden Kosten im Jahr des Kaufs auf die Haltedauer des Fonds aliquotiert.

Fehler passieren, sie sind Teil des menschlichen Handelns. Können passieren, doch wir Konsumenten benötigen korrekte Ausweise der Kosten und keine Kostenausweise die noch dazu niedrigere Kosten beim Kauf angeben als sie es dann tatsächlich sind. Das ergibt kein schönes Bild.

Wie machen das andere? Hier ein Musterbeispiel in Sachen Transparenz bei Kosten und Gebühren:

Kosten Transparenz bei Own Austria

In Sachen Transparenz und Konsumentenfreundlichkeit ist Own Austria mustergültigst unterwegs und dies zeigt sich auch bei der Kommunikation der Kosten des Österreich-Fonds. Der Own Austria Fonds hat eine TER von 0,75 % und in der Werbemitteilungen heißt es, dass die Kosten nicht über 1 % sein werden und das meinen sie auch ernst. Martin Foussek einer der beiden Gründer von Own Austria dazu:

„Bei Own Austria bleibt alles bei der Aussage, dass die Gesamtkosten unter 1% betragen. Dafür stehen wir und daran wird sich nichts ändern.“

Transparenz und faire Konditionen sind Teil des Konzepts von Own Austria

Es gibt auch ein Video mit Dr. Wilhelm Rasinger, dem Präsidenten des Interessenverbands für Anleger wo dieser zu dem 1 % sagt, dass diese vollends okay sind. Spannend wäre, was Herr Rasinger zu den Kosten der ETF Dachfonds der ING sagen würde.

So geht Transparenz anhand des Beispiels von Own Austria – hier sind tatsächlich alle Kosten drinnen, so wie es Konsumenten lieben:

  • Einmalige Kosten,
  • Laufende Kosten,
  • Transaktionskosten,
  • Nebendienstleistungen bzw. Nebenkosten
Ownaustria_team_foto
Quelle der Gesamtkosten bei Own Austria: https://www.ownaustria.at/kostenaufstellung/


Wie sieht es denn allgemein mit den Kosten und Gebühren bei Fonds bzw. ETFs aus? Hier eine Aufstellung, welche Kosten und Gebühren denn bei einem Fonds generell anfallen können anhand des ING Beispiels. Dieses Beispiel kann natürlich auch auf andere Fonds übertragen werden und soll dazu dienen, dass sich Anleger bewusst sind, dass die Streuung und Verwaltung eines Fonds durchaus seinen Preis hat und es sich im Vorfeld empfielt sich intensiv mit den Wertpapieren, ihrem Risiko, ihrem Potential und den Kosten auseinanderzusetzen.

Kosten und Gebühren

Kauf und Verkauf

Die ING informiert, dass es keinen Ausgabeaufschlag bei diesen drei Fonds gibt und so es beim Kauf keine Gebühren gibt. Auch beim Verkauf des Fonds entstehen keine Kosten. Die Veräußerung von Fonds ist bei der ING kostenfrei.

Laufende Kosten

Im Wirtschaftsmagazini GEWINN 1/19 gab es ein Statement von Gerd Kommer, worauf es bei der richtigen Wahl von Fonds ankommt. Dieses Statement „inhalieren“ und die nächsten Zeilen lesen:

Das sagt der große Meister Gerd Kommer, breit streuen, Buy & Hold und aktiv gemanagte Investments meiden! Foto entnommen aus dem GEWINN 1/19

Aktiv gemanagte Investments, darunter fallen auch Dachfonds.

Kosten des Dachfonds

Interessanter wird es bei den laufenden Kosten. Hier informiert die ING ebenso im Informationsblatt zum Konsumentenschutz, dass die Produktkosten für die Verwaltung und dem Vertrieb aus dem Fondsvermögen bezahlt werden. Die ING informiert proaktiv ganz wie es der Gesetzgeber verlangt mit den folgenden drei Werten:

  • TER: Die TER (Total Expense Ratio = Gesamtkostenquote im Fonds) sind die Kosten, die im Fonds Jahr für Jahr anfallen. In die Kosten werden z. B. Verwaltungsgebühren, Wirtschaftsprüfer, Depotbank, miteingerechnet
  • Verwaltungsgebühr: Die Verwaltungsgebühr (gerne auch auch Management-Gebühr oder Management-Fee genannt) wird als jährliche prozentuale Vergütung direkt dem Fondsvermögen entnommen. Sie ist ein Teil der TER. In diesen Kosten sind die Kosten für das Personal, etc. drinnen. Auch die Bestandsprovision ist in der Verwaltungsgebühr enthalten.
  • Bestandsprovision: Als Bestandsprovision wird die jährliche Vergütung bezeichnet, die ein Fondsvermittler von der jeweiligen Fondsgesellschaft erhält. Die Bestandsprovision ist ein Teil der Verwaltungsgebühr.

Dabei fällt der folgende Satz:

„Anfallende Transaktionskosten für den An- und Verkauf von einzelnen Wertpapieren innerhalb des Fonds werden vom Fonds selbst getragen.“

Quelle ING PDF zum Konsumentenschutz von Fonds

Waren das nun alle Kosten und Gebühren? Nein, denn es kommt noch mehr:

Weitere Kosten: Transaktionskosten

In der TER sind die Transaktionskosten nicht enthalten und diese können durchaus hoch sein. Im Fall des Fonds ING Global Index Portfolio Dynamic (ISIN LU1693143494) waren die Transaktionskosten zu Beginn des Jahres 0,49 % und sanken dann im weiteren Verlauf auf 0,20 %. Das bedeutet, dass neben den 1,35 % noch einmal 0,49 % bzw. 0,20 % hinzukommen. War das alles? Nein, denn es kommt noch mehr:

Kosten der investierten ETFs

Auch in den investierten ETFs fallen Kosten an. Diese werden bereits im ETF selbst verrechnet. Ein Ausweis dieser Kosten im Dachfonds erfolgt nicht, fallen aber natürlich an und drücken die Rendite von uns Investierten. Ein ETF hat jährliche Kosten von ca. 0,2 bis 0,5 %. Diese kommen sodann nochmals hinzu aus der Sicht von uns Investoren. Also kurz nochmals zusammengefasst für den Beispielsfonds ING Global Index Portfolio Dynamic (ISIN LU1693143494) :

  • TER von 1,35 %
  • Transaktionskosten von 0,49 % bzw. jetzt 0,20 %
  • Kosten der investierten ETFs von vermutlich 0,20 bis 0,50 %

Hier sind wir bei Gesamtkosten von im besten Fall von ca. 1,75 % bis hin zu ca. 2,3 % p.a. für diesen Dachfonds der in ETFs investiert.


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