P2P Kredite Investments

P2P Kredite sind unbesicherte, festverzinste Produkte mit einem sehr hohen Ausfallrisiko. Es gibt keine Einlagensicherung. Die Rendite nach oben ist begrenzt durch den Zinssatz des jeweiligen Kredits, das Ausfallsrisiko liegt bei bis zu 100 %. Hohe vermeintliche Zinsen bedeuten daher auch ein hohes Risiko, dass diese Zinsen dann doch nicht eintreffen. Definitiv sind Investments in P2P Kredite kein Ersatz für Sparzinsen auf einem Sparbuch oder Sparkonto.

Worin wird bei P2P Krediten investiert?

P2P Kredite, lang Peer-to-Peer Kredite sind Kredite die von Privat an Privat ausgeliehen werden und damit die typische Bank im Kreditgeschäft ausschaltet. Die Kredite werden daher von privaten Anlegern finanziert und diese tragen auch das Ausfallsrisiko.

Möchte ein Privater in diese P2P Kredite investieren, so muss unbedingt darauf geachetet werden, dass das investierte Geld nur ein Bruchteil (Experten meinen, dass der Anteil der Investitionen in P2P Kredite in einem niedrigen einstelligen Prozentbereich liegt, also z. B. 1 oder 5 %, des gesamten Vermögens. Wird dann investiert, muss darauf geachetet werden, dass nicht in wenige Kredite investiert wird, sondern das Klumpenrisiko vermieden wird und möglichst breit gestreut wird. Eine hohe Anzahl an unterschiedlichen Krediten verhindert bzw. vermindert das Klumpenrisiko.

Je nach Plattform wird das Geld in verschiedene Arten von Krediten und in den verschiedensten Ländern investiert. Oftmals sind es folgende Kreditarten, die auf P2P Plattformen auftauchen:

Konsumkredite

Konsumkredite sind typische Verbraucherkredite. Die Kreditsummen werden dazu verwendet, um die persönlichen Konsumwünsche zu befriedigen. Das könnte z. B. die neue Couch oder die Abdeckung des Girokontos sein.

Kurzzeitkredite (pay-day-loans)

Knapp bei Kasse am Ende des Monats? Hier kommt dann gerne ein Kurzzeitkredit ins Spiel. Dieser wird nur für wenige Tage benötigt, bis die nächste Zahlung kommt. Dafür werden auch hohe Kreditzinsen des Kreditnehmers in Kauf genommen.

Vorteile und Nachteile

Vorteile

  • Höhere Renditen möglich (10 % und mehr versprechen so manche Plattformen)
  • Mit Auto-Investment-Möglichkeit bzw. Portfolio-Buildern auch Investments ohne hohen Zeitaufwand möglich
  • Breite Diversifikation meistens möglich (abhängig von der Plattform)

Nachteile

  • Höheres Risiko vorhanden
  • Steuerlich in Österreich in der Regelbesteuerung (und damit bis zu 55 % Steuern möglich)
  • Keine Einlagensicherung
  • Black-Box in was investiert wird
  • Junges Investment Vehikel – was passiert in Krisen?
  • Auch schwarze Schafe als Plattformen – Kuetzal oder Envestio 

Video

P2P Plattformen

Es gibt zig verschiedene P2P Plattformen, die für uns deutschsprachigen interessanten Plattformen kommen meist aus dem Baltikum. Gleich vorweg, es gibt anscheinend auch schwarze Schafe unter den Plattformen. Als Beispiele dafür können z. B. Kuetzal oder Envestio herangezogen werden. Beide Plattformen haben Ende 2019 bzw. Anfang 2020 die Segel gestrichen und sich förmlich in Luft aufgelöst.

Achtung, auch Betrüger tummeln sich bei P2P

Bei P2P Plattformen gibt es keine Einlagensicherung und wie genau die Plattformen die Kredite prüfen bzw. ob die Plattform an sich geprüft wird, das ist ebenfalls zu hinterfragen. Kuetzal und Envestio sind bekannte Beispiele dafür, dass es auch Plattformen gibt, deren Geschäfte nicht eindringlich geprüft wurden und Anleger dennoch ihr Geld dort investieren. Alles im guten Glauben. Auf der Jagd nach hohen Zinsen. Jetzt gibt es nur noch einen Scherbenhaufen und so manchen verzweifelten Anleger.

Alter der Plattformen

Seit wann gibt es denn diese Plattformen? Nun, generell sind diese Plattformen doch noch sehr jung und darin liegt auch ein Problem, denn es gibt noch keine Erfahrungswerte, wie sich diese Plattformen halten, wenn es eine Krise gibt. Das werden wir erst sehen, wenn die eine oder andere Krise durchtaucht wurde und überstanden wurde und die P2P Plattform nicht zerbröselt wurde.

P2P PlattformGründung
Mintos2015
Bondora2009
EstateGuru2014
Twino2015
ViaInvest2008
Viventor 2015

Fokus

Die Kredite die auf diesen Plattformen angeboten werden, welchen Fokus besitzen diese Plattformen?

P2P PlattformFokus
Mintos Konsumkredite
Bondora Konsumkredite
EstateGuru Immobilienkredite
Twino Konsumkredite
ViaInvest Konsumkredite
Viventor Konsumkredite

Rendite

Welche Renditen werden von den unterschiedlichen Plattformen angepriesen? Die tatsächlichen Renditen können und werden natürlich deutlich davon abweichen. Eh schon wissen, Rendite kommt von Risiko und das Risiko ist immens.

P2P PlattformMögliche Rendite
Mintos ca. 11-12 %
Bondora ca. 11 %
EstateGuru ca. 12 %
Twino ca. 10 %
ViaInvest ca. 11 %
Viventor ca. 11 %

Die Renditen bewegen sich bei 10 bis 12 %. Es gibt aber natürlich die eine oder andere Einstellung , die eine höhere, aber auch geringere Rendite ermöglichen können.

Investorenzahl

Wie groß sind denn diese Plattformen bereits? Nun die Anzahl der Investoren ist ein gutes Maß dafür, wie groß diese Plattformen sind, denn auch hier gilt wie bei allen Plattformen, dass diese Monopolisierungstendenzen haben. Je mehr potentielle Investoren vorhanden sind, desto interessanter wird die Plattform für die anderen Seite, jene die Kredite anbieten möchten. Somit kann davon ausgegangen werden, dass je mehr potentielle Investoren vorhanden sind, desto mehr Kredite sind auf der Plattform zu finden und desto eher besteht die Chance, dass das Kapital der potentiellen Investoren auch tatsächlich investiert werden kann. Nichts ist ärgerlicher als ruhendes Kapital, welches nicht investiert werden kann, weil es keine passenden Kredite auf der Plattform gibt. Das kann bei so mancher Plattform durchaus mal passieren. Die Anzahl der Investoren sind zum Stand 01/2020 und geben die ungefähre Anzahl an Investoren wieder.

P2P PlattformAnzahl Investoren
Mintos 205.000
Bondora 84.000
EstateGuru 33.000
Twino 18.000
ViaInvest 13.000
Viventor 6.700

Autoinvestor

Unter Autoinvestor werden zwei verschiedene Dinge verstanden. Der klassische Autoinvestor investiert in P2P Kredite nach bestimmten, voreingestellten Parametern. Dazu gibt es auch noch die andere Möglichkeit von Portfolios (z. B. Mintos Invest & Access oder Bondora Go & Grow). Bei diesen Portfolios übernimmt der Plattform Betreiber das Investieren und für den Investor ist es mehr oder minder eine Black-Box. Die Renditen sind hier in der Regel geringer, dafür für den Investor deutlich sorgloser.

P2P PlattformAutoinvestor
Mintos Ja
Bondora Ja
EstateGuru Ja
Twino Ja
ViaInvest Ja
Viventor Ja

Sekundärmarkt

Kommen neue Kredite auf die Plattform, so werden diese am Primärmarkt angeboten. Hat der Investor diese Kredite im Portfolio und möchte diese jedoch vor der endgültigen Tilgung des Kreditnehmers abstoßen, so hat dieser die Möglichkeit diese am Sekundärmarkt zu verkaufen. Der Sekundärmarkt ist somit eine Art Börse, wo der Investor seine Kredite dort an andere Investoren verkaufen kann.

P2P PlattformSekundärmarkt
Mintos Ja
Bondora Ja
EstateGuru Ja
Twino Ja
ViaInvest Ja
Viventor Ja

Rückkaufgarantie

Wenn ein Kreditnehmer seinen Kredit nicht mehr zurückzahlen kann, so ist das grundsätzlich das Risiko des Investors, weil es bei P2P Kredite so ist, dass die Kredite von Privat zu Privat vergeben werden. Daher eben auch die Chance auf eine höhere Rendite, aber eben auch höheres Risiko. Viele Plattformen bzw. die Anbahner die die Kredite auf die Plattformen stellen, bieten eine sogenannte Rückkaufgarantie an. Diese Rückkaufgarantie soll garantieren, dass wenn ein Kredit nicht zurückgezahlt werden kann, diese Rückkaufgarantie einspringt und der Investor sein investiertes Geld (natürlich ohne Zinsen) wieder zurückbekommt nach einer bestimmten Anzahl an überzähligen Tagen an denen der Kredit nicht fristgerecht zurückbezahlt wurde. Wie sicher ist aber so eine Rückkaufgarantie? Nun, nur so sicher wie der Garantiegeber selbst. Dieser nimmt einen Teil der Kreditzinsen dafür her, dass überfällige Kredite dann an die Investoren zurückbezahlt werden können – dieses System kann auch kippen, wenn zu viele Kredite platzen, dann erst wird ersichtlich, wie sicher die jeweilige Rückkaufgarantie auch tatsächlich ist.

P2P PlattformRückkaufgarantie
Mintos Ja
Bondora Nein*
EstateGuru Nein
Twino Ja
ViaInvest Ja
Viventor Ja

* Bei Bondora Go & Grow gibt es einen fixen Zinssatz von aktuell 6,75 % (Stand Jänner 2020) und in diesem Go & Grow Portfolio gibt es auch keine Ausfälle von Krediten. Dieser Zinssatz wird von Bondora „garantiert“ (so lange sie können, also bis auf Widerruf). Also etwas ähnliches wie eine Rückkaufgarantie.

Mintos Invest & Access

Mintos ist im deutschsprachigen Raum sehr beliebt und ist eine reine Plattform die Angebot und Nachfrage zusammenbringt, Mintos vermittelt daher keine eigenen Kredite sondern das Angebot an Krediten wird durch weltweite Kreditanbahner zur Verfügung gestellt.

Das Produkt „Invest & Access“ von Mintos ist die Portfolio Lösung bei die die Investoren nichts extra tun müssen. Im Unterschied zu Bondoras Go & Grow gibt es hier jedoch sehr wohl die Möglichkeit im nachhinein anzusehen, in welche Kredite investiert wurde (aber eben keine Chance zu entscheiden, in welche Kredite investiert wird). Ebenso ist es hier möglich, dass Kredite überfällig werden, 60 Tage später greift dann die Rückkaufsgarantie, aber für den Fall, dass das Geld wieder benötigt wird kann nur der Teil verkauft werden, welcher keine überfälligen Kredite aufweist. Der Rest ist dann in maximal 60 Tage später erst verfügbar. Erst dann kann das restliche Geld aus den investierten Krediten abgerufen werden.

So sieht die Übersichtsseite von Mintos aus. Bislang wurden 4.759,25 Euro investiert und 272.93 Euro sind ausständig. Wird alles zurück bezahlt, so würde das eine Rendite von 9,49 % ergeben, aber im rechten Bereich ist schon ersichtlich, dass von den 261 Investments nur 3.702,31 Euro pünktlich sind und ein durchaus ansehlicher Teil bereits überfällig, teilweise schon über 31 Tage überfällig (92,26 Euro). Nach 60 Tagen greift die Rückzahlgarantie, die Zinsen jedoch sind verloren.
Neben der Übersichtsseite gibt es natürlich auch andere Seiten mit mehr Informationen. Es wird das Produkt Invest & Access verwendet, es gibt aber auch noch die Möglichkeit des manuellen Investierens oder über die „Auto Invest“ Funktion, dass aufgrund bestimmter Parameter investiert wird.
www.mintos.com »

Bondora Go & Grow

Bondora Go & Grow ist die Portfolio Lösung von Bondora. Dort ist es möglich 6,75 % Zinsen zu lukrieren (Stand Jänner 2020). Diese 6,75 % werden von Bondora im Moment garantiert und der Investor hat hier auch keine Ausfälle zu verkraften – der niedrigere Zinssatz im Vergleich zum Investieren über den Portfolio Manager auf Bondora spiegelt das Risiko von Bondora wider. Niedrigeres Risiko, keine weiteren Einstellungen durch den Investor möglich und sofort zu investieren – das ist Bondora Go & Grow. Was für uns Österreicher hier auch durchaus interessant sein könnte ist die Tatsache, dass die Zinsen erst dann anfallen (und damit auch die Versteuerung), wenn Geld abgehoben wird vom Go & Grow Portfolio.

Beim Geld abheben kommt ein großer Vorteil von Bondora Go & Grow zu tragen, denn möchte man Geld abheben, so einfach nur auf die Funktion „Geld abheben“ klicken, die Zahlungsart aussuchen, dann von welchem Go & Grow Portfolio (es können mehrere angelegt werden) ausbezahlt wird und das Geld wird nach Abzug von 1 € pauschaler Gebühr auf das Referenzkonto überwiesen. Es wird sodann auch sogleich überwiesen und es müssen keine Rückzahlungen von überfälligen Krediten etc. abgewartet werden.

Die Übersicht bei Bondora Go & Grow. Es können verschiedene Portfolios angelegt werden, dieses Portfolio heißt „Schlechte Zeiten“. In diesem Beispiel wurde bisher ein Kapital von 4.927,37 Euro zur Verfügung gestellt und inklusive Zinsen wurde ein Gewinn von 109,76 Euro erwirtschaftet, was zu einer Gesamt-Summe von 5.037,13 Euro führt.
So sieht der Steuerbericht bei Bondora Go & Grow aus. Ein vermeintlicher Vorteil ist hier, dass erst dann Steuern auf Zinsen anfallen, wenn ausbezahlt wird. Bis dahin werden die Zinsen und auch die potentiellen Steuern akkumuliert. Wichtig ist hier zu klären, ob die Zinsen auch einem zugeflossen sind. Sind sie es, dann sind sie unbedingt auch zu versteuern.

Wie das mit der Versteuerung bei Bondora Go & Grow ist, dass ist natürlich wieder eine besondere Sache. Bondora Go & Grow erweckt den Anschein, als ob erst bei der Auszahlung des investierten Guthabens die Zinsen fällig werden, gleichzeitig ist es im österreichischen Steuerrecht so, dass entscheidet, wann die Zinsen einem zugeflossen sind und nicht, wann das Kapital + Zins überwiesen wird. Es spricht also so einiges dafür, dass auch bei Bondora Go & Grow Jahr für Jahr die Steuern abgeführt werden müssen. Verlässlich kann dies jedoch nur ein Steuerberater bzw. das Finanzamt selbst sagen.

www.bondora.com »

Steuern

Wie immer: Alle Angaben ohne Gewähr, es ist lediglich eine Idee, eine Vermutung, wie P2P Zinsen in Österreich versteuert werden – ein Steuerberater und das Finanzamt sind die einzig richtigen & verlässlichen Ansprechpartner in dieser Situation!

Video

Zinsen aus Privatdarlehen fallen in Österreich unter die Tarifbesteuerung. Sind P2P Kredite dann Privatdarlehen? Vermutlich, aber um auf Nummer sicher zu gehen, müsste jeder Fall einzeln geprüft werden. Sozusagen ist das, wie Mintos investiert wird ein Privatdarlehen oder nicht? Ist die Lösung Bondora Go & Grow auch noch immer ein Privatdarlehen oder ist schon etwas anderes? Unter der Annahme, dass die P2P Kredite bzw. die Zinsen daraus unter Privatdarlehen fallen, dann gilt eben auch hier die Tarifbesteuerung und unterliegen demnach dem persönlichen Steuertarif. Warum das so ist und keine Kapitalertragsteuer angewendet wird, wird weiter unten erklärt. Zum Stand Jänner 2020 gelten folgende Steuertarife in Österreich:

Tarifstufen EinkommenGrenzsteuersatz
in Euroseit  2016
11.000 und darunter0%
über 11.000 bis 18.00025%1)
über 18.000 bis 25.00035%1)
über 25.000 bis 31.00035%
über 31.000 bis 60.00042%
über 60.000 bis 90.00048%
über 90.000 bis 1.000.00050%
über 1.000.00055%2)
  1. Für Pensionisten ist der Grenzsteuersatz in den Einschleifbereichen des Pensionistenabsetzbetrages oder des erhöhten Pensionistenabsetzbetrages höher.
  2. Ist bis 2020 befristet, danach wird dieser wieder gestrichen und damit max. 50 % – sofern es bis dahin keine anderslautende gesetzliche Regelung gibt.

Privatdarlehen Tarifbesteuerung und nicht KESt

Die Grundlage liegt in der Rz 6225a der Einkommensteuerrichtlinien 2000 (EStR 2000). Hier heißt es:

Die Einkünfte aus Kapitalvermögen, die nicht dem besonderen Steuersatz von 25%, sondern dem normalen Einkommen- bzw. Körperschaftsteuertarif unterliegen, sind in § 27a Abs. 2 EStG 1988 abschließend aufgezählt:

Einkünfte aus Darlehen und nicht verbrieften sonstigen Forderungen, denen kein Bankgeschäft zu Grunde liegt (Z 1)
Darunter fallen insbesondere Privatdarlehen und sonstige nicht verbriefte private Forderungen, wie zB nicht verbriefte obligationenähnliche Genussrechte. Uneinbringliche private Darlehensforderungen stellen negative Einkünfte im Sinne des § 27 Abs. 3 EStG 1988 dar, deren Substanzanteil jedoch ebenfalls nicht unter den besonderen Steuersatz fällt. Zum Verlustausgleich siehe Rz 6234.

Zinsen aus P2P Krediten sind daher Einkünfte aus dem Kapitalvermögen i.S.v. §§ 27 Abs. 2 Nr. 2 i.V.m. 27a Abs. 2 Nr. 1 EStG.

Freibetrag von 730 Euro

Es gibt jedoch noch einen Veranlagungsfreibetrag von 730 Euro! Positiv ist jedoch für Menschen die NUR lohnsteuerpflichtige Einkommen erhalten (also nicht auch noch Unternehmer sind oder z. B. Vermieten), dass es eine Zuverdienstgrenze in Österreich gibt, welche besagt, dass steuerfrei jedes Jahr bis zu maximal 730 Euro hinzuverdient werden darf. Das betrifft auch Zinsen aus P2P Krediten, die ebenso nicht versteuert werden müssen, sofern sie nicht 730 Euro übersteigen im Jahr. Liegt der Gewinn zwischen 730 Euro und 1.460 Euro, so gilt hier die Einschleifregelung. Die Meldung muss hier stattfinden, jedoch ist nur jeder Teil steuerpflichtig, welcher über 730 Euro liegt. Dieser wird verdoppelt und anschließend zum Einkommen aus dem unselbstständigen Arbeitsverhältnis addiert. Wenn der Gewinn über 1.460 Euro liegt, so ist dieser voll zu versteuern.

So lieber Andreas, wie kommst du denn auf all das? Nun, wie immer ohne Gewähr und das Finanzamt und eine versierte Steuerberaterin oder Steuerberater kann einem hier sachdienlich und richtig dienen. Hier die Überlegungen mit den Gesetzestexten:

Im § 41 Abs. 3 EStG findet sich der folgende Hinweis, die beiden Hervorhebungen wurden von der Redaktion hervorgehoben:

(3) Sind im Einkommen lohnsteuerpflichtige Einkünfte enthalten, ist von den anderen Einkünften ein Veranlagungsfreibetrag bis zu 730 Euro abzuziehen. Dies gilt nicht für Einkünfte aus Kapitalvermögen im Sinne des § 27a Abs. 1. Der Freibetrag vermindert sich um jenen Betrag, um den die anderen Einkünfte 730 Euro übersteigen.

Quelle: https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Bundesnormen/NOR40206255/NOR40206255.html

In diesem Absatz wird vom Veranlagungsfreibetrag gesprochen in der Höhe von 730 Euro. Dieser gilt aber nicht für Einkünfte aus Kapitalvermögen im Sinne des § 27a Abs. 1. In diesem § 27a Abs. 1 findet sich wie wir bereits wissen aber nicht die Zinsen aus privaten Darlehen, denn diese finden sich dann erst in Absatz 2!

Besonderer Steuersatz und Bemessungsgrundlage für Einkünfte aus Kapitalvermögen

§ 27a. (1) Einkünfte aus Kapitalvermögen unterliegen im Fall von Geldeinlagen und nicht verbrieften sonstigen Forderungen bei Kreditinstituten, ausgenommen Ausgleichzahlungen und Leihgebühren gemäß § 27 Abs. 5 Z 4, einem besonderen Steuersatz von 25%, in allen anderen Fällen einem besonderen Steuersatz von 27,5% und sind bei der Berechnung der Einkommensteuer des Steuerpflichtigen weder beim Gesamtbetrag der Einkünfte noch beim Einkommen (§ 2 Abs. 2) zu berücksichtigen, sofern nicht die Regelbesteuerung (Abs. 5) anzuwenden ist. Auf tatsächlich ausgeschüttete und als ausgeschüttet geltende Erträge aus Einkünften im Sinne des § 27 aus einem § 186 oder § 188 des Investmentfondsgesetzes 2011 oder einem § 40 oder § 42 des Immobilien-Investmentfondsgesetzes unterliegenden Gebilde ist Z 2 anzuwenden.
(2) Abs. 1 gilt nicht für 1. Einkünfte aus Darlehen und nicht verbrieften sonstigen Forderungen, denen kein Bankgeschäft zu Grunde liegt;

Quelle: https://www.ris.bka.gv.at/eli/bgbl/1988/400/P27a/NOR40218829

Es macht daher den Eindruck, dass der Veranlagungsfreibetrag von 730 Euro auch für die P2P Zinsen gilt, wenn ausschließlich lohnsteuerpflichtige Arbeitsverhältnisse vorliegen. Auch wenn § 39 im EStG auf den ersten Blick dagegen sprechen würde, denn hier zeigt sich, dass Einkünfte aus Kapitalvermögen über 22 Euro versteuert werden müssen.

§ 39. (1) Die Einkommensteuer wird nach Ablauf des Kalenderjahres (Veranlagungszeitraumes) nach dem Einkommen veranlagt, das der Steuerpflichtige in diesem Veranlagungszeitraum bezogen hat. Hat der Steuerpflichtige lohnsteuerpflichtige Einkünfte bezogen, so erfolgt eine Veranlagung nur, wenn die Voraussetzungen des § 41 vorliegen. Sind im Einkommen Einkünfte aus Kapitalvermögen enthalten, so bleiben Überschüsse aus dieser Einkunftsart außer Ansatz, wenn sie 22 Euro nicht übersteigen.

Quelle: https://www.ris.bka.gv.at/NormDokument.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Gesetzesnummer=10004570&FassungVom=2016-03-08&Artikel=&Paragraf=39&Anlage=&Uebergangsrecht=

Hier handelt es sich aber anscheinend um eine Bagatellgrenze und schlussendlich wird wieder auf § 41 verwiesen und so kommen wir wieder in die Schleife von zuvor, dass es eine Freigrenze von 730 Euro gibt, wenn einzig lohnsteuerpflichtige Einkünfte vorliegen.

Optieren in Einkommensteuererklärung

Wie ist denn das jetzt mit der Einkommensteuererklärung. Das Bundesministerium für Finanzen informiert auf deren Website, dass grundsätzliche eine Einkommensteuererklärung abgegeben werden muss, wenn das Finanzamt dazu auffordert. Es ergeht keine Aufforderung, wenn bestimmte Einkommensgrenzen überschritten werden und zwar:

Wenn in Ihrem Einkommen neben lohnsteuerpflichtigen Einkünften auch andere Einkünfte (z.B. aus einem freien Dienst- oder Werkvertrag) von insgesamt mehr als 730 Euro enthalten sind und ihr gesamtes Einkommen 12.000 Euro pro Jahr übersteigt.

Wenn in Ihrem Einkommen keine lohnsteuerpflichtigen Einkünfte enthalten sind und Ihr Einkommen mehr als 11.000 Euro pro Jahr beträgt.

Quelle: https://www.bmf.gv.at/themen/steuern/arbeitnehmerinnenveranlagung/dienstvertrag-freier-dienstvertrag-werkvertrag/est-freier-dienstvertrag-oder-werkvertrag.html

Wurde nun festgestellt, ja, ich habe etwas zu versteuern, weil eben so hohe Erträge aus P2P Krediten oder der andere Fall, auch selbstständige Tätigkeiten und nicht nur unselbstständige Tätigkeit, dann heißt es optieren in die Einkommensteuererklärung, sofern noch nicht bereits geschehen.

Viele Österreicher machen gar keine Einkommensteuererklärung, sondern eine Arbeitnehmerveranlagung. Ist dies aktuell der Fall, so muss zuerst ein Wechsel von der Arbeitnehmerveranlagung in die Einkommensteuererklärung gemacht werden. Das nennt sich Erklärungswechsel. Dies funktioniert online über FinanzOnline.

Wo genau passiert dies?

Im Menü auf “Eingaben > Anträge > Erklärungswechsel” und wählen dort den “Wechsel zur Einkommensteuererklärung”.

Beim Erklärungswechsel müssen verschiedene Angaben getätigt werden und lassen Sie sich nicht vom Feld der „unternehmerischen Tätigkeit“ irritieren. Füllen Sie dies einfach aus und erwähnen bei der genauen Bezeichnung, woher denn ihre zusätzlichen Einkünfte kommen und woher. Das Finanzamt möchte sodann auch wissen, wie hoch denn diese Einkünfte in etwa sein werden. Auf Basis dieser Angaben erhalten Sie dann auch quartalsweise Vorschreibungen der Einkommensteuer für die voraussichtlichen P2P Erträge – willkommen in der Welt der Einkommensteuer.

Beim Optieren ist eine Angabe nötig, woher denn die Einkünfte kommen werden. Bei der genauen Bezeichnung eben angeben, dass die Zinsen aus P2P Krediten stammen. Beim Datumsfeld, wann die „unternehmerische Tätigkeit“ beginnt nicht irritieren lassen. Einfach das Datum, seit wann die Zinsen aus P2P Kredite sprudeln (hoffentlich) angeben.
Hier ist es nötig anzugeben, wie hoch denn ca. die Einkünfte im Kalenderjahr sein werden. Dies wird benötigt, damit das Finanzamt quartalsweise Vorschreibungen über die Höhe der zu zahlenden Einkommensteuer zusenden kann.

Kennzahl 857 in E1kv

Wo werden die Zinsen aus P2P Kredite dann schlussendlich eingetragen in der E1kv? Nun hier ist die Kennzahl 857 in der Beilage zur Einkommensteuererklärung E 1 für Einkünfte aus Kapitalvermögen die richtige Kennzahl. hier heißt es:

„Sonstige tarifsteuerpflichtige Einkünfte aus Kapitalvermögen (§ 27a Abs. 2; insbesondere Zinsen aus Privatdarlehen, Einkünfte aus nicht öffentlich begebenen Forderungswertpapieren, Einkünfte aus nicht verbrieften Derivaten ohne freiwilligem Steuerabzug, soweit nicht in Kennzahl 929 zu erfassen)“

In der Kennzahl 857 der E1kv sind die Zinsen einzutragen.

Forderungsverluste

Anscheinend ist es auch möglich, dass Forderungsverluste den Zinsen aus privaten Darlehen gegengerechnet werden können. Das heißt, gibt es tatsächlich Forderungsverluste aus P2P Darlehen, können diese den Zinsen gegengerechnet werden und der Saldo daraus wird dann versteuert.

Früher gab es von Lendico, einer mittlerweile eingestellten P2P Plattform in Österreich eine jährliche Information über die Zinszahlungen sowie über etwaige Forderungsverluste aus Privatdarlehen. Die sah z. B. so aus:

Einkünfte aus Kapitalvermögen
(Kennzahl 857 der Beilage E 1kv):
40,44 €
Forderungsverluste bezogen auf Privatdarlehen:0 €

Das Formular E1kv und die dortige Kennzahl 857 sieht so aus:

Fristen

Das Finanzamt möchte natürlich Geld sehen und gibt es die Notwendigkeit eine Einkommensteuererklärung abzugeben, so sind auch bestimmte Fristen einzuhalten.

Sämtliche Einkünfte sind zu erklären für das Kalenderjahr in dem sie zugeflossen sind und unabhängig davon, wann eine Überweisung ins Inland erfolgt.

Die Erklärungsfrist der Einkommensteuererklärung endet am 30. April des Folgejahres oder bei elektronischer Übermittlung der Erklärung am 30. Juni des Folgejahres.

FAQ

Rendite kommt von Risiko. Je höher die vermeintlichen Zinsen sind, desto höher ist auch das Risiko, dass es die vermeintlichen Zinsen nicht gibt. Die meisten P2P Plattformen kommen aus dem Baltikum (Estland, Lettland bzw. Litauen bilden das Baltikum) und hier liegen die Zinsen der P2P Kredite meist zwischen 10-13 %. Manchmal niedriger, manchmal auch höher.

In der Regel ist es so, dass das Investment in einen P2P Kredit für den Investor kostenlos ist. Die Plattform führt meist Angebot und Nachfrage zusammen und verrechnet dafür dem Investor keine Gebühren. Es gibt jedoch auch Plattformen die Gebühren verrechnen. Eine frühere P2P Plattform namens Lendico.at hat in Österreich eine Service-Gebühr bei jedem Kredit verrechnet.

Generell muss sich der Interessent bewusst sein, dass P2P Plattformen hohe Risiken haben. Es sollten daher von Anfängern nur kleine Beträge investiert werden und nur jene Beträge, die nicht benötigt werden. Gerne werden von P2P Anfängern Plattformen wie Mintos oder Bondora verwendet, diese sind auch die größten Plattformen im deutschsprachigen Raum.

Die besten P2P Plattformen? Wer weiß das schon!?! Beliebte Plattformen sind auf jeden Fall Mintos, Bondora aber auch EstateGuru. Wie geeignet und sinnvoll die jeweilige Plattform ist, oder generell überhaupt P2P Plattformen sind, hängt vom jeweiligen Interessent selbst ab.

EstateGuru ist eine beliebte Plattform für Immobilien Investments. Aufzupassen ist hier, dass hier der Mindestbetrag 50 Euro beträgt.

Nein P2P Kredite sind alles andere als sicher, denn es gibt keine Einlagensicherung und die hohen versprochenen Zinsen spiegeln auch das Risiko wider. Hohes Risiko, hohe Zinsen. Geschenkt wird einem nichts!

4
Hinterlasse einen Kommentar

2 Comment threads
2 Thread replies
0 Followers
 
Most reacted comment
Hottest comment thread
3 Comment authors
  Subscribe  
Benachrichtige mich zu:
Christoph

Vielen Dank für Deine Recherchen. Leider ein recht unklares Thema mit vielen verschiedenen Meinungen. Auch für mich hört es sich stark nach Privatdarlehen an und finde deine Anleitung super.

Da ich etwas weitersuchen wollte (hätte ich wohl lassen sollen) habe ich jedoch wieder etwas widersprüchliches (meiner Auffassung nach) gefunden.

https://www.moneyou.at/kundenservice/zinsertraege-richtig-versteuern

Aber leider wird auch hier von „keiner Garantie“ gesprochen und es gibt sicher noch viele weitere Angänge wie P2P gesehen werden kann. Mich würde aber trotzdem interessieren, ob du diese Seite schon gesehen hast bzw. was du von diesem Angang hältst.

Markus Stritzinger

Hallo Andreas,

wie nutze ich den Freibetrag also am besten bei Go&Grow? Muss ich jährlich (oder wie lange es halt dauert bis die Zinsgewinne den Freibetrag übersteigen würden) mein gesamtes investiertes Kapital inklusive Zinsgewinne von der Plattform abziehen? Und im nächsten Jahr dann wieder neu investieren?